Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Kirche zur Zeit, wo die Paters im Chöre sind, eintritt, und inden Stühlen eine große Menge stiller Menschen knieend findet,während hinter dem Hochaltar verborgen, die Stimmen der beten-den Priester erschallen. Man kann sich keinen Begriff von diesemunverständlichen, monotonen, im höchsten Grad unschönen Chor-Gebete machen, wenn man es nicht selbst gehört hat." Ander Stelle des Brirener Kapuzinerklosters stand die uralte KircheSt. Katharina, im I. 1341 von einem Domherrn gestiftet. DerKlosterbau begann 1604. Die noch stehende Kirche, stiftete 1631,weil die alte nicht mehr hinreichte, eine fromme Witwe auf ihreKosten. Das Hochaltarblatt enthält, der früheren Kirche undihrer Patronin zu Ehren, ein Bild der heiligen Katharina. Indieser Kirche liegt der Geschichtschreiber Joseph Resch begrabenund hat einen ganz einfachen Denkstein mit der Jahreszahl l 782.Die Kapuziner lehren die Zöglinge ihres Ordens im Kloster denersten theologischen JahreSkurs. Der geräumige Garten desKlosters hat das beste Brunnenwasser der Stadt, zugleich eineanmuthige Aussicht aus die nachbarlichen Berge. Das Klosterder heiligen Klara, welches dermalen das einzige in ganz Tyrolist, steht am südlichen Ende der Stadt. Schon 1221 kamen dieersten Schwestern dieses Ordens nach Briren, die jetzt stehendeKirche rührt indessen aus dem I. 1684 her. Mit der Wohnungder Klosterfrauen in Verbindung steht das Hospiz der Franzis-kaner, welche die Seelsorge haben. Diese Nonnen dürfen sichNiemanden, mit Ausnahme ihrer nächsten Angehörigen, von An-gesicht zeigen, darum heißt sie das Volkdie Versperrten."

Das prächtigste und zugleich geräumigste Wohngebäude derganzen Stadt, die bischöfliche Residenz, liegt am Ende desDomplatzes nach S. W., von allen andern Häusern getrennt,allein von herrlichen Gärten umschlossen. Für die Ausschmückungund den Bau der Letztern ist besonders in neueren Zeiten Vielesgeschehen, zumal den Obstbau hat man init großer Sorgfalt undVorliebe behandelt. Im 13. Jahrhundert stand hier noch ein al-tes Schloß, die Wohnung des Stadthauptmanns, welche damalsBischof Bruno in eine Residenz umschuf. Bewohnt wurde diese,die natürlich nach dem Geschmacke des Zeitalters eingerichtet war,schon 1268; doch erst der Fürstbischof Kllnigl, dessen Verdiensteum Bau und Ausführung der Kirche schon weitläufig erwähntsind, gab ihr die jetzige Gestalt und Ausdehnung. Das Kirch-lein der Voitsberger steht einige Schritte von der Residenz. Auchdie Spitalkirche findet sich in demselben Stadttheiie.

Außer dem schon angeführten Priestcrscminar hat Brirenauch ein Gymnasium, beinahe von 200 Schülern besucht;auch die Schüler des Kassianeum das seit 1835 seinem vori-gen Zweck wieder geweiht ist, die zu Choralsängcrn gebildetwerden, haben das Recht, die Gvmnasialklassen zu besuchen. Esist eine eigene Sache um diese tyrolischcn Gymnasien, die mitAusschluß deö akademischen Gymnasiums zu Innsbruck denandern Anstalten der Art im ganzen Kaiserreich ähneln, jedochsehr verschieden von denen im übrigen Süddeutschland, oder garven norddeutschen, z. B. preußischen, eingerichtet sind. Der ganzeLchrcursus ist auf 6 Jahrgänge vertheilt 4 heißen Gramma-tikal- 2 Humanitätsklassen. Der Unterricht wird nicht vonFachlehrern, sondern in jeder Klasse mit Ausnahme der Religion

nur von einem Lehrer ertheilt, der daher, in den obersten Klassenbesonders, eine sehr gründliche und vielseitige Bildung besitzenmuß, um seiner Aufgabe zu genügen. Das Erfrischende, wasder Wechsel verschiedener Lehrer, die den Unterricht nach Fächerngeben, mit sich führt, fällt freilich hier weg und ein gewisserSchlendrian kann um so leichter einreihen; dafür aber lernendie Lehrer auch um so genauer den Schüler kennen und sind imStande, um so leichter die Lücken seines Wissens zu füllen, vorauswenn sie in höhere Klassen mit ihm aufsteigen. Nur wenigeLehrer sind weltliche Professoren und erhalten als solche Besol-dung, daher sind die Unterhaltungskosten der Gymnasien garnicht erheblich. Auffalleno ist im Vergleich zu andern Länderndie geringe Zahl der Lehrstunden, nur 18 werden wöchentlichertheilt; Dinstag Nachmittags und der ganze Donnerstag sindfrei; das Latein macht sich sehr breit, die Muttersprache (Auf-sätze, mündlicher Vortrag, Litcraturgcschichte) wird gar nichtgelehrt eine absichtliche Einrichtung des Systems von Mettcr-nich. Sonst hat Briren eine Realschule die Normalhaupt-schule auch 2 Mädchenschulen, mit Arbeitsschulen, von denenglischen Fräulein und den Schulschwcstern geleitet, wie schonbemerkt wurde.

Der geselligen Unterhaltung dient das Kasino, dessen Be-sitzer Bisdomini als sehr gebildeter, unternehmender und gefälligerMann geschildert wird. Er hat eine große Bierbrauerei, derenErzeugniß ausgebreiteten Beifall genießt; auch erwarb er sichum Hopfenbau und Maulbeerpflanzungen in Brirens Umgebungbleibende Verdienste. Von den 27 Gasthäusern der Stadt em-pfiehlt man: Elefant und Sonne. Vom Elefanten aus sieht manin westlicher Richtung die alte Burg Pfeffersberg das Volknennt sie Ocdenthurm. Andere Ausflüge macht man nach demDorfe Bahrn, ^ St. von Briren, dem Neustift gegenüber ge-legen. In der Nähe die Trümmer von Saler», einer Burg,die dem Stifte Briren gehörte. Das zu unsern Füßen liegendeThal nimmt sich vom Schloßberge herab sehr gut aus. VonBahrn südlich dehnt sich das romantische Thal Schalders gegenSarnthal und LatzfonS. An der engsten Stelle desselben erreichenwir eine Stunde hinter Bahrn das Schaldererbad mithölzernem Badehaus, gegenüber das Fürstenhaus. Eine Aus-sicht hat man hier nicht, wohl aber versammeln manche Som-mertage hier die schöne Welt von Briren, gute, gefällige undheitere Menschen. Ueber dem Bade liegt Dorf Schalders, dessenfleißige Bewohner die Stadt mit Brennholz versehen. Auch dasVahrnerbad das Badl genannt ist ein Lieblingsvergnü-gungsort der Brirener, ein Besuch verlohnt der Mühe; der nach-barliche See liefert treffliche Forellen, ist aber in neuerer Zeitfast ganz ausgetrocknet. Hinter dem Bade wirv die Straße enger,wir kommen an das Kläusel von Briren, das in dem französi-schen Kriege wichtig und sonst bedeutend befestigt war. DieFranzensseste bei Briren, die Festung bei Aicha oder dieFeste des Eisackthales genannt, verdient nicht minder einen Be-such des Reisenden von Briren aus. Zweck dieser Feste ist:den Paß ganz zu sperren, und einen im Kriege so wichtigenPunkt unüberwindlich zu machen. Die Festung zerfällt in dasobere und untere Werk, die beide zusammen das ganze Thal