Künstler lebte, malte und starb hier, in der fürstbischöflichen Burgim I. 1639, er fand auch hier ein Grab. — Die Pfarrkirche,ebenfalls ganz in der Nähe der Domkirche gelegen, wurde schon1038 gegründet, allein in neurcn Zeiten fast ganz umgebaut.Sie hat gleichfalls schöne Gemälde. Unter der Kaiserin MariaTheresia wurde 1765 die Kirche der englischen Fräulein gegrün-det und die Fürstin selbst gab zum Bau derselben einen namhaf-ten Beitrag. Die Niederlassung dieses Ordens weiblicher Jesuitenzu Briren war mit mancherlei Schwierigkeiten verbunden, diewir indessen hier nicht erzählen mögen. Nur einige Worte überdie religiösen Vereine, die unter dem Namen der englischen Fräu-lein sich in jüngster Zeit mehr und mehr ausbreiten und auchin Deutschland Einfluß auf die Erziehung gewinnen. Die Mit-glieder sind nach den ursprünglichen Einrichtungen dreierlei, näm-lich adelige Mädchen, dann Jungfern aus dem Bürgerstande undendlich dienende Schwestern. Die des ersten Ranges besorgendie Kostschule, des zweiten die Stadtschule, die Schwestern ver-sehen wie Mägde die niedern weiblichen Arbeiten des Hauses.Die Oberin muß eigentlich nach den Statuten von Adel sein,in Meran ist es auch noch so, allein in Briren hat man mitRecht diese oft nachtheilige Beschränkung abgestellt. Sehr wich-tig ist, daß eintretende Jungfrauen ihr Gelübde nur auf wenigJahren zu leisten haben, das nachher in bestimmter Zeit wiedererneuert werden muß. Die Oberin erhält ihre Wahl nur aus3 Jahre kann aber, wenn es beliebt, wieder gewählt werden.Die Schule der englischen Fräulein zu Briren ist als Muster-schule im ganzen Lande zu betrachten. — Der Gottesacker derStadt ist seit 1792 erbaut, rings mit Arkaden eingefaßt, undseine Lage muß gerühmt werden. Nicht weit davon steht dieKirche Mariahilf in Zinggen, welche im Jahr 1648 gestiftet zu-gleich ein Denkmal des westfälischen Friedens ist. Jenseits desEisack ist Stafcls, der unfreundlichste Stadttheil, worin die 1711erbaute „Schutzengelkirchc". Ihr gegenüber bildet Eisack undRicnz eine Halbinsel, auf welcher die Kirche des heiligen Kreuzesund das daran gebaute Priesterseminar sieben. Letzteres wirdals eins der zweckmäßigsten Gebäude dieser Art gerühmt. Es istein Viereck mit geräumigem Hof, faßt neuerdings 171 Studircnde,wobei es nur von Tricnt (mit 180) übertroffen wird, so daßdurchschnittlich 351 Theologie studiren. Beide Anstalten des Lan-des an bischöflichen Sitzen, bilden die Eandidaten des Priestcr-amtes, nachdem diese vorher einen zweijährigen Cursus derPhilosophie absolvirt haben, in 4 Jahren für ihren Beruf vollendsaus. Der Bischof hat natürlich die obere Leitung des Ganzen,die Professoren sind alle nur geweihte Priester. Die Lehrgegen-stände umfassen die gewöhnlichen Studien des Theologen. Da-mit verbunden ist übrigens in beiden Bischofssitzen für Studircndedes dritten und vierten Jahres — oft auch schon des zweitenund sogar ees ersten — ein Pricsterscminar im strengen Sinndes Wortes. Hier soll, wie es ausdrücklich in den Statutenheißt, „an der Veredlung des Herzens mit steter Rücksicht aufdie künstige Bestimmung des Eandidaten, durch deren Uebungin der Selbsterkenntniß, Selbstbeherrschung und im Gebet, ohnedaß dadurch die Pflege der Wissenschaft gehindert werde," ge-arbeitet werden, auf daß „Priester des neuen Bundes und wür-
dige Diener des Altars" dadurch erzogen werden. In diesemeigentlichen Seminar werden die öffentlichen Vorlesungen derProfessoren wiederholt, insbesondere die Liturgie und der zurgeistlichen Amtsführung nöthige Geschäftsstyl gelehrt. Dies letz-tere ist deswegen unumgänglich, weil die schriftliche Darstellungder Muttersprache auf allen Gymnasien und vorbildenden Anstal-ten des Landes bis in unsere Tage herab in empörender Weisevernachlässigt war, woher auch die bei den Geistlichen daselbstsehr auffallende Ungelenkigkeil im mündlichen Ausdrucke ihreneinzigen Grund hat. Die jungen Eandidaten zu Briren stehensonst unter strenger Beaufsichtigung und haben eine Hausordnung,welche an einen gelinden Orden gemahnt, jedoch wohlthätig dieSelbstbeherrschung unterstützt. In diesen theologischen Anstaltenfinden Arme eine unentgeldliche Aufnahme, und selbst Bemitteltezahlen nur eine ganz mäßige Entschädigung für das, was dasSeminar ihnen bietet. Man schließt daraus, daß die Fonds sehrglänzend sein müssen. Zu dem Brirener Seminar gehört einschöner Garten mit einer herrlichen Aussicht auf die Gebirge.Sonst stand auf der Stelle des Pricsterhauses ein Spital fürarme Pilger, die aus der Wallfahrt nach Rom begriffen, derRast, oder erkrankt der längern Pflege bedürftig waren. Dieserfromme Bau ward 1764 abgetragen und der Grund zu demjetzigen Priesterhause gelegt. Noch mehr nach Süden, allein inderselben Gasse, erblicken wir das Haus der sogenannten „Schul-schwestern," welche sich mit frommen Uebungen beschäftigen undaußerdem eine Mädchenschule unentgeldlich unterhalten. Daherihr Name. Sie haben zwar für die häusliche Andacht eine be-sondere Kapelle, schließen sich aber, was den öffentlichen Gottes-dienst betrifft, an die Klarisserinnen an. Arm und ohne bedeu-tende Mittel müssen sie sich einen Theil ihres Unterhaltes durchihrer Hände Arbeit zu verdienen suchen, ein anderer Theil fließtihnen durch Unterstützungen und Gaben von verschiedenen Sei-ten zn. In ihrer Nähe zeigt sich uns das Kapuzinerkloster.Tyrol zählt überhaupt 25 Klöster dieses Ordens. Ein Reisender(v. Hartwig Briefe aus und über Tyrol, Berlin 1846) be-merkt Folgendes über oiese Klöster: „Gewöhnlich nahe am Thore,niemals mitten im Orte selbst gelegen, erkennt man leicht an demkleinen, hölzernen, braunen Glockenthürmchcn mit der Wetter-fahne, die einen knieenden Kapuziner darstellt, die Kirche unddas damit zusammenhängende Kloster, vor dessen Eingänge einhohes, ebenfalls braunes, einfaches Kreuz mit den Marterwerk-zeugen, ohne das Bild des Heilandes, errichtet ist. So wie dieKirche und das, mit vielen kleinen Fenstcrchen versehene Kloster-gebäuve äußerlich völlig schmucklos und ohne architektonische Ver-zierungen, so ist auch das Innere im höchsten Grade einfachund ärmlich. Da sieht man in der Kirche kein Altarbild — dannund wann wird das Bild eines besonders hoch von ihnen ver-ehrten Heiligen ausgehangcn — keinen sonstigen Kirchenschmuckan Bildern und Seitcnaltärcn, wie man ihn oft in so großerUcberladung in den römisch-katholischen Kirchen trifft, von keinerOrgel tönt Musik; — außer den braunen Betbänken in derMitte unterbrechen nur die, an den Seitenwänden aufgestelltenzahlreichen Beichtstühle die Einförmigkeit des Ganzen. — Esmacht einen eigenthümlichen Eindruck, wenn man in eine solche