Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Andreas Wokcrs TMohnhaus

im Passeyer Thal in Tyrol.

urch das rauhe und einsame Thal, auf welches derhohe Jausen hcrabschaut, tobt die wilde Passer, nach welcher dasThal sich nennt; helle Wiesen und dunkele Nadelwälder wechselnmit einander. Der Hauptort des Thals heißt St. Lconhard.Das Haus ist durch einen Steindamm gegen übertretendes Was-ser geschützt, zweistöckig und mit Gallcrien versehen, zeigt es diein den Alpen überall übliche Bauart. Das Wirthshaus ist seituralten Zeitenzum Sand" genannt, und es wird sichschwerlich ausmitteln lasseil, wie lange schon hier die VorälternHofers wohnten und alsSandwirthe" ihr stilles Wesen trieben.Die Säumer und Viehhändler der ganzen Umgegend waren mitden Sandwirthcn bekannt und pflegten in diesem Hause einzu-kehren. Hier wurde am 22. Oktober 1767 Andreas Hofervon schlichten, frommen Aeltern geboren. Sein ganzes Wesenund seine Erziehung ließ nicht erwarten, daß sein Name einstder Weltgeschichte angehören und unter den Großen glänzenwürde: denn wenn auch dem Acußcrn nach kräftig und männlich,besonders geziert durch den bis zum Gürtel reichenden schwarzenBart und eine feste Gestalt, war er doch langsam und im Han-deln unentschlossen und hatte nicht den raschen Ueberblick, derJedem unentbehrlich ist, der mit Glück an der Spitze eines Vol-kes stehen will. Als nun aber sein Vaterland durch einenMachtspruch dein alten angestammten Herrscher entrissen undBayern zugetheilt war, da regte sich mächtig in dem schlichtenSandwirth der ächte Tyrolersinn, dessen Grundlage Treu ist.Im Anfang des I. 1869 gicng Andreas mit einigen seinerLandsleute nach Wien, um die Erlaubniß zu einer raschen Erhe-bung des Volkes gegen den Zwang der Fremdherrschaft zu er-langen. Man nahm in Wien diese Boten sehr gut auf, dennder Aufstand der Tyroler lag ganz im Wunsche der kaiserlichenRegierung. Schon hatte man zu Wien einen Plan entworfen;Hormayr war zum Intendanten ernannt und der Marquisvon Ehast eller sollte mit Truppen zu Hülfe kommen. Er er-schien anch wirklich am 9. April 18V9 und des folgenden Tageserhob sich das Landvolk im Pusterthal. Bei Sterzing nahm derSandwirth an dem Gefechte Antheil, der über den Jausen ge-

kommen war. Die Feinde wurden auf dem Sterzinger Moosumringt und gefangen. Des nächsten Tages ficngcn auch dieim Jnnthal an, auf dem Berge Jsel war ein lebhaftes Feuer;Innsbruck wurde erobert. Das Kabinct zu Wien hatte in derletzten Zeit die Wiedereinnähme des Landes Tyrol vorbereitetund schon die Wiedereinführung der alten Landesverfassung ver-ordnet; es schien dem Vertrauen des Volkes in Allem entgegenkommen zu wollen. Noch im April wurde ein Handschreiben desKaisers Franz bekannt, worin er versprach Alles anzuwenden,damit die Tyroler nie wiederdas barte Loos, seinem Herzenentrissen zu werden, treffe;" mit göttlichem Beistand solle Oester-reich und Tyrol immer so vereinigt bleiben, wie es eine langeReihe von Jahren hindurch vereinigt war.

Napoleon, aus Spanien zurückgeeilt, rückte den Oester-rcichern unter dem Erzherzog Karl entgegen. Schon in der er-sten Hälfte des Mai war er in Wien. Den Feldmarschallieute-nant Chastcller erklärte er in die Acht; er solle sogar innerhalb24 St. erschossen werden. Bayern und Franzosen rückten stür-mend und sengend in Tyrol ein. Ihre Wuth war so groß, daßdie Bayern erinnert werden mußten, sie seien Soldaten undMenschen, und sollten ihre Gefühle nicht in Grausamkeit ausar-ten lassen. Jnsbruck kam in feindliche Gewalt, Tyrol schienwieder für Oesterreich verloren. Jetzt erschien Hofer mit denSeinen auf dem Brenner. Bald siegten die Tyroler 2k>.Mai am Jsel und nach einigen Tagen war die Hauptstadtwieder genommen. Mit noch größerer Freude als diese Siegeerfüllte das wackere Landvolk die Nachricht vom Siege des Erz-herzogs Karl bei Aspern und das Versprechen des Kaisers,keinen andern Frieden zu unterzeichnen als den, der sein getreuesTyrolau seine Monarchie unauflöslich knüpfe." Aber wiesahen sie sich getäuscht, als nachdem Napoleon bei Wagram wie-der gesiegt, nun am 12. Juli der Waffenstillstand zwischen ihmund Oesterreich abgeschlossen wurve, worin der Tyroler nicht ein-mal gedacht war! Sie ergrimmten gegen Buol und Hormayrund Hofer meinte, der Letztere sollte sich lieber als Herzog vonTyrol ausrufen lassen, als von ihnen scheiden. Hormayr wollte