ZT o lz e v e Ä o. (Novereith.)
«^iese Stadt, nach welcher ein Kreis benannt wird, heißtauch Rovereith. Der Name stammt aus dem Latein, rodore-tum, Eichenwald, denn auf diesem Grunde standen in alter Zeitstarke Eichwälder, in deren Einem Wilhelm von Lizzana, unterden fünf Castelbarkern der mächtigste, im Laufe des ll, Jahr-hunderts ein Schloß gründete, die dabei stehende Gruppe kleinerHäuser aber zum Schirm mit in den Mauerring der Burg zog.Dieß war der Anfang der Stadt. Ihre östliche Länge beträgt28°, 36' und die geographische Breite 45«, 56'. Seltsam istes, daß die Einwohnerzahl so sehr verschieden angegeben wird.Geograpbiebücher, vor mehr als 26 Jabren erschienen, sprechenvon lOVO Häusern und 12,666 Einwohnern, Lewald gibt >8bis 26,666 an, dagegen das 1838 erschienene Werk: „Tyrolund Vorarlberg" nur 7614; wir werden uns wohl für die ersteAnnahme zu entscheiden haben. Die Bewohner sind, besondersdurch den Seidenhandel aus allen Ecken und Enden wäischer unddeutscher Lande zusammengeflossen, ihre Handelsthätigkcit zeichnetsie vor allen Südtyrolern vortheilhaft aus. Dabei haben siedeutsches Element aufgenommen und pflegen es mit einer Artvon Vorliebe. Deutsche Sprache und Literatur werden hier ge-schätzt, wenn man auch im gewöhnlichen Leben, zumal im Ge-schäftsverkehr meistens nur Italiänisch sprechen hört. DeutscheGründlichkeit mit italischer Anmuth verschmelzend haben sie sichjederzeit um Kunst und Wissenschaft wohlverdient gemacht, undso ward ihre Stadt die Wiege einiger Gelehrten, welche imeigentlichsten Sinne des Wortes europäischen Ruf besitzen. DieseMänner setzten eine Ehre in die ursprüngliche Reinheit ihrerMuttersprache, so daß man in ihren Schriften die toskanischeMundart mit ihren vielen Eigenthümlichkeiten fast am reinstenwiederfindet. Von ausgezeichneter Schönheit und Grazie sindauch Mädchen und Frauen der Stadt, so daß man sie den Be-wohnerinnen anderer Städte, z. B. Trients gegenüber, sehrleicht von diesen durch jene auffallenden und in einem lieblichenVerein glänzende Eigenschaften soll unterscheiden können.
Der Lorso nuovo von Roveredo wird von mehreren ansehn-lichen und prächtigen Gebäuden umgeben, darunter die PallästeAlberti und Federigotti hervorleuchten. Nur ist es um diesePrachthäuser der älteren Städte Italiens ein eigenes Ding, siehaben durch den Anschein der Verödung, die großen Räume, ge-schlossenen Fensterläden und dunkeln Hallen in der That etwasUnheimliches. Am Corso liegen zwei Gasthöfe, die Krone undil cavallelto, (das Rößel) dieser in der Mitte, jener am Ende;beide können dem Reisenden empfohlen werden. Schon hier sind,wie auch in Trient, die Gasthöfe ganz in italiänischer Weiseeingerichtet; der Hof geräumig und (höchstens mit Ausnahmekleinerer Landstädtchen) reinlich wird von einigen Stockwerken vonoffenen Gallerien umschlossen; diese Gallerien führen in die Frem-denzimmer. An den Treppen und auf der Hausflur prahlendie Wappen großer Herren, die schon hier einkehrten; sie lassenuns zugleich das hohe Alter und den weltbekannten Ruhm desHauses mit Einem Blick überschauen. Die italiänische Küche
Oester. Städte.
unterscheidet sich von der deutschen sehr auffallend; das Oelspielt bei der Zubereitung der Speisen die Rolle, welche bei unsder Butter und dem Fett zugetheilt ist; aber die Küchen selbstund was in denselben vorgenommen wird, gewährt ein Bild weitgrößerer Reinlichkeit, als man sonst hier zu sehen gewohnt ist,weshalb in den Restaurationen mancher Städte der Jtaliänersein Mittagsmahl mit vem größten Behagen in der Küche selbstverzehrt. Auch in den Kaffeehäusern herrscht hier schon italiänischeArt, das trauliche Wirthshausleben der Schoppen- und Stamm-gäste, die in Deutschland in allen Städten und Städtchen ange-troffen werden, bleibt dem Siidtyrvler sowie dem Jtaliänerfremd — Sebenswcrth ist in Roveredo der Platz San Dlareomit dem Kunstbruuncn und der Statue der Aurora, dann diebeiden Pfarrkirchen San Marko und Santa Maria äel (larininsmit sehr schönen Fayaden und guten Gemälden von krusasnroiund öaroni, auch Bridi's Gartenhaus mit Fresken von Xrallo-nara verdient einen Besuch. Will man einen anziehenden Theilder Gegend nach vem gegenüber liegenden Gebirge Isora undseinen durch ihr Erzeugniß geschätzten Weingeländen, oder dieThäler Lagarina und Arsa übersehen, so ersteigt man das in einArbeitshaus umgewandelte Kastell der Stadt. Das Schloß anseinen runden mit Zinnne geschmückten Thürmen kenntlich, liegtan der Verbindung der beiden genannten Thäler und der Künst-ler hat bei der Abbildung für dieses Werk einen sehr geeignetenStandpunkt gewählt. Die Seidenfabriken, welche den Wohl-stand der Stadt hauptsächlich erhalten, verlangten die Anlagegroßer Etablissements, die zu besehen auch solche Reisende nichtunterlassen dürfen, denen die Industrie weniger am Herzen liegt,als die Romantik der Gegenden und der Charakter ihrer Be-wohner. Man unterscheidet bei der Seidenfabrikation die Filandavon dem Filatorio, in Ersterer wird der von der Raupe ge-sponnene Faden von den Cocons abgehaspelt, in Letztern durchSpinnmaschinen und Spulwerke zu Fäden von beliebiger Dickezusammengedreht. Roveredo hat mehrere Fabriken dieser Art.Eine halbe Stunde von der Stadt entfernt liegt das Etablisse-ment von Bettini, man hat an der östlichen Seite des Ge-birges schenswcrthe Bauten in das Fclsgestein gesprengt und sodie Fabrik mit ihren Pavillons und Gärten gebildet. Seidlbemerkt: „Das Innere dieser großen, durch Dampf belebtenFilande und die Beschäftigung der zahlreichen Arbeiterinnen hatviel Schönes, und die Letztem gewähren ein überaus wohlthuen-des Bild zweckmäßiger Thätigkeit, indem sie theils an den großen,durch unterirdische Röhren erwärmten Kesseln sitzen, aus denensie die Fäden der Cocons aus die Haspeln leiten, theils stehend,je zwei mit der graziösesten Bewegung die Haspeln drehen, vondenen unter zwei Reihen gegen einen weiten Hofraum offenerArkaden eine große Menge aufgestellt ist. Mit unaufgefordertergrößter Bereitwilligkeit zeigt und erklärt man vem Fremden diesegrandiosen Einrichtungen, und es kostet Mühe, mitten unter denlieblichen Mädchengestalten dem Sinne ver etwas emphatischenRede des Jtaliäners zu folgen." — Weniger belehrend für den
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