Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Die Martinswand in Tyrol.

Südlich von Innsbruck, eine mäßige halbe Stunde unterdem Dorfe Zirl steht über dem Heerwege links die berühmteMartinswand. Ihr Fuß erhebt sich 36, ihre Höhe am erst be-deckten Grasabhange 296 Klafter über das mittlere Jnnwasser.Fast in der Mitte der senkrechten Neige klafft die sogenannteMarimiliansgrotte, ziemlich geräumig, schief gestellt, muschelför-mig, 76 bis 86 Fuß im Längendurchmesscr, 15 in der Breite,1213 in der Tiefe haltend, mit einer schönen Aussicht ausdie Thalfläche und das gegenüber liegende Gebirge. Darin be-findet sich ein großes Kreuzbild mit den lebensgroßen Stand-bildern der heiligen Jungfrau Maria und des heil. Johannes,laut der Inschrift 1767 aufgestellt. Für schwindelfreie Personenist diese Höhle auf einem steilen Felsenpfade zugänglich. Derletztere wurde in der neuesten Zeit viel verbessert und der Erlösaus den in Innsbruck veranstalteten Abdrücken des bekanntenGedichtes von Collin:Kaiser Maximilian auf der Martins-wand," wurde zur fortwährenden guten Erhaltung des Felsen-weges bestimmt. Die Legende substituirt einen Engel als Lebens-retter des Kaisers, allein Primisser erzählt diese Begeben-heit, mit jedenfalls größerer Wahrscheinlichkeit, folgendermaßen:Als sich einst Kaiser Maximilian hier im Feuer der Gemsenjagdverirrt hatte, wagte er gewaltige Sprünge von einer Klippezur andern. Fünf Zinken seiner Steigeisen brachen, mit demsechsten blieb er allein am Felsen hängen, abgeschnitten vonjeder Menschenhilfe, dem scheinbar unvermeidlichen Absturz indie Tiefe blosgestellt. Sein Gefolge und die Einwohner vonZirl, als sie nach langem Suchen den in so gefährlicher LageSchwebenden erblickten, stellten in der Ortskirche Betstunden an

und zogen unter dem Vortrittc des Priesters mit dem Sacra-mente an die Wand hinaus, um des Kaisers Erlösung betend.Da kam, wie durch Gottes Fügung, der geschickte Jäger Os-wald Zips, flüchtigen Gemsen nachsetzend, an die nämliche Stelleund rief, als er Maximilian erblickte:Holla, was machst Duda?Ich laure auf Rettung," gab der Kaiser zur Antwortund freute sich der unvorhergesehenen Hilfe. Zips fuhr fort:Ichwill auch hinunter, ohne mir den Hals zu brechen, so wollenwir's mit einander versuchen." Er legte dem Kaiser Glitsch-ciscn an und Beide erreichten unter fortwährender Lebensgefahrendlich die Versammlung des betenden Volkes. Zips wurdehierauf zum Lohne reichlich von dem Kaiser beschenkt und zumewigen Denkmale seines Hollarufes auf der ragenden Fels-wand als Hollauer von Hohcnfelscn geadelt. Wahrscheinlichgab nnu das baldige unbeerbte Aussterben der Hollauer Ver-anlassung zu dem Gedichte der plötzlichen Erscheinung und desVcrschwindens des kaiserlichen Retters. Der merkwürdigenMartinswand gegenüber ragt der Martinsbühel im lieblichenGrund empor und auf demselben das ehemalige Jagdhaus desKaisers Maximilian, Martinsberg genannt, aus dessen Fensternder zielgeübte fürstliche Jäger die Gemsen von der Martinswandherabschoß; daneben steht das kleine Martinskirchlcin, in welcherdie Jägermessen gelesen wurden. Der Bau des Hauses istschloßartig, fest gegründet auf den Trümmern einer römischenStraßenschanze, bei welcher häufig Römermünzen und andereAlterthümer zu Tage gefördert wurden. Von hier aus betrach-tet, macht die Martinswand mit ihren wunderlichen Felsenge-bilden einen höchst romantischen Eindruck auf den Beschauer.

A

Stadt Ha

Hall (Hala), dessen Name, wie mehre ähnliche in salz-reichen Gegenden von dem griechischen (Salz) herrührt,liegt zwei Stunden von Innsbruck am linken Ufer des Jnns,größtentheils auf der Anhöhe des aufsteigenden Mittelgebirges,36 Fuß über dem Jun, 1718 Fuß über der Meercsfläche. Inden ältesten Zeiten war die Ebene durch die regellosen Strömun-gen des Jnns zur Aue verwildert; einsame Fischer siedelten sicham Bergesrande darüber an. Bald traten die reichen Schätzedes nördlichen Salzgebirgsstockes als Salzquellen am Fuße desBerges zu Tage. Die erste Urkunde, die der Salzbergwerkevon Hall erwähnt, ist vom Jahre 746 und spricht dem nengestifteten Kloster Benedictbeucrn gewisse Antheile an demselbenzu. Schon im Jahre 846 geschieht der ersten Salzpfanne Er-wähnung. Unter Graf Meinhard II. kam der Ritter Nikolausvon Rorbach aus Oesterreich, entdeckte 1275 die Salzminen imHallthale und gab durch kluge Einrichtungen der ganzen Salz-erzeugung einen ungcmein lebhaften Aufschwung. Die zuneh-mende Wichtigkeit des Ortes lenkte die Aufmerksamkeit der Lan-

ll in Tyrol.

desfürsten immer mehr auf denselben. Schon Meinhards II.Sohn Otto, gab ihm Stadtrechte. Des Letzteren Bruder Hein-rich, zugleich König von Böhmen errichtete zu Hall, Meran undBotzen Salzniederlagen und beförderte dadurch den Salzverschleißbeträchtlich. 1356 erhielt Hall das Recht zweier berühmter Jahr-märkte. 1416 wurde Hall durch die Bayern belagert, schlugaber mit mannhafter Tapferkeit alle Stürme ab. 1447 legteein mörderischer Brand die ganze Stadt in Asche und führte Nothund Theurung mit sich; durch den immer sich reicher zeigendenBergsegcn aber erholte sie sich bald wieder. Ueberhaupt war dieStadt zu dieser Zeit in ihrer größten Blüthe. Hier wurden dievorzüglichsten Landtage gehalten, von hier gingen Gesandtschaf-ten ab, hier wurde dem von seinen Feinden befreiten HerzogFriedrich, genannt mit der leeren Tasche, gehuldigt. 1518 richtetedas Austretcn des Jnns große Verheerungen hier an, späterzeigten sich auch hier die verderblichen Wirkungen der Reforma-tion, besonders verbreitete sich hier die Secte der Wiedertäuferund wurde nur durch strenge Maßregeln endlich ausgerottet.