mit Sturm genommen; einige gefangene Soldaten wurden inStücke gehauen, die Stücke in den Traunfluß geworfen. Nochim Dezember 163Z wurden 6 Gefangene in Wels, andere inLinz enthauptet, die der protestantischen Lehre anhingen — ge-wöhnlich gelang es zuvor den Beichtvätern, sie dem katholischenBekenntniß wieder zuzuwenden, worauf man ihnen wenigstensein ehrliches Begräbniß zugestand. In Folge des dreißigjährigenKrieges war lAels sehr herabgekommen. Die Aufstände derBauern dauerten übrigens noch fort, die Protestanten erhoben sichvon Zeit zu Zeit, aber der schauderhaften Politik, im Vereinmit den Jesuiten, gelang cS jedesmal, die Unruhen im Keim zuersticken, mitunter durch Mittel, die man nicht in die Jahr-bücher der Geschichte zu verzeichnen pflegt. Von Viaria There-sia's Thronbesteigung an bietet die Geschichte des Landes ob derEnns wenig dar; die Städte treten fast ganz zurück. Im sieben-jährigen Kriege litt das Land viel durch Rckrutirung, Steuernund anbefohlene Lieferungen. Im Jahr 1784 erlaubte die To-leranz, ein evangelisches Bethaus zu erbauen. Im Anfang desJahrhunderts, sowie nach den Schlachten von Wagram undAspcrn waren Spitäler in der Stadt; durch die Krankenwärterverbreitete sich Lazarcthfiebcr und Ruhr unter die Bürgerschaft.Die Franzosen plünderten Stadt und Vorstadt und beschwertensie mit großen Kosten. Die Ekolera stellte sich im Oktober1830 hier ein, meistens in den Häusern am sogenannten Mühl-bach, dann verbreitete sie sich in die benachbarten Dörfer, dochforderte sie so wenig Opfer, daß manche Aerzte diese Krankheitgar nicht als Chorcla gelten lassen wollten.
Wels, Kreisstadt und Hauptort in dem Hausruckkreis,liegt 5 St. von Linz, 3 St. von Lamback, in einer flachenGegend, fast am Ende der sogenannten Wclserheidc. Diese,eine über 6 St. lange, t bis 2 St. breite Fläche, war nochbis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts wüst und ödewie eine Steppe im Norden; der Boten besteht großcntheils ausKies und hat nur wenige Dämmerte, allein dem angestrengtenFleiß gelang es seit mehr als 50 Jahren, ihn meistens urbarund zu Ackerland zu machen; hier und dort trägt er Gesträuch;um Wels ist wohl der fruchtbarste Theil. Zahllose Lerchen be-völkern die Haite, wecken mit ihrem Gesang den Frühling undwerden zum Lohne dafür im Herbst durch den Lerchenstrich weg-gefangen. Die Stadt liegt auf dem linken Ufer der Traun, !welche als Gebirgswasser der obersteicrischcn Alpen den Hall-städter- und Traunsce durchflosscn hat, und viele Bäche aufnimmt;im Winter oft so klein, daß man sicher hindurch reiten kann,schwillt sie bei anhaltendem Regcnwett.r oder wenn der Schneeschmilzt, und wird dann reißend und gefährlich. Aus dem Traun-fluß ist oberhalb der Stadt ein Kanal — der Mühlbach genannt —zur Stadt abgeleitet, welcher mehrere Mühlen und andere Werke streibt. Ueber ihn und die Traun führt eine lange Brücke vonHolz, welche die Stadt mit der jenseitigen Vorstadt Aigen ver-bindet. Nach Linz und Salzburg ist Wels die schönste Stadtdes Landes, ist von doppelten Mauern und vier Thürmen um-geben, hat ein gefälliges Ansehen und nebst ihren beiden Vor-städten etwa 480 Häuser und über 4500 Einwohner (im Jahr1815 noch 438 H. mit 3740 E.) Ein starker und gesunderMenschenschlag wohnt hier und in der Umgegend, sowie in Pet-tcnbach und Stcinkirchcn. Das weibliche Geschlecht ist in Welsnicht minder wie zu Linz und Ens wegen seiner reizenden, vollenKörperformcn und einer sehr kindlichen Frische bekannt, die sichungewöhnlich lange erhält und bei lebensfrohem Sinn ein be-sonderes Geschenk der Natur ist. Kenner wollen die Mädchenon Wels sogar noch den weitbekannten Linzerinncn vorziehen.Die Mundart wechselt in dem ganzen Hausruckkreis nach Betonung
und Provinzialismen und bleibt sich kaum über 3 St. weit gleich.Der Hauptplatz der Stadt ist 000 Schritte lang, allein nichtüber 40 — 50 Schritte breit, so daß er eher einer schönenStraße gleicht. Ansehnliche Gebäude zu beiden Seilen zierenihn. Ehemals stand die Hauptwache auf demselben. Der vonunserm Zeichner gewählte Markt mit RathhauS zeigt das Innereder Stadt im leichten Uebcrblick. Die schön gelegene Pfarrkircheward im 12. Jahrhundert landesfürstlich, muß aber da schonlange gestanden haben. Das Portal dürfte wohl in das 8teoder 9te Jahrhundert gehören, wo der altdeutsche Baustyl nochnicht gehörig ausgebildet war; es gibt mithin Zeugniß für dashohe Älter der Stadt. Wels hatte sonst zwei Klöster, das derMinoriten und das der Kapuziner. Ersteres scheint von derAdclsfamilie von Pollheim gestiftet oder doch dotirt zu sein;es wird 1305 schon erwähnt. In der Neformationszeit wurdees von den Protestanten, die in Wels zahlreich waren, in einSpital verwandelt, jedoch 1625 dem Orden wieder zurückgegeben.In neuerer Zeit erkaufte es die Statt und verwendete es zu einerKaserne. Das Kapuzinerklostcr gründete — l (>20 oder 1630? —ein Abt von Krcmsmiinstcr, nachher Bischof zu Wien. Wie dasMinoritcnkloster wurde auch dies unter Joseph II. aufgehoben;man errichrcte aus dem Kloster und der Kirche die zweite Pfarrei,nämlich die Vorstadtpfarrei. — Wels hat 2 Schlösser: BurgWels und Pollheim. Erstere liegt am Kanal des Traunflusses,war mit ihrem Gut sonst landesfürstliches Kammergut und ge-hört neuerdings den Fürsten von Auersberg. Schloß Pollheimsoll Stammsitz der alten Familie gleiches Namens sein, gehörtaber seit vielen Jahren der Start, die dort Schulen, Magazineu. s. w. einrichtete. — Für den Unterricht sorgt eine Haupt-schule, sowie eine Mädchenschule und ein Regimentsknabener-ziehungshaus. Die Stadt hat einige Fabriken, eine Kattunfäbrik,Gerbereien und andere Gewerbe. Bei dem Landvolk der Gegendsind besonders die sogenannten Pfcffcrtüchcl beliebt, die von dunkel-blauer Farbe meist als Kopftücher getragen werden. Sonstwaren auch die Welserzeuge oder Halbkastore sehr bekannt; inStadt und Umgegend verfertigte nian jährlich bei 30,000 Stück,seit aber das Landvolk sich mehr und mehr an Baumwollenstoffegewöhnte, ist kaum der dreißigste Theil jener Zeuge mehr Be-darf. Auch die gewalkte» Stiefelschäfte nach englischer Art wer-den nicht mehr wie früher gesucht. Der in früherer Zeit sehreinträgliche Lederhandcl — mit Pfundleder wurde er bis nachMünchen getrieben — hat sich gleichfalls vermindert. Der Han-del zu Wasser ist nicht erheblich, indeß wird noch immer vielBauholz abgesetzt. Die Märkte bringen viel Getraiee, besondersder Samstagmarkt, wo gewöhnlich die Gctraidepreise für fastganz Oesterreich ob der Enns gemacht werden; die großen Obst-baummärkte sind am meisten im Frühling und Herbst besucht.Seit alter Zeit ist die Obstzucht in der Umgegend zu Hause, alleWege, Straßen und Felder sind mit Obst bepflanzt. Der Obst-wein oder Cidcr ist scbr beliebt. Reiche Bauern im Hausrück-kreise gewannen sonst «n guten Jahren an 2000, in den schlech-testen immer nah an 200 Eimer desselben. Aus diesem Grundwill auch der Hopfcnbau hier und sonst im Kreise nicht voran;denn wo man viel Cidcr trinkt, steht das Bier bekanntlich nach. —Zu Ausflügen in der Umgegend bietet sich manche Gelegen-heit, z. B. nach Lichten eck, gräfliches Pilatisches Schloß inder Nosenau, init englischem Garten unv Fabriken. Das niehr-besprockene Lambach liegt wie Wels auf dem linken Traunuferund verdient einen Besuch. Die Bcnediktinerabtei steht auf ei-ner ganz freien Anhöhe. Sehcnswcrth ist die Stiftskirche wegenihrer vielen und guten Bilder, und einer schönen Orgel. DasStift hat eine ansehnliche Bibliothek mit vielen Handschriften undschätzbaren Büchern des ältesten Druckes.