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9 (1851)
Entstehung
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aus einem gemeinschaftlichen großen Wasserbchältnisse, worin5» b s 69, auch wohl an und über 100 Personen beiderleiGeschlechtes zugleich baden können. Es ist jedoch eine eigeneBadekleidung vorgeschrieben, die man entweder selbst mit sichbringen kann oder in der Bade-Anstalt gegen Vergütung er-hält. Die Preise sind eben nicht überspannt, unstreitig aberist der seit einigen Jahren eingeführte Verschöncrungsbeitragvon, wie ich glaube, 3 fl. Couv., welchen jeder Badegast, sowie er eine Micthwohnung bezieht, entrichten muß, eine zicm-lästige Maßregel. In jedem Bade sind in der Halle, welchezum Aus- und Ankleiden bestimmt ist, die Verhaltungsmaß-regeln rücksichtlich des Auslandes und der Sittlichkeit angeheftetund es möchte wohl nicht uninteressant seyn, einige Regeln,nach welchen man sich vor mehr als 150 Jahren zu richtenhatte, der Sonderbarkeit wegen hier anzuführen. Sie sind inJohann Günther von Anderiiach's Werke äs bslnois et aquismeäiestis enthalten und lauten, wie folgt: Cs sind in demStädtlein der Bäder zwei, eines wird das Herzogsbad, dasandere das Frauenbad genannt. Beide sind fast auf einerleiWeise erbaut, dem ersten laufet die Quelle von Außen herzu, das Frauenbad aber quillt gleich unter dem brcternen durch-löcherten Boden hervor. Es besteht die Art zu Baden, daßJunge und Alte, Edle und Unedle, Manns- und Weibsvolk,wofern sie keine offenen Schaden haben, unter einander baden,mit angezogenen und mit Fleiß dazu gemachten Badeklcidcrn. DieMänner mit bedecktem Haupt, welches sie im Aus- und Ein-gehen entblößen und neben dem Gruß das Bad segnen müssen.Das Weibsvolk aber anit theils angethane» Ucberschlägen, Zierdeund Schmuck um den Kopf auf österreichische Manier geputzetZsie gehen ohne Unterschied unter einander mit Führung bei derHand, außer den Sitzstellen. Ringsumher sind Staffel undBänke geordnet u. s. w. Das junge Volk trägt nach ihrerProportion und Höhe des Bades hölzerne Schuhe und gibtdas Bad von oben herab sehr krumme Posituren an den Per-sonen. Einige Frauen lassen den Saum an den Baderöckenmit Blei einnähen, damit solche nicht über sie schwimmen kön-nen. Das Bad hat seine erkiescten Badrichter und Fiscalcnund werden alle Strafgelder nach dem Pfund (.so ein Pfennigist) angelegt und den Armen zugeeignet. Wie man dann nachder Badordnung gar bald in die Strafe fallen kann. Denn essoll kein unschandbar Wort, Fluchen, Spritzen, Sprengen ge-than oder das Bad ein Wasser genannt werden. Es leidetkein anderes Metall außer Gold, denn es wird alles anderegleich schwarz, daher das Frauensvolk keinen falschen Schmuckoder Ketten anthu» darf. Es sind daher alle Riegel und Band^an den Thüren von Holz gemacht. Sobald man etliche Malangefangen zu baden, fängt der Leib an auszuschlagen, es ver-geht aber bald wieder und heilet, es macht den Magen etwasblöd, daher sich die Badleute mit Faschen um die Mitte bin-den. Man badet gemeiniglich vier Wochen und wird bei einerViertelstunde zu und abgenommen.

Die Quantität des im Ursprünge in einem Zeitraume von24 Stunden aufsprudelnden Heilwassers wird auf 13,440 Ei-mer berechnet. Hier befindet sich auch das Dunstbad; der Ur-sprung versieht übrigens nur die vier nahe liegenden Bade-

häuser mit warmen Heilwasser, die übrigen Bäder haben ihreeigenen Quellen, die unter den durchlöcherten Fußböden auf-sprudeln. Das hiesige Mineralwasser ist, wie es der Erdeentströmt, klar und vollkommen durchsichtig. Wird es jedochdurch längere Zeit der atmosphärischen Luft ausgesetzt, so wirdes trübe und milchig und bildet mit der Zeit einen Bodensatz,welchen man den Badschlamm nennt und welcher als Umschlaggegen verschiedene Uebel, z. B. Rhcumatism, Geschwülste :c.gebraucht wird. Mit dem Wasser steigt aus den Quellen einegroße Menge Gas in kleinen und großen. Blasen mit Gezischeempor. Das Wasser und dieses Gas hat einen hcpatischen,den faulen Eiern ähnlichen Geruch, der Geschmack deS Wassersist salzig-hcpatisch. Die Temperatur der verschiedenen Quellenist verschieden und steht zwischen Z- 24 bis 30 Grad Neaumür.Das specifische Gewicht dieses Mineralwassers ist vor seinerAbkühlung und Zersetzung in der freien Luft jenem des reinenWassers gleich, später nimmt es im geraden Verhältnisse mitder Abkühlung und Zersetzung zu. Die Menge des den ge-sammten hiesigen Quellen entströmenden Wassers, welches manauf beiläufig 80,040 Eimer österreichischen Maßes binnen24 Stunden annehmen kann, bleibt sich in jeder Jahreszeitund bei jeder Witterung, so wie auch seine Temperatur, gleich.Veränderungen in der Atmosphäre, besonders aber außerordent-liche Natur-Revolutionen haben indessen auch auf diese Mine-ralquellen auffallenden Einfluß; so entstand z. B. zur Zeit desgroßen Erdbebens in Lissabon 1755 die Engelsburgquelle. Dashiesige Mineralwasser ist ein Schwefelwasser, seine chemischenBestandtheile sind in mancherlei Zeitaltern verschieden angege-ben worden. Nach der Angabc des berühmten Physikers Volta,der das hiesige Mineralwasser an Ort und Stelle untersuchte,und welche ziemlich allgemein als die richtigste angenommenwird, enthält ein mcdicinisches Pfund davon:

Schwefelsaures Natron ... 1 Gran.

Salzsaures Natron 2^/? -

Schwefelsaure Kalkerde . . . 2'/? -Kohlensaure Kalkerde .... 3^/? -Schwefelsaure Bittererde . . . 1»/? --Kohlensaure Bittererde . . . 1,/? -Salzsäure Thonerde .... -

Kohlensaures GaS 7^/? - und endlich

Geschwefeltes Wasserstoffgas . . 3^/? Kubikzoll.

Nach dem Ausspruche der berühmtesten Aerzte wird durchden Gebrauch der Badener Schwefelbäder das ganze Hant-organ kräftig aufgeregt und sie werden deswegen vorzüglich beiverschiedenen Hautkrankheiten, wie auch bei Gicht oder Rheu-matismen und andern ähnliche» Nebeln, mit vielem Erfolgeangewendet. An den wesentlichsten Bedürfnissen der Bade-örter, nämlich an Unterhaltungen und Spaziergängen, fehltes auch in Baden nicht. Es ist da das hübsche Theater, inwelchem jedoch nur zur Sommerszeit gespielt wird, ein offenesneu erbautes Tagsthcater, ein Casino, hübsche Wirthshäusermit Gärten, Kaffeehäuser, worunter besonders das stets sehrbesuchte Scheiner'sche am Eingange in das Hclenenthal sehrbeliebt ist, ein Redoutensaal u. s. w. Die elegante Prome-nade findet alltäglich in dem lucus » non luoonäo also genann-