kunstliebende Erzherzog diesen kostbaren Besitz für immer sei-nem Hanse, und der Sammlung selbst ihre unzertheilte Eristeuzsichern, was auch so weit als möglich, bis auf den heutigenTag geschah. Bei dieser Gelegenheit verdient allerdings aucherwähnt zu werden, daß an Ferdinands Hoflager der nachherso berühmte Wallenstein als Edelknabe diente und daß es imSchloß Ambras war, wo derselbe auf dem Geländer desBogenganges vor dem Tafelsaale einschlummerte, zwei Stock-werke hoch herabstürzte, gleichwohl aber unbeschädigt wiederaufstand. Die Sage erzählt, daß es ihm während des Fallesvorgekommen, als hätte ihn die heilige Jungfrau mit mütter-lichen Armen aufgefangen, damit er nicht im lutherischen Jrr-wahne sterben möge. Wirklich nahm Wollenstem bald daraufdie katholische Religion an. Mit dem Tode des ErzherzogsFranz Sigmund 1660 erlosch die tyrolisch - österreichische Ne-benlinie im Mannesstamme und Kaiser Leopold I. vereinigteTyrol und die Vorlande wieder mit den anderen Erblandcn.Diese Veränderung hatte auf den Schatz von Ambras entschie-denen und nicht sehr günstigen Einfluß, denn er hörte auf,unmittelbar unier den Augen des Fürsten empor zu blühe»und bis zur letzten Aufstellung der Sammlung in Wien schiensich alles zu vereinige», ihr nach und nach manche ihrer schön-sten Zierden zu entziehen. Schon unter Leopold I, wurdedurch dessen gelehrten Bibliothekar Lambccius eine beträchtlicheMenge alter Handschriften und 5880 Bände gedruckter Büchernach Wien gebracht und der dortigen kaiserlichen Hofbibliothekeinverleibt. 1704, als die Bayern, mit den Franzosen ver-bündet, iu Tyrol eindrangen, drohte der Sammlung großeGefahr, Mehrcres war zwar früher gerettet worden, alleinKurfürst Mar Emanucl befahl die meisten, noch übrigen Merk-würdigkeiten »ach Bayern zu schaffen. Der Plan kam jedochnicht zur Ausführung, da des allgemeinen Ausstandes wegen,der Feind bald darauf das Land räumen mußte, doch mochtebei dieser Verwirrung auch Manches verloren gegangen seyn.Unter Kaiser Karl VI. wurden die im Wiener Museum feh-lenden Münzen von Ambras aus complctirt, später wurdenmehrere der schönsten Gemälde der kaiserlichen Bildergalleriezu Wien einverleibt, eben so ging auch die sehr beträchtlicheSammlung von geschnittenen Steinen nach Wien, die jedochin der Folge wieder der Ambrascrsammlung einverleibt wurde.Die beständigen Kriege seit dem Jahr 1796 verschonten mitihren Folgen auch Ambras nicht. Von diesem Jahre an be-fand sich die Sammlung auf einer fast ununterbrochenen Wan-derschaft und das Schloß selbst wurde in dem Dränge der Um-stände oft zum Spital oder zur Caserne umgestaltet. Bei demFriedensschlüsse zu Preßburg 1805, welcher Tyrol an Bayernbrachte, kam auch die Ambraser Sammlung zur Sprache undsie blieb, kraft der bestehenden Rechtstitel, bei Oesterreich,Bevollmächtigte, von Wien gesandt, trafen unter dem nochin Ambras Zurückgebliebenen eine Auswahl des Vorzüglichsten,Sämmtliche Rüstungen, mit Ausnahme einiger französischerHarnische, welche nach Paris wanderten, die vorzüglichsten
Bilder, Naturalien und Kunstgegenstände langten 1806 in! Wien an, wohin die Kostbarkeiten schon früher gerettet wordenwaren. Von dem Wenigen, was bei dieser Auswahl imSchlosse zurückgelassen wurde, schaffte man 1817 auf kaiser-f lichen Befehl noch das Wichtigste nach Wien, die Pietät des! Kaisers Franz gab die verschiedenen Zweige des Schatzes, diefrüher davon getrennt worden waren, bis auf die Bücher,Münzen, Bilder und Handschriften, die ohne unangenehmeStörung zu verursachen, nicht von den kaiserlichen Sammlun-gen getrennt werden konnten, demselben wieder zurück undder vereinigte Schatz wurde unter den Augen des Monarchenselbst neu hergestellt und fortan im unteren Belvedere aufbe-wahrt. Die Sammlung ist in vier Abtheilungen getheilt, wo-von die erste Rüstungen und Waffen berühmter Männer, diezweite Bildnisse fürstlicher und anderer Personen, auch änderemehr oder minder werthvolle Gemälde enthält. Die dritteAbtheilung bildet die Kunst- und Wunderkammer, in welcherseltene natnrgcschichtliche Gegenstände, antike Bildwerke undGeräthschaften auö Metall und Stein, Kunstwerke aus Mosaik,Elfenbein, Horn und Holz; Gegenstände von Wachs, Pappe,Schmclzwerk; eingelegte Arbeiten von Holz, Elfenbein, Perl-mutter; Glasgcmälde und Glasarbeiten; Uhren, mathema-tische Instrumente, mechanische Kunstwerke; allerlei antikeHausgeräthe, dann einige türkische, indianische und chinesischeStücke; alte musikalische Instrumente; Kostbarkeiten und Klei-node, kostbare Trinkbecher, Waffen und Neitzeuge; höchst in-teressante Frauengünste oder Faveurs, dann die werthvollengeschnittenen Steine enthalten sind. Die vierte Abtheilungbegreift Handschriften, Bücher, Kupfer- und Holzstiche, worun-ter besonders die Trinkbücher von Ambras höchst interessantsind. Als große Seltenheit findet sich in dieser Abtheilung die! Dichtung Wolfram's von Eschenbach: Markgraf Wilhelm derHeilige von Orense aus dem 13. Jahrhunderte. Für dasgrößere Publikum ist der Einlaß in diese höchst wcrthvolleund interessante Sammlung jeden Dienstag und Freitag, Vor-mittags von 9 bis 12, Nachmittags von 3 bis 6 Uhr, Win-terszeit jedoch nur von 9 bis 12 Uhr. Der zu Ambras zu-rückgebliebene Theil der Sammlung aber besteht noch ausArbeiten in Metall, Elfenbein, Horn und Holz, Uhren, irdenenGeschirren und künstlichen Töpferarbeiten, alten Gewehren,Schilden, Armbrüsten, Köchern, Pfeilen, Spießen, Lanzen,Panzerhemden und Sätteln, alten und neueren Portraits,großen Familienstücken und historischen Gemälden, dann imSchloßhofc aus sechs römischen Meilensteinen mit Inschriften;endlich sind in der St. Nicolauscapelle daselbst alte silberneGefäße und andere Paramente im besten Zustande zu sehen.Unter den Gemächern der alten herrlichen Burg sind die merk-wlndigstcn: das einfache Badegcmach der genügsamen Phi-lsspine, der Tafelsaal und der erwähnte historisch-merkwürdigeBogengang vor demselben. Auf dem platten Dache genießtman eine herrliche Ansicht der reizenden Umgegend mit deri Stadt Jnsbruck.