N r e m s.
-L^icsc landesfürstliche Kreisstadt des Viertel ober Man-hartsbcrgcs in Niederösterreich, liegt am Abhänge des Krem-serlberges in dem Winkel, welchen die Krems mit der Donaumacht, einige hundert Schritte von letzterem Flusse entferntund bildet mit ihren alten, nun aber meistens zu Gartenmauernverwendeten Ringmauern, die noch mit mehren Thürmen be-setzt sind, eine unregelmäßige Figur, die einem verschobenenlänglichen Vierecke gleicht, woran die nordwestliche Spitze ab-gerundet ist. Krems ist von uraltem Ursprünge und erscheintnach alten Urkunden, deren das städtische Archiv viele undwichtige bewahrt, schon 995 als Stadt. Auch war es mehr-mals der Schauplatz wichtiger historischer Begebenheiten unddie Bürger zeichneten sich durch ihre Tapferkeit gegen die Böh-men unter Georg Podiebrad, gegen die Ungarn unter Mat-thias Corvinus 1477 und gegen die aufrührerischen Böhmenunter Carpizan 1619 vorzüglich aus. Auch im weiteren Ver-folge des dreißigjährigen Krieges spielte Krems eine wichtigeRolle. Dafür wurde die Stadt auch mit zahlreichen besonde-ren Freiheiten begabt und führt auch den halben kaiserlichenAdler in ihrem Wappen. Zur Zeit der zweiten BelagerungWiens 1683 war Krems der erste und vorzüglichste Sammel-platz der anrückenden Bcfrciungsheere, ehe dieselben abwärtsgegen Tuln und Wien zogen. In neueren Zeiten, so z B.in der baierischcn Invasion 1741 und in der französischen 1865und 1869 theilte es das Schicksal der anderen Städte Nieder-österrcichs und mußte sich harte Einquartirung und Eoutribu-tion gefallen lassen. — 1619 sollen die Weiber allein an derStelle ihrer ausgezogenen Männer die Stadt gegen die Böh-men vertheidigt haben und davon soll sich die einst so weitbe-rühmtc Siemandlbruderschaft herschreiben, deren Statuten, dieman bei ambulircndcn Bilderkrämcrn noch heute findet, welchedie Ober- oder Pantoffelherrschaft der Weiber über die Män-ner (Sie — Mann) bedingte und deren Hauztsitz jederzeit inKrems war. — Man theilt die Stadt in die obere und untere,da sich deren nördliche Seite auf eine» Theil des Krcmser-berges hinanzieht; die untere Stadt nimmt jedoch den größtenRaum ein. Die Grenze der beiden Abtheilungen oder der Fuß5er Anhöhe beschreibt eine schiefe Linie von Nordwcst gegenSüdost, doch so, daß sie in Südost nur bis zur halben Breiteder Stadt reicht. Auf der Nordseite sieht man noch die Spu-ren des ehemaligen Stadtgrabens, welcher die Stadt von demeigentlichen Berge, der mit Weinreben bepflanzt ist, trennte. ;
Gegen Nvrdost endigt sich die Stadt auf dem Rücken einesFelsens, an dessen Fuße die Krems vorüberfließt, die dannimmer nahe an der Stadtmauer hinabläuft und im Süden derStadt in die Donau fällt. Die Stadt zählt mit Einschluß derkleinen, an der Krems gelegenen Vorstädte Gartenau, Hvhen-stein, Lederergasse und Gänswcide 483 Häuser und beiläufig4566 Einwohner ohne die Fremden und das zahlreiche Mili-tär. Sie hat vier Thore mit Thüren, nämlich gegen Ostendas Wicnerthor, gegen Süden das Höllthor, gegen Westendas Stcinerthor und gegen Norden das Wächterthor. Naheoberhalb Krems ist die Stadt Stein, in deren Nähe wiederDürrenstcin liegt. Gerade gegenüber am rechten Donauuferliegt das Städtchen Mautern und diese vier Städte bilden fasteinen Cirkel zusammen. Die Straßen von Krems sind zwarenge und wenig regelmäßig, aber ziemlich gut gepflastert, diesechs Plätze sind klein und unregelmäßig. Vom Steiner- biszum Wiener Thore wird Krems von einer Hauptstraße durch-schnitten, welche die obere, mittlere und untere Landstraße ge-nannt wird und nebst dieser gibt es mehre Parallel- undQuergassen. Von den Plätzen ist der Nachhalls- oder Pfarr-platz der größte und ansehnlichste; die übrigen, namentlich derhohe Markt, der Häsnerplatz, der tägliche Markt, der Drei-faltigkeitsplatz (neue Markt) und der Dominikaner- oder Kreis-amtsplatz (vormals Korngrics), wovon die beiden letzten mitStatuen geziert sind, zeichnen sich weder durch Größe, noch durchSchönheit aus. Die auf dem Pfarrplatze stehende Pfarrkirchezum heil. Veit bildet ein großes und Helles, von keinen Pfei-lern unterstütztes Gewölbe mit mehren guten Gemälden, dieübrigen drei Kirchen sind die Piaristcnkirche auf der Anhöhe,wohin eine bedeckte Stiege emporführt, die Klosterkirche derenglischen Fräulein auf dem hohen Markte und die Spitalkirchezum heil. Philipp und Jacob in der oberen Landstraße, welcheletztere ein zierliches altdeutsches Portal besitzt. Zu den vor-züglichsten Gebäuden gehört auch das alte Nathhaus mit seinemmerkwürdigen und reichhaltigen Archive. Krems ist der Sitzdes Kreisamtes V. o. M B. und hat ein Piaristencollegiumin dem Gebäude des ehemaligen Jesuitencollegiums, welches1785 den von St. Pölten hicher versetzten Piaristen einge-räumt wurde und seit 1863 auch ein philosophisches Studiumund ein Studenten - Convict besitzt. Dann hat die Stadteine Hauptschule, ein Militär-Erziehungshaus (von ErzherzogKarl Infanterie Nr. 3) ei» sogenanntes englisches Fräulein-