Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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nicht und rieth dem Sandwirth zur Flucht, weil die Heimathihn nicht mehr schützen könne. Hofer verbarg sich wirklich eineZeitlang in einer Hole im Passeyerthal. Als jedoch die Feindenun das Land wieder überschwemmten, überall Rache nehmend,da bereitete sich der dritte Kampf zur Befreiung Tyrols vor.Die Schützen im Brenner erhoben sich und einige der wackerstenVolksfreunde kamen zusammen. Sie schickten nach dem Sand-wirth und dieser stieß Anfangs des Monats August mit einigenTausend Mann, über den Jausen ziehend, zu dem verwegenenJoseph Spcckbacher. Nun begann ein Vertilgungskampf gegendie Feinde, der besonders auf dem Rückzug des französischenFeldherrn, des Herzogs von Danzig über den Brenner nachJnsbruck furchtbar war, weil die Schützen Tyrols alle Höhenbesetzt hielten. Am 13. August war wieder eine Schlackt amJselbcrg; der Herzog mußte aus dem Lande weichen, und am15. zog der Sandwirth mit Jubel in der Hauptstadt ein. Jetztwurde er zum Oberkommandanten von Tyrol gewählt.Er bezog die Hofburg und übernahm die oberste Militär- undCivil-Verwaltung des Landes. Dem Volke zu zeigen, daß derKaiser es noch im Herzen trage, erhielt Hofer jetzt von Wien ausdie große, goldene Gnadenkette am Namenstag des Kaisers, dieandern Führer des braven Landvolkes wurden sonst beschenkt.Der Sandwirth, (dem seine jetzige Stellung nicht behaglich seinmochte, weil sein schlichter Verstand erkennen mußte, er sei der-selben nicht ganz gewachsen,) erwartete mit Sehnsucht die Rück-kehr der alten Ordnung, der Unterwerfung des Heimathlandesunter den Kaiser Franz. Umsonst. Da wurde am 14. Oktoberzwischen Oesterreich und Frankreich der Friede zu Schönbrunngeschlossen und darin Tyrol den Feinden überlassen; nur eineallgemeine Amnestie war vorbehalten. Der Erzherzog Johannschrieb selbst an die Tyrvlcr, so nahe dem Kaiser das Schicksalder biedern Bewohner dieses Landes gehe, so sei doch die Noth-wendigkeit eingetreten, Frieden zu machen; der Kaiser wünsche,daß die Tyroler sich ruhig verhalten und nicht zwecklos auf-opfern möchten!" Andreas Hofcr war niedergedonnert; dieFeinde zogen von allen Seiten heran, jetzt erkannte er es selbstfür nöthig, sich zu unterwerfen und zeigte es dem Vicckönig vonItalien und zugleich dem Heerführer der Bayern an. Ebensorief er das Landvolk zu Niederlegung der Waffen auf. Nichtalle Männer Tyrols waren aber hierüber mit ihm einverstanden-Bald verbreiteten sich auch die Gerüchte durch's ganze Land,der Kampf solle von Neuem beginnen, die Oesterreicher seienmit einem Hülfskorps im Anmarsch. Hofer, von verschiedenenSeiten angegangen und dringend aufgefordert, rief am 15. Nov.von Neuem die Getreuen im Vintschgau und Obcrinnthal zuden Waffen. Der letzte Kampf war es; sein Schicksal sollte sichentscheiden. Das Landvolk hatte nicht Zeit, sich geordnet zu

sammeln; die Feinde rückten im Eilmarsch herbei und unterwar-fen sich bald ein, Thal nach dem Andern. Hofer mußte mit sei-ner Familie flüchten. Die Kellcrlahn ist eine einsame Alpen-hütte, über 4 Stunden oberhalb seines Hauses im Passeyer ge-legen. Hier war er vom Ende November 1809 bis zu EndeJanuars 1810 in Sicherheit. Bekannte und vertraute Lands-leutc versorgten ihn mit Lebensbedürfnissen. Der Kaiser ließ ihnbesonders einladen, nach Wien zu kommen; Hofer schlug es aus,weil die Heimath und seine Familie ihn zu sehr fesselte; auchfürchtete er wohl keinen Verrath, da die Kellerlahn nur Wenigenbekannt war. Die Franzosen boten natürlich Alles auf, seinerhabhaft zu werden. Ein Priester, Joseph Donay, vorher HofersFreund, jetzt aber von ihm beleidigt, verrieth dem französischenGeneral Baraguay den treuen Diener Staffel, der gewöhn-lich die Speisen nach der Alpenhütte zu Hofer brachte. Ver-sprechungen und Todesangst bewogen den armen Menschen, end-lich den Weg zum Versteck seines Herrn den fremden Soldatenzu zeigen. Am 20. Januar 1810 Morgens 5 Uhr erschienensie vor der Kellcrlahn und riefen HoferS Namen. Er that dieThüre selbst auf, bekannte sich sogleich als den Gesuchten undbat nur, sein Weib und seine Kinder zu verschonen. Hieraufließ er sich Fesseln anlegen und fortführen. Ucberall empfingendie Feinde ihn mit Jubel. Er sollte nach Mailand gebrachtwerden. In Mantua wurde er schon vor ein Kriegsgericht ge-stellt; die meisten Stimmen waren gegen ein Todesurtheil, undblos für Gefangenschaft. Aber der Haß der Franzosen war zuglühend; man mußte fürchten, Napoleon begnadige den wackerenSchützen, daher kam von Mailand Befehl mit dem Telegraphen,den Andreas Hofer binnen 24 Stunden zu erschießen. Dies ge-schah am 20. Februar 18!0 auf einer Bastei vor der ?ortuLerosg zu Mantua. Hofer vertheilte noch seine Baarschaft anLandslcute, beschenkte auch auf dem Todesplatz den Korporal derGrenadiere, die ihn erschießen sollten, mit einem Geldstücke. Auf-gefordert, sich zu knieen und die Augen verbinden zu lassen,weigerte er sich.Ich st he vor dem, der mich erschaffen hatund stehend will ich meinen Geist übergeben!" DicS warenseine Worte; dann forderte er die Soldaten auf, gut zu schießenund rief selbst:Feuer!" Allein 2 Chargen aus K Geweh-ren tödtcten nock nicht; der Korporal zerschmetterte ihn erst, in-dem er ihm die 13. Kugel dicht vor der Stirne abschoß. SeinLeib wurde im Februar 1823 in das für ihn bestimmte Grab-mal in der Hofkirche zu Jnsbruck gebracht. Dort auch erhebtsich seit 1834 sein Standbild aus Marmor, ein Meister-werk von Schaller. Sein Name aber glänzt unter den Edel-sten in der Geschichte und nicht ohne Rührung betrachten wir dieschlichte, ländliche Wohnung, aus welcher der große Mann her-vorging.