Kchloss Ambras.
dieses historisch hochmerkwürdige alterthümliche Schloß,auch in alten Urkunden Amras und Omras genannt, liegtnahe bei Jnsbruck auf einer anmuthigen Anhöhe. Die ersteGründung desselben verliert sich in die graue Vorzeit und dieVermuthung, daß dessen erste Anlage schon aus der Rö-merzeit stamme und Ambras die oft genannte CitadelleVMiäons gewesen sei, hat viel Wahrscheinliches für sich. In-dessen ist von dieser Anlage keine Spur mehr vorhanden. Biszum 11. Jahrhundert war Ambras der Hauptort der Graf-schaft, welches die Grafen von Andechs besassen, deren StifterOtto sich sogar Lomes äe Omerss nannte. In der heftigenFehde des Bayernhcrzogs Heinrichs des Stolzen mit dem mach-tigen Grafen von Wolfertshausen spielte die Bergfeste Ambraseine sehr bedeutende Rolle. Sie war jene Burg, welche demHerzog lange trotzigen Widerstand leistete, aber mit ihrer Zer-störung dafür büßte. In der Folge, als die mächtigen Grafenvon Görz die meisten nördlichen Besitzungen an sich gebrachthatten, blieb die Herrschaft und das Schloß Ambras Eigenthumder jedesmaligen Landesfürsten, die selbe aber oft an Lehens-männer verliehen. In dem 1363 erschienenen Abtretnngsbriefe,wodurch die Herzogin Margarethe Maultasch Tyrol an dieHerzoge von Oesterreich überließ, behielt sie ausdrücklich Am-bras nebst noch einigen Gütern für sich zurück. Der unglück-liche, aber den Tprolern unvergeßliche Herzog Friedrich IV.(genannt mit der leeren Tasche), welcher auf der KostnitzerKirchenversammlung aller seiner Lande beraubt wurde, wollte,nach dem Friedensschlüsse 1418, seine an Kaiser Sigmundverpfändeten österreichischen Besitzungen in der Schweiz wiedereinlösen. Da es ihm hierzu an Geld gebrach, lieh ihm HerzogAlbrecht von Oesterreich, sein Vetter, zu diesem Zwecke 36,066Dukaten, wofür ihm Friedrich mehrere Ortschaften, darunterauch Ambras, verpfändete. In der Folge ging es an mehreEdle als pfandweises Lehen über, bis Kaiser Ferdinand I. dieBesitzung 1562 einlöste und sie seinem drittgebornen SohneFerdinand mit aller Zugehör, Nutzung und Gefällen, Einkom-men, Rechten und Gerechtigkeiten frei eigenthümlich schenkte.1564 schenkte dieser das Schloß und die ganze Herrschast, wiees in der Urkunde heißt, aus sonderlichen hochbewcglicheu undbilligen Ursachen, seiner geliebten Gemahlin, der edlen Phi-lippine Welserin, sonderlich ihres in Ehren und Tugend Wohl-verhalten halben. Mit dieser Zeit beginnt die eigentliche glän-zende Periode des Schlosses Ambras, welches in der Nähe unddurch die besondere Vorliebe eines so ausgezeichneten Fürsten-paares, wie Ferdinand und Philippine, auf einmal aus derDunkelheit hervortrat. Ferdinand gab dem Schlosse eine ganzneue Gestalt, wodurch es an Umfang außerordentlich gewannund die vielen geräumigen Nebengebäude, die es durch denneuen Bau erhielt, eigneten es vorzüglich zur Sommerwohnungeines Hofes. Wie prächtig und reizend damals Ambras ge-wesen seyn müsse, davon gibt der gleichzeitige Piphius, der1574 nach Jnsbruck kam, eine sehr anziehende Schilderung.Nachdem er das Gebäude mit seiner glänzenden Einrichtung,die Säle mit den Wandgemälden, mit den köstlichen Teppichen,
Statuen und Bildern gerühmt, beschreibt er die Obst- undWeingärten, Fischteiche und Thiergärten, die Labyrinthe, Grot-ten und Springbrunnen, die niedlichen Speisesälchen im Freien,unter welchen besonders eine, in alten Ansichten, z. B. vonMerian, noch sichtbare, seltsame Rotunde seine Aufmerksamkeiterregte, in welcher die speisenden Gäste sammt dem Tischedurch künstlich angebrachte Wasserräder herumgedreht werdenkonnten. Von allen diesen bewunderten Anlagen sieht manjetzt leider keine Spur mehr, die Gärten sind zu Wiesen undFeldern geworden, die Teiche sind vertrocknet und die Wasser-leitungen zerstört. Mit Gewißheit läßt sich annehmen, daßdie in ihrer Art einzige Sammlung von Büchern, Bildern,Seltenheiten, Kunst- und Naturgegenständen, welche von allenSeiten her allmählig hier zusammenfloß und die noch jetzt inWien Gegenstand der Bewunderung ist, größtenthcils Philip-pinen ihre Entstehung zu danken hatte, deren gebildeter Griffund treffliches Herz nach dem einstimmigen Urtheile gleichzeiti-ger Schriftsteller, den Reizen ihrer Gestalt gleichkam. Umge-ben von diesen Schätzen, auf dem schönen, ihrem Gemahleso theuren Ambras, in stiller Zurückgezogcnheit, mochte siemanche Demüthigung um so leichter vergessen, die Stolz undNeid ihr so oft bereiteten*). Nach ihrem Tode 1586 wurdenPhilippinens Söhne, Kardinal Andreas von Oesterreich undKarl, Markgraf von Burgau die gesetzlichen Erben der Herr-schaft. Ferdinand verglich sich mit ihnen dahin, daß sie ihmdieselbe gegen Einräumung der Herrschast Jrmezhofen imWalde abtraten. Bei Ferdinands Tode fiel Ambras aber-mals dem Markgrafen Karl von Burgau, doch mit der Be-dingung zu, daß er und nach ihm immer die ältesten Lchns-fähige des fürstlichen Stammes der Markgrafen von Burgauvon dem jedesmal regierenden Landcsfürsten in Tyrol damitbelehnt werden sollte. Ferner wurde in Ferdinands Testa-mente festgesetzt: 1. Daß die Sammlung, nach dem Abgängedes Burgau'schen Stammes **) immer im Besitz der Landes-fürsten aus Ferdinands Hause und Gebiete verbleibe. 2. DerLandesfürst solle und wolle Alles von Ferdinands wegen alsountereinander und »»getheilt beisammen zu erhalten, sich liebund recht sein lassen. 3. Es ist des Erzherzogs angelegent-lichster Wunsch und Bitte, daß Alles wohl verwahrt, gemehrtund gebessert werde. — Durch diese Verfügung wollte der
*) Philippine Welser war geboren 1S32 zu Augsburg, eine Tochterdes dortigen Patriciers Franz Welser aus uraltem ritterlichenGeschlechte. Sie genoß eine sorgfältige Erziehung und entwi-ckelte ausgezeichnete Körperschönheit und vorzügliche Geistesgaben.l594 lernte sie Erzherzog Ferdinand auf dem Reichstage zuAugsburg kennen und wurde so von ihrer außerordentlichenSchönheit entzückt, daß er sie, da sie ihm ihre Gegenliebe nnrauf gesetzmäßige Weise gewährte, l55t) ohne jVorwissen seinesVaters, des Kaisers Ferdinand I. heirathete Letzterer war An-fangs über diese Verbindung entrüstet und erlaubte seinem Sohndurch lange Zeit nicht vor ihm zu erscheinen.
**) Dies geschah bereits mit dem Tode des Markgrafen Karl vonB»rgaisi l6l3, worauf die werthvolle Sammlung an Kaiser Ru-dolph II. kam und bis auf die heutige Zeit Eigenthum der Lan-desfürsten blieb.