Ä ^ bei Wien
4)adcn, niederösterreichische Stadt und einer der belieb-testen und berühmtesten Curorte des österreichischen Kaiserthu-mes. Die warmen Heilquellen dieser Gegend waren ohneZweifel schon den Römern bekannt und wurden wahrscheinlichauch von ihnen benutzt, ob zwar in den Schriften der Altenwenige Spuren davon aufzufinden sind. Doch kommen in ei-nigen derselben die Illormao cetiae vor, worunter nothwendigerWeise die Quellen Badens verstanden sehn mußten, da sichsonst in der ganzen, ziemlich weitläufigen Reihe der cctischenGebirge keine warme Quelle von Bedeutung findet. Einenaugenscheinlichen Beweis aber, daß sie den Römern bekanntwaren und von ihnen benutzt wurden, fand man, als im Jahre1769 das Hauptgebäude der Ursprungbäder errichtet wurde.Man stieß nämlich bei Ausgrabung des Fundamentes aus un-zweifelhafte Ruinen eines römischen Dunstbades und entdeckteauch bei der Anlage des Parkes uralte Grundfesten großer Ge-bäude, die unbestritten römischen Ursprungs waren, indem diedazu verwendeten Ziegel das Zeichen der X. und XIV. Legiontrugen. Nach dem Abzüge der Römer aber gcrieth die ganzeAnlage wieder in Verfall, da nun eine geraume Zeit durch alleUrkunden davon schweigen. Das Land wurde zur Wildnißund es blieb der in so vieler Hinsicht für Oesterreich segens-vollen Regierung der Babenbergcr vorbehalten, den Grundzum neuen Aufkommen dieses jetzt so glänzenden Curortes zulegen. Nach einer Tradition sollen, wie es bei Carlsbad derFall war, verirrte Jagdhunde auf die neue Spur der warmenQuellen geführt haben. Vielleicht waren die drei bekanntenRitterburgen, Nauhenegg, Rauhenstein und Scharfencgg schonfrüher erbaut und wir haben einem Nimrod aus diesen edlenGeschlechtern die Wiederentdeckung derselben zu danken. Höchstwahrscheinlich ist es jedenfalls, daß erst »ach der Erbauungdieser festen Schlösser sich eine bedeutende Ansiedlung in derNähe derselben bildete, da die alten mannhaften Ritter sonstihre Felsenuester nicht in der Nähe eines bedeutenden Orteszu bauen pflegten. Dem sei nun, wie ihm wolle, so viel istgewiß, daß schon im Anfange des eilfte» Jahrhundertes derdichte Forst gelichtet und einzelne Wohnungen erbaut wurden.Mit dem steigenden Rufe der Nützlichkeit dieser Quellen ver-mehrten sich auch bald die Ansiedler und schon um 1090 er-scheint Baden bereits als bedeutender Marktflecken mit einereigenen Pfarre. Besonderer Begünstigungen aber erfreute sich
der Ort unter Kaiser Friedrich III., dessen Gemahlin Eleonoravon Portugal die Heilkraft dieser Bäder versucht und auch da-selbst das bekannte Abenteuer bestanden hatte, indem sie imjetzigen Helenenthale von Raubrittern überfallen und nur durchdie aufopfernde Treue ihrer Begleiter gerettet wurde. — Kai-ser Friedrich erhob Baden 1480 zur landesfürftlichen Stadtund ungefähr um dieselbe Zeit wurde es auch mit Ringmauernund festen Thoren versehen. Auch gab ihr dieser Kaiser eineigenes Wappen, welches zwei badende Personen vorstellt undwelches die Stadt noch heut zu Tage führt. Von dieser Zeitan war Baden als Curort berühmt und besucht und schon inder schätzbaren Merian'schen Topographie von Niederösterreichvom Jahre 1664 ist ein sehr besuchtes Vollbad, mit beinahederselben Einrichtung, wie heut zu Tage, vorgestellt. Bei denTürkeneinfällen in Oesterreich, 1529, 1532 und 1683 hattedie Stadt jedoch viel zu leiden, besonders aber im letzterenJahre, wo sie mit Feuer und Schwert zerstört wurde und sichnur langsam wieder erholen konnte. 1714 wurde sie abermalseiner furchtbaren Feuersbrunst zum Raube; doch die heilendeKraft ihrer Quellen hatte sich schon damals so mächtig erprobt,daß sie durch zahlreichen Besuch schnell wieder in Aufnahmekam. Die größten Fortschritte aber machte Baden unter dermütterlichen Regierung der großen Maria Theresia, wozutheils die größere Würdigung, welche die berühmtesten Aerzteihren Heilquellen schenkten, theils auch die damaligen unruhi-gen Zeiten, welche den Aufenthalt in anderen berühmten Cur-orten unsicher machten, viel beitrugen. In neuerer Zeit wett-eiferten Fremde und Einheimische, Baden mit allen Bequem-lichkeiten und Verschönerungen auszuschmücken, so wurde z. B.1792 der sogenannte Park, damals besser und füglicher Thcre-siengarten genannt, auf einem der Stadt gehörigen Weingar-ten angelegt; 1793 wurde die Stadt gepflastert und die nächt-liche Beleuchtung eingeführt; 1798 wurden die alten Stadt-thore, Mauern und Graben abgetragen und gleich gemacht.Nur das Wienerthor blieb, auf welchem das erwähnte Stadt-wappen angebracht ist. Auch entstanden mit der Zeit herrlichePrivat- und öffentliche Gebäude, worin es wohl vor allenösterreichischen Landstädten bei Weitem den Vorrang behauptet.Die beiden französischen Invasionen im Jahre 1800 und 1809hatten wieder ziemlich nachtheiligen Einfluß auf Badens Wohl-stand. Die Stadt war damals mit Franzosen überfüllt, für