1836 stürzte eine mächtige Lavine herab, zertrümmerte ein be-nachbartes Haus und richtete großen Schaden an. Außerhalbdes Dorfes an dem Ufer der Etsch, steht das Schloß Fürsten -bürg, einst das Eigenthum der Bischöfe von Chur. Zur Zeit,als sich die Böhmen und Bayern um den Besitz von Tyrolstritten, nahm Ludwig von Brandenburg das Schloß ein. Dochdauerte dieser Besitz nur sieben Jahre, dann fiel es an Churzurück, bis die Säcularisirung es 1863 an Oesterreich überlieferte.Seither hat ein landesfürstliches Rentamt in demselben seinenSitz. Es ist ein stattliches alterthümliches, aber ziemlich guterhaltenes Gebäude mit gezackter Ringmauer und einem starkenviereckigen Zinkenthurm. Die Außenwerke liegen jedoch in Rui-nen. Darüber ragt auf einem vorspringenden Hügel das schöneBenedictinerstift Marienberg, ursprünglich zu Schuls in Unter-Engadcin, gegen Ende des 11. Jahrhundertes gestiftet, später
an die heutige Stelle übersttzt. 1723 übernahmen die Mönchedas Gymnasium zu Meran und die Klosterbewohner erhieltendadurch eine gelehrte Richtung und äußeres Interesse für dieMitwelt. Unter bayerischer Verwaltung wurde das Kloster 1867aufgehoben, die Bibliothek zerstört und die Mönche wurden nachFiecht versetzt. Kaiser Franz stellte es 1816 wieder her undräumte demselben die noch vorhandenen Klostergüter ein. VomStifte aus genießt man eine der herrlichsten Aussichten, welchedas Vintschgau aufzuweisen hat. Die neuhergestellte Stiftskirchebewahrt mehre werthvolle Gemälde, deren Vorzüglichstes derheil. Sebastian von einem Meister der lombardischen Schule ist.Das Archiv bewahrt eine handschriftliche Chronik des Stiftesund der umliegenden Gegend, welche Goswin, ein Mönch desKlosters im 14. Jahrhundert verfaßte, und welche eine höchstachtbare Quelle für die Landesgeschichte ist.
Schloß Castelbell in Tyrol.
Im Gerichte Schlanders, etwa eine Stunde von demHauptorte entfernt, führt die Heerstraße durch eine bedeckteBrücke über die Etsch und am jenseitigen Ufer in etwa Drei-viertelstunden nach der Gemeinde Castelbell und Marein, miteiner Bevölkerung von 212 Seelen. Darüber ragt auf einemFclscnhügel das Schloß Castelbell, vor Zeiten ein ewig wech-selndes Besitzthum, in neuerer Zeit der Sitz eines gräfl. Hendl'-schen Patrimonialgerichtes, das jetzt heimgesagt und mit dem
kaiserl. Landgerichte von Schlanders vereinigt ist. Eine Feuers-brunst zerstörte vor einigen Jahren das Schloß und verwandeltees aus dem wohnlichsten Zustande in eine völlige Ruine, diejedoch noch immer einen herrlichen Anblick gewährt und-auchzum Theile wieder hergestellt wurde. Die Aussicht vom Schloß-hügel gewährt ein ausführliches und schönes Bild der reizendenUmgebung.
Schloß Fragenstein in Tyrol.
Auf dem Hccrwege von Innsbruck nach Scharnitz erhebtsich bei dem ansehnlichen Dorfe Zirl, im Rücken der Martins-wand die Straße in mehren Windungen ins Nordgebirge. Ausdem Aufsteige über dem letztgenannten Dorfe ragen die Trüm-mer des Schlosses Fragenstein mit weit aussehendem Ueberblickder ganzen Gegend empor. In ältester Zeit war es ein Be-sitzthum der Gaugrafen des Jnnthals, später der LandeSfürstenvon Tyrol. Die großen und bequemen Säle des Schlossesdienten dem jagdliebenden Kaiser Mar und seinem Gefolge oft
zur Unterkunft und um diese Zeit erhielt eine Kuppe des dar-überliegenden Gebirges den Namen Kaiserstand. In neuererZeit war das Schloß im Privatbesitze. Aufmerksame Betrach-tung der Gegend lehrt, daß Fragenstein wahrscheinlich aus denTrümmern eines römischen Castells entstanden sei, um den Auf-stieg der Heerstraße zu decken. Nordwärts über Zirl und Fragen-stein ragen die höchsten Zinnen der Riesenwand, welche Tyrolvon Bayern scheidet, der freie Spitz, der Erlspitz und der großeSolstein empor.
4» »Ml 54 o
Das Schloß Churburg in Tyrol.
Eine Stunde abwärts von dem ansehnlichen Markte Malsin Südtyrol liegt das Pfarrdorf Schluderns am Fuße des Hü-gels, welcher die prachtvolle Churburg in einem herrlichen Waldevon Bäumen und Gesträuchen trägt. Die Beste gehörte einstden Voigten von Matsch und wurde nach deren Aussterben dasErbe der Grafen Trapp, die es noch besitzen und welchen eszum angenehmen Sommeraufenthalte dient. In der stattlichen
Burg, die ein hoher viereckiger Thurm ziert, befindet sich einwohlgeordnetes Archiv mit reichen Belegen zur Landesgeschichte,mancherlei Rüst- und Waffenzeug aus den Kriegen des Mittel-alters und sie glänzt im Buche der Geschichte als Friedenssitz,wo in wilder Sturmzeit die Händel durch weisen Spruch ge-schlichtet und die größten Plane zum Heile des Vaterlandes be-rathen wurden.