schichte in den Jahrbüchern menschlicher Wunderlichkeiten undreligiöser Schwärmerei ein auffallendes Blatt bildet. Sie hießGiovanna Maria della Croce, wurde als Heilige verehrtund wirkte mit einer unbegreiflichen Gewalt auf die durch dasallgemeine Unglück wie natürlich überspannten Gemüther desVolkes von Südtyrol. Giovanna kam im Zustande der Ver-zückung und vorzüglich, wenn dieser beim Gebete sich einstellte,oft in eine schwebende Stellung und verbreitete einen himmlischenDuft um sich her. — Sehr einflußreiche Männer aus den höherenund höchsten Ständen waren in steter Verbindung mit ihr, wirnennen nur den kaiserlichen Feldmarschall Galias und selbstdie beiden Kaiser Ferdinand I». und Leopold I. hörten aufihre Weissagungen, die sie als Hellseherin aussprach. Obgleichsie nachher die Würde einer Aeblissin in dem neugestiftcten Klosterder Clarissinnen zu Roveredo annahm, so behielt sie nichts destoweniger ihren Einfluß auf Kaiser Leopold I. und ihr Kloster
ward ein Wallfahrtsort für Hohe und Niedrige, wodurch dem-selben glänzende Summen zuflössen. Einen großen Theil ihrerZeit brachte Giovanna mit Ausarbeitung ihrer Handschriften zu,wovon sie bei ihrem Tode 1673 fünfzehn Quartbände hinterließ,über deren Inhalt wenig bekannt geworden ist. Für die Erhal-tung des katholischen Glaubens in Tyrol soll ihre Erscheinung,die man in die Reihe göttlicher Sendungen stellte, von unbe-zwcifeltcr Bedeutung gewesen sein. Verzückte Prediger z. B.Fra Vito und Padre Eufemio, die ihre Freunde waren, mögenihre ekstatischen Zustände, wenn auch nicht veranlaßt, doch gelei-tet haben. Der Erstere, „der stille Laienbruder von Trient" ge-nannt, hatte so gewaltige Verzückungen, daß er, als er in dieMarkus-Kirche zu Venedig eintrat, vor Andacht so außer sichgcrieth, daß er — — sich fliegend zur Decke der Kirche er-hob!! — In neuester Zeit sinv diese geistig Kranken in Tyrolselten geworden.
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riren, (latcin. Liixins, italiänisch ki-essannne, alt-deutsch pricbsena — ein Wort von unbekannter Ableitung,worüber St. Klausen und Kloster Scbcn verglichen werden kann,)liegt in einer schönen Gegend am Einflüsse der Rienz in denEisack, von Bergen umgeben, auf beschränkter gen N. und S.offener Thalebene. Länge 26°, 17' — Breite 40°, 40', et-wa 1836 Pariser Fuß über dem Meeresspiegel. Die ganz un-regelmäßige Stadt hat im Grunde nur Eine Hauptgasse, 340Häuser und etwas über 2700 katholische Einwohner. Unter denNebengassen, die aber nicht ansehnlich sind, verdient die mitArkaden eingefaßte, vom weißen Thurm südwestlich durch dieStadt ziehende Erwähnung, weil sie die Läden der Kaufleutemeist enthält. Von öffentlichen Plätzen nennen wir den Dom-platz, der durch seine Ausdehnung und Schönheit den Plätzenanderer größeren Städte des Landes gewiß nur sehr wenig nach-stehen wird. Die Domkirche ist unstreitig das sehcnswerthcsteGebäude dieser Stadt. Kaspar Jgnaz von Künigl, Fürstbischofdaselbst, war mit dem alten finstern, kunst- und schmucklosen Ge-bäude, welches schon dastand, unzufrieden; auf seinen Betriebwurde in den Jahren 1745 bis 1754 die gegenwärtige Kircheausgeführt. Ein Baumeister von Botzcn, Namens Delain, ent-warf mit kunstgeübter Hand den Plan dazu, aber die sehr an-sprechende Fapade von weißem Marmor ward von einem andernLandsmann, Purgstaller aus Meran ausgeführt — undzwar erst in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. DasInnere des Gebäudes wird nicht durch Säulen getragen, dieAltäre — neun an der Zahl — sind von ausgezeichneter Ar-beit, aus ausländischem Marmor und zur Bequemlichkeit fürihren Dienst durch Marmorsäulen von einander geschieden. Amlinken Scitenaltar gegen den Eingang ist als Hauptgemäldc derKirche die Kreuzigung Christi von Schöpf, ein Bild, das sichungetheiltcn Beifalls erfreut und in des Künstlers besten Jahrenausgeführt ist, während ein anderes gegenüber, die Vorstellung
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der Heiligen, ein Werk seines Alters ist und deswegen wenigeranspricht. Ein anderer Altar hat das Bild der heil. Agnes, diesich zum Märtprertode bereitet; von Christoph Unterbcrger ge-nialt, wird es von Vielen für das werthvollste Bild der Kirchegehalten. Zwei andere Künstler desselben Namens lieferten eben-falls gelungene Bilder in diese Kirche. Von Paul Troger sindFresken über dem Gesimse, wofür derselbe 10,000 Gulden er-hielt. Auch das Pflaster ist des Hauses würdig und beweiset,wie reich Tyrol an köstlichen Marmorarlen ist. Der BischofKünigl, der zu dem Baue jährlich 6000 Gulden gab, erlebtedie Vollendung nicht mehr; sein Nachfolger setzte das Werk mitEiser und Liebe fort, so erstand endlich der Bau mit einem Auf-wand? von nahe bei 120,000 Gulden. — Im Süden stößt andie Domkirche der Krcuzgang, der stark gewölbt und mit Freskenaus verschiedener Zeit und von verschiedenen Meistern geschmücktist. Man liest hier die Jahrzahl 1410. Wichtigere Reste vonalter, vaterländischer Kunst als hier und bei den alten, ringsumeingemauerten Grabsteinen zu entdecken ist, hat Briren schwerlichauszuweisen. Diese Grabsteine und Marmorplatten wurden zumTheil in dem Hofraum, den die Arkaden umfassen, hcrausge-graben — ein Beweis, daß dies wohl der Kirchhof des alten,schon erwähnten Gebäudes gewesen sein mußte. An der mittägl.Seite stößt die Johanniskirche an den Kreuzgang. Nach derSage, die aber wohl hierin fehl geht, ist es der alte Dom, zu-gleich der Versammlungsort des Kapitels, voraus bei der Wahleines neuen Bischofs. In dieser ward 1080 jenes beschriecneAfterkonzil gehalten, das es wagte, den Erzbischof von Ravennazum Gcgcnpabst Gregors VII., des so gcfürchteten Stifters derkatholischen Hierarchie, zu wählen. Die Frauenkirche, in dieman aus dem nämlichen Kreuzgange gelangen kann, wird jetztzum Gottesdienste der Gymnasialschülcr benützt. Das Bild derMaria v. Egypten, gemalt von Polack, wird hier vom kunst-verständigen Beschauer nicht Übergängen werden dürfen. Der