einnehmen. Wir lesen bei v. Hartwig darüber: „Das Ganzebesteht eigentlich in zwei, äußerlich von einander gesonderten,reduitartigen Citadellen, die jedoch so nahe an einander liegen,daß sie sich gegenseitig, selbst mit dem kleinen Gewehr unter-stützen können, und die unterirdisch durch einen gewölbten Gangin Verbindung stehen. Das Größere dieser beiden Werke liegtunmittelbar an der Felsspalte, welche der Eisack wohl kl) — 80Fuß tief durchbraust, da wo die Straße von Innsbruck in'sPusterthal sich von der Brircner Straße scheidet, — die, ausdem Jahre 1809 so bekannte Ladritscher Brücke vor sich. Nachallen Seiten hin sieht man die Oeffnung der Schießscharten, ge-wöhnlich in 2, oft in 3 Stockwerken über einander liegen, sodaß bei den« geringen Raum der dem Feinve zur Aufstellung vonDemontir-Batterien bleibt, die Festung unüberwindlich scheint.Die zweite Citadelle liegt wohl an 159 Fuß höher; — wennman von S. kommt, links von ver Straße, während jene rechtsbleibt. Sie dominirt die zuerst genannte, so wie die Höhe aufdem Engpaß der Brirencr Klause, und der Feind würde sich erstnach dem Gewinn dieses Thurmes an der Brücke behauptenkönnen und Herr des Passes werden. Aber freilich stellt sichder große Ucbelstano heraus, daß die Verschanzung umgangenwerden kann." — Das untere Werk bildet übrigens die Haupt-sestung; das Thor aus Granit trägt eine lateinische Inschrift,nach welcher Franz I. 1833 den Bau beginnen, Ferdinand I.1838 vollenden ließ. Den Stoff zu der Arbeit, Granit, Schieferu. s. w. lieferte das Land selbst, kaiserliche Truppen führten dasWerk aus, wobei sie 1835 vom Erzherzog Johann, dem nach-herigen Reichsverweser, besucht wurden. Die Einweihung fandim August 1838 statt. —
Die Geschichte von Briren, zwar theilwcisc schon in der vor-stehenden Beschreibung — man vergleiche auch Kloster Geben —erwähnt, mag hier nochmals kurz überblickt werden. Ludwig dasKind, König der Deutschen, beschenkte 901 einen Bischof vonSeben mit dem Maierhofe llrioksena, Aus diesem kleinen An-fange entstand die Stadt. Nachdem der Bischofssitz bald dahinverlegt worden war, sehen wir bereits nach 1915 die Stadtschon mit Ringmauern umgeben. Ein gewisser Hartwig, deraußer andern erheblichen Erbgütern, vom Kaiser eine Graf-schaft — vom Bisthum Tricnt an, weit in das Jnnthal rei-chend — erhalten hatte, machte Briren zur Residenz eines geist-lichen Fürsten. Spätere Herren fügten neue Geschenke hinzu.Von jenem Concil, welches 1989 den Pabst Gregor VII, absetzte,haben wir bei der Kirche, worin es gewesen, gesprochen; einHerzog von Bayern, Wels, dem Gregor mit Leib und Seele er-geben, kam zur Strafe dafür und jagte den Brirener Bischofvon seiner Stelle. Nach verschiedenen Wechselfällen des Glückeslegte 1174 ein gräßlicher Brand die Stadt zum großen Theilin Asche, nur langsam und mit den schwersten Opfern konntesie sich wieder aus ihren Trümmern erheben. Kaiser FriedrichRothbart verlieh ihr, dessen eingedenk, mehrere Freiheiten, worun-ter z. B. eine Zollstätte und eine Münze. Nach etwa K9 Jahrenwüthete ein neuer Brand in der kaum sich wieder erholendenStadt; zugleich litt sie durch Faustrecht und Raubgesindel, an
welches sogar die Grafen von Tyrol sich anschlössen, manche Un-bill. So kam es, daß ein Bischof 123k, seine Ohnmacht füh-lend und den völligen Untergang seines Bisthums besorgend,dasselbe dem deutschen Kaiser Friedrich II, übergab. Bald abernahm der kühne und thatkräftige Bischof Bruno die Zügel wie-der in seine Hand, er brach die Macht des fehdelustigen Adelsin seiner Nachbarschaft und schonte selbst der Burgen desselbennicht. Seine Nachfolger traten leider nicht gleich in seine Fuß-tapfen, so daß die Grafen von Tyrol manchen schönen Landcs-thcil dem Bisthum entreißen durften. Doch Albert von Ennstellte auch da die frühere Macht wieder her. Seit 1389 wur-den die Rechte und Gewohnheiten der Stadt schriftlich niederge-setzt; Blüte und Wohlstand hausten damals in des Bischofs Resi-denz. Im I. 1444 wurden wiederum durch einen ungeheurenBrand die meisten Häuser der blühenden Stadt vernichtet. Un-ruhen brachte auch der Bischof Niklas von Kusa, den der Pabstim Streit mit dem Kapitel zu dieser Würde erhob, über dasganze Stift. Er mußte zuletzt der Erbitterung gegen ihn, diesich nicht dämpfen ließ, weichen und rächte sich durch das Inter-dikt, welches er über die Stadt aussprach. Niemand achtetedasselbe, mit Ausnahme der Schwestern von St. Clara, welcheaber zur Strafe für diese unkluge Anhänglichkeit auf einige Jahreverjagt wurden. Schweres mußte Briren in der Zeit des Bauern-krieges erleiden. Wenn aber das sonst so schätzbare Werk: „dasLand Tvrol," (Innsbruck 1838) das sich in vielen Stellen alsWerk eines katholischen Geistlichen oder im Sinne eines solchengeschrieben, kund gibt, in der Geschichte von Briren sagt:„Luthers Reformation hatte die Bauern rings um Brirenwie anderwärts zu Raub, Mord und Brand erhitzt" — so mußdies als eine nichtswürdige Entstellung der Geschichte angesehenwerden. Nicht Luthers Reformation beschwor den Bauernkriegherauf, sondern die Schändlichkeit des Adels und der Druck derPfaffen, die in Tyrol um kein Haar besser waren, als im übri-gen Deutschland. Raubgesindel machte damals auch die StadtBriren zum Schauplatz empörender Scenen in Kirchen, Klösternund auf den Straßen, so daß der Bischof seine Regierung bisauf ruhige Zeiten der weltlichen Macht übergab. Kaum ficngman an, die Gräuel des Bauernkrieges zu vergessen, der ja zu-meist durch Fürsten von Luthers Anhang gedämpft wurde, so er-schienen auch Wiedertäufer in Briren. Der Gottesdienst wurdegestört. Das tausendjährige Reich sollte seinen Anfang nehmen.Der Fürstbischof griff mit Macht durch, er ließ einige der Partei-Häupter dem grausamen Feuertode überliefern und erzwäng dieRuhe. Das Nämliche gelang, als nochmals ein gewisser Bal-thaser Dosser, aus der Umgebung, vielleicht zu dem Rest derversprengten Wiedertäufer — der kommunistische Absichten ver-rieth — gehörig, die bischöfliche Gewalt zu stürzen und zu re-formiren suchte. Dosser ward geviertheilt. Der dreißigjährigeKrieg schlug dieser Stadt nicht so tiefe Wunden wie andern imdeutschen Lande. Als 1793 die Banern bis an die Klause vorBriren drangen, schickte ihnen Bischof Künigl Mannschaft ent-gegen und hinderte ihre Vereinigung mit den Franzosen. Währendder Kriege des vorigen Jahrhunderts litt Briren durch häufigeDurchmärsche fremder Truppen und wurde in Folge derselben