ist der Zulauf des Volkes äußerst zahlreich. Seit 1616 be-wahrt die Schatzkammer auch den von Erzherzog Maximilian,Hoch- und Deutschmeister, hierher geopferten Erzherzogs - Hutvon Oesterreich, welcher bei jeder Erbhuldigung feierlich nachWien und wieder zurückgebracht wird. Noch sind unter mehrenMerkwürdigkeiten und Alterthümern, welche die Leopoldskapellebewahrt, besonders die Meßornatc auszuzeichnen, welche ausden Brautgewändern Leopolds und Agnesens verfertigt wur-den, ferner der berühmte Altar von Verdun in byzantinischerArbeit, welchen Probst Wernher im 12. Jahrhunderte demStifte verehrte und welcher ausgezeichnete Emailgemälde ent-hält; der Reisealtar des heiligen Leopold, endlich der Krumm-stab des Abtes Babo aus dem 13. Jahrhunderte. Außer derSchatzkammer sind im Stiftgebäude noch die sogenannten Kai-serzimmer, welche vormals der kaiserliche Hof während desLeopoldfestcs bewohnte, durch Solidität und innere Einrichtungauszuzeichnen. Die Bibliothek zählt an 36,066 Bände, wirvaber immer noch vermehrt und mit den Werken der neuestenLiteratur bereichert. An Museen und den neuesten Prachtwer-ken über Aegppten und Indien ist die Bibliothek reich. Unterden zahlreichen alten und interessanten Manuscripten zeichnensich besonders das vom heiligen Leopold dem Stifte geschenktePsalterium und ein Bibelcoder, gleichfalls ein Geschenk desStifters, so wie dessen Gebetbuch aus. Auch unter den Jn-cunabeln gibt es mehrere kostbare und seltene Werke, woruntereine deutsche Bibelübersetzung, gedruckt von Johann Fust zuMainz 1464, in vieler Hinsicht merkwürdig ist. Die Gemälde-sammlung enthält vorzügliche Stücke aus der altdeutschenSchule, so wie auch die Naturalien- und MünzsammlungWerthvolles enthalten. — Auf den großen Kuppen des unvol-lendeten neuen Gebäudes prange» als Giebel die Kaiserkroneund der Erzherzoghut von Oesterreich. Beide sind so geräumig,
daß 6 bis 16 Personen bequem Platz darin finden, auch sindsie mit Oeffnungen versehen, welche den herrlichsten Ueberblickder ganzen Umgegend gewähren. Unter die vorzüglichstenMerkwürdigkeiten des Stiftes gehören noch die Keller. Die-selben thürmen sich unter dem neuen Gebäude dreifach über-einander. Die untersten stehen ganz leer, weil sie zu kaltsind; auf diese dreifache Reihe von unterirdischen Gewölbenfolgen noch .zwei Reihen gewölbter Gemächer, so daß fünfWölbungen übereinander stehen und dann erst die übrigenStockwerke folgen. Sehr oft waren in diesen Kellern an undüber 36,666 Eimer der köstlichsten Weine des Landes aufbe-wahrt, daher auch das Kloster im Munde des Volkes dentraditionellen Beinamen: zum rinnenden Zapfen erhalten hat.Hier befindet sich auch in einem eigenen Gebäude das großeaber leere Faß von 1666 Eimern, nach dem Heidelberger dasgrößte in Deutschland Schließlich ist noch zu erwähnen, daßan einem Fenster des Neugebäudcs, aus welchem Papst Pius VI.bei seiner Anwesenheit 1782 der versammelten Menge denSegen ertheilte, auf einer Marmortafel folgende chronodistischeInschrift angebracht ist:
NIL UontllöX AIsX. NIVs SsXtVs LeneNIXItUopVLo XX. Vxrll.Is.
Außer vielen Besitzthümern, Pfarren, Dörfern, Grün-den zc., welche Eigenthum dieses Stiftes sind, besitzt es auchseit 1784 den historisch-merkwürdigen Leopoldsberg, woraufeinst die Residenz des heiligen Leopold gestanden hatte, vonwelcher sich durch feindliche Zerstörung und Demolirung beiAnnäherung der Türken 1526 leider nur mehre unbedeutendeRuinen vorfinden. Das Stift verpachtete ihn jedoch in derFolge an den Fürsten von Liechtenstein für eine Reihe vonJahren.