deren Bedürfnisse sie zu sorgen hatte, obschon einzelne Gc-werbsleute wieder bedeutenden Vortheil davon zogen. Den26. Juli 1812 entstand eine große Feuersbrunst in Badenwelche mehr als die Hälfte der Stadt verzehrte, 137 Häuserwurden den Flammen zum Raube. Indessen wurde durchfortwährend sich mehrenden Besuch, durch allgemeine Theil-nahme, direkte und indirecte Beiträge dieser Schaden baldwieder ersetzt. Schon nach Jahresfrist stand Baden schöner alsje wieder da und gewährt seitdem durch seinen vortrefflich aus-geführten Bau nicht nur alle Bequemlichkeit, sondern auch je-dem Bewohner größtmögliche Sicherheit gegen Elementarun-fälle jeder Art. Der letztverstorbene Kaiser Franz liebte denAufenthalt in Baden besonders und brachte jedes Jahr dieletzten Sommermonate in seinem eleganten aber einfachenHause daselbst zu. Vorzüglich aber hatte die Stadt dem ver-storbenen Erzherzog Anton, Hoch- und Deutschmeister, sehrVieles zu verdanken, der es zu seinem bleibenden Sommer-aufenthalt gewählt und viele gemeinnützige Einrichtungen, An-stalten und Bequemlichkeiten daselbst geschaffen hatte. Den9. August 1832 hatte in Baden in der Bergstraße ein ruch-loses Attentat gegen die Person des damaligen jüngeren Königsvon Ungarn und kaiserlichen Kronprinzen, Ferdinand, jetzt re-gierenden Kaiser, Statt, welches jedoch glücklicher Weise ver-eitelt wurde. Nach dem Tode des Kaisers Franz und desErzherzogs Anton (1835), dieser hohen Gönner und Beschützerder Stadt, verlor sie zwar etwas von ihrem früheren Glänze,allein die 1842 eröffnete Eisenbahn, welche von Wien überBaden nach Gloggnitz führt, vermehrte durch erleichterte Com-munication den Besuch wieder und zur Sommerzeit ist Badenwie vorher mit Gästen und Besuchern gefüllt. Die Zahl derBadegäste, welche den Curort jeden Sommer besuchen, beträgtjährlich im Durchschnitte 2509 bis 3000, für welche gegen800 freundliche und größtenteils gut eingerichtete Mietwoh-nungen in Bereitschaft stehen. Die Zahl der Fremden, welcheihres Vergnügens und der reizenden Gegend wegen hiehcr kom-men , ist ungleich höher und möchte sich an schönen Sonn- undFeiertagen leicht auf 10 bis 12000 belaufen. In den Win-termonatcn ist es jedoch, wie bei allen besuchten Badeörternder Fall, eben so einsam und öde in Baden, als im Sommerglänzend und belebt. — In topographischer Hinsicht liegt Ba-den drei Meilen südlich von Wien, welche Strecke jedoch aufder Eisenbahn in weniger als einer Stunde zurückgelegt wird.Die Lage der Stadt ist höchst günstig, am Eingange des schö-nen Helenenthales, von Nord, West und Süd ist sie durchdie, jenes reizende Thal bildenden cetischen Gebirge umgeben,die sich nahe an der Stadt in dem freilich äußerst kahleu undsteinigen Hügel ausmünden, der zu einem Calvarienberge ver-wendet wurde; im Osten hat die Stadt eine weite, ziemlichunerquickliche Ebene, welche in einer Entfernung von mehr alseiner halben Tagereise erst über der ungarischen Grenze dieLeithagcbirge beschließen. Die Stadt an sich ist nicht eben großund umfangreich, sie zählt nicht mehr als 425 Häuser mitetwa 3000 Einwohnern, allein die angrenzenden Ortschaften:Gutenbrunn, Weikersdorf, Allendt, Braiten, Rohr und Lees-dorf hängen, seitdem die Stadtthore abgebrochen wurden, so
nahe mit der Stadt zusammen, daß sie bei Weitem größerscheint, als sie wirklich ist. Die merkwürdigsten Gebäude der-Stadt sind, nebst den Bädern, von welchen später ausführlichdie Rede seyn soll: die alterthümliche Pfarrkirche zum heiligenStephan, deren ursprüngliche imposante Gestalt uns Merianund Matth. Bischer in ihren Topographien aufbewahren. Lei-der wurde der grandios angelegte Thurm 1677 mit einer jenergewundenen Kuppeln überbaut, die man so häufig bei Kirch-thürmen findet, die aber immer geschmacklos sind Die Wändeund Pfeiler an Kirche und Thurm sind reich mit Grabsteinenversehen, deren ältester die Jahrzahl 1555 trägt. Das Innereder Kirche ist ziemlich bunt und modern. Auf dem nicht ge-räumigen und unregelmäßigen Platze steht eine schöne Drei-faltigkeitssäule, 1713 errichtet, das Rathhaus, nach dem Brande1812 von Grund aus neu und sehr geschmackvoll erbaut; dergeräumige Rathssaal hat übrigens ein all,u modernes Ansehenund würde nimmermehr seine Bestimmung errathen lassen, wärenicht in der Mitte desselben ein grünbedeckter Tisch mit denerforderlichen Stühlen augebracht. Ferner befindet sich auf demPlatze das erwähnte Kaiserhaus und mehre schöne Gebäude,die sich bis in die Wiener- und Parkgasse hinein erstrecken.Weitere ausgezeichnete Gebäude finden sich fast in allen Gas-sen, das städtische Theater, der schöne Sauerhot, das vormaligeAugustincrkloster, welches seit 1812 zu einem schönen geräumi-gen Wohngebäude eingerichtet wurde, gehören zu den vorzüg-lichsten. An Wohlthätigkeits-Anstalten befitzt Baden: das Bür-gerspital, den Mariazcllerhof in der Berggasse, welchen KaiserFranz von dem Religionsfond erkaufte und zur Verpflegungund Unterbringung armer Badebedürftiger bestimmte; das großeMilitärspital; das Marienspital, von dem Vereine der adeli-gen Frauen zur Beförderung des Guten und Nützlichen be-stimmt und dann noch zwei Lazarethe. Badehäuser besitzt Ba-den 16, von welchen jedoch nur 11 im Gebiete der Stadtliegen, 5 aber den benachbarten Gutsbesitzern angehören. Dieälteren derselben sind ganz eigenthümlich in Form einer Ro-tunde mit gewölbter Kuppel erbaut; die neueren, wie z. B.das im schönen römischen Style erbaute Carolinenbad, dasSauerbad, sind von eleganter Bauart. Am Fuße des er-wähnten Calvarienberges befindet sich der Ursprung von ei-nem Gebäude in orientalischer Manier, nahe daran sind dieUrsprungbäder, welche natürlich die stärkste Wärme besitzen.Am Ursprünge wird das Wasser wohl auch getrunken und sollgegen viele Uebel gute Dienste leisten. Wer also an diesenUebeln leidet und es über sich gewinnen kann, warmes, höchstübelriechendes Wasser hinunterzuschlingen, der mag diese Artvon Cur versuchen. Die übrigen Bäder sind: Das Theresien-bad, unweit des Ursprunges; das Herzogs- und Antvnsbadim sogenannten Herzogshofe; das schöne Frauenbad, vereinigtmit dem Carolinenbade; das Josephsbad am Schwächatbache;das Leopoldsbad in der Alleegasse; das Peregrinusbad in derBerggasse; das Johannesbad in Gutenbrunn; das Armenbadeben daselbst; das Sauerhofbad, mit welchem auch eine eleganteTraitcuric verbunden ist; die neu errichteten Engelsburgbäder;das Militärbad im Militärspitale und endlich das Mariazeller-bad im Mariazeller-Spitale. Die meisten dieser Bäder bestehen