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9 (1851)
Entstehung
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Sarg gebracht. Bei diesem Anlasse wurde auch der großeStammbaum des Babenberg'schen und Habsburg'schen Ge-schlechtes verfertigt, welchen das Stift als merkwürdiges histo-risches Denkmal noch heute besitzt. Nach dem Tode Maxi-milians wurde das Stift durch die rebellischen Landständewieder von Neuem hart bedrängt. Vieles Silber und Gold,selbst der silberne Sarg des heiligen Markgrafen wurde ge-raubt, letzterer später jedoch wieder zurückgestellt und ProbstGeorg II. mußte sich mit den übrigen Kostbarkeiten und Re-liquien nach Passau flüchten. Die untere Stadt ging in Flam-men auf, die obere und das Stift wurden nur durch die tap-ferste Vertheidigung gerettet. Kaum hatte sich letzteres vondiesen Unfällen wieder etwas erholt, als es durch die Türken-einfälle 1529 und 1683 abermals viel zu leiden hatte. In-dessen erwehrte es sich beidemal? glücklich der wüthendenFeinde, besonders vertheidigte es sich im Jahre 1683 mitvielem Muthe und zum ewigen Ruhme unter dem heldenmü-thigen Laienbruder Marcellin Ortred. welcher, von der Bür-gerschaft unterstützt, mehrere Stürme, den letzten gegen 13,000Türken, abschlug und so die untere Stadt und das Klosterrettete. In den nachfolgenden langen Fricdensjahren erblühtedas Stift, von seinen vielen Hilfsquellen unterstützt, baldwieder zum höchsten Wohlstande. 1714 wurde der Gedächt-mßtag der sechshundertjährigen Stiftung der großen Kirchemit vielen Feierlichkeiten begangen. Bei dieser Gelegenheiterschienen auch die Chorherrn zum ersten Male in schwarzerKleidung, da sie vorher weiß gekleidet waren. Der damaligeProbst Ernst begann auch das große, leider durch die riesen-mäßige, die Mittel des Stifts weit übersteigende Anlage, bisheute unvollendet gebliebene Werk, den Bau einer neuen Prä-latur, die, wäre sie ausgeführt worden, alle ähnlichen Gebäudeim Kaiserthume Oesterreich weit überragt hätte. 1739 tratProbst Ernst in die Congrcgation der regulirten Chorherrnvom Latron und erhielt dadurch den Titel eines latroancnsi-schen Abtes für sich und seine Nachfolger, so wie seitdem dieStiftsglieder den Titel: latroancnsische Chorherr», führen.Um 1760 wurden die theologischen Studien im Stifte errich-tet. Probst Ambros stellte 1776 die bereits auf 20,000 Bändeangewachsene Bibliothek auf und gründete die Naturalicnsamm-lung und die Gemäldesaimmlung. Den 10. April 1782 be-suchte Papst Pius VI. bei seiner Anwesenheit in Wien Kloster-neuburg. Dem Probste Floridus ertheilte Kaiser Leopold fürsich und seine Nachfolger die Würde eines niederöstcrrcichischenErbhofcaplans. In den beiden französischen Invasionen1805 und 1809 brachte das Stift abermals große Opfer.Der Schaden, den es 1809 erlitt, betrug allein gegen 2'/«Million Gulden. Gegenwärtig beläuft sich die Zahl derMitglieder des Stiftes auf mehr als 60. Dem Stifte sindferner 22 Pfarren untergeordnet, nnter welchen sich die dreiPfarren zu Klosterneuburg und Kronneuburg, dann jene zuHirzing, befinden. Zu jeder Zeit hatte das Stift unter sei-nen Mitgliedern ausgezeichnete Gelehrte und Schriftsteller auf-zuweisen. Die Pröbste desselben sind von der Gründung desStiftes bis auf die heutige Zeit:

1. Otto I. 1106 bis 1122.

2. Otto II. drittgeborner Sohndes Markgrafen Leopold,trat 1126 zu Morimond inFrankreich in den Ordender Cisterzienser und kerhte»icbt wieder zurück.

3. Hartmann von Chiemseebis 1142.

1. Marqnard I. bis 1167-

5. Rudger I. bis 1168.

6. Wcrnher bis 1186.

7. Gottschalk bis 1192.

8. Wernher zum zweitenmal?bis 1194.

9. Otto III. 1194.

10. Rudolph I. bis 1196.

11. Tbeodorich bis 1216.

12. Wisinto bis 1220.

13. Walther bis 1223.

14. Marqnard II. bis 1226.

15. Konrad I. bis 1250.

16. Dietmar bis 1253.

17. Ko irad II. bis 1257.

18. Nicolaus I. bis 1279.

19. Papo bis 1293.

20. Hadmar bis 1301.

21. Nudgar II. bis 1306.

22. Berthold I. bis 1317.

23. Stephan bis 1335.

24. Nikolaus II. Neydhard bis1336.

25. Rudrin von Kmeppen bis1349.

26. Ortulph von Volkcrsdorfbis 1371.

27. Coloman von Lan bis1394.

28. Peter I. Lehnhofer bis1399.

29. Bartholomäus von Bier-baum bis 1409.

30. Albert Stock bis 1418.

31. Georg I. Müßinger bis1422.

32. Simon I. von Thurn bis1451.

33. Simon II. Hehnol bis1465.

34. Johann Hcchtel bis 1485.

35. Jakob I. Pampeel bis 1509.

36. Georg II. Hausmannstät-ter bis 1541.

37. Wolfgang Hapden bis1551.

38. Christoph I. Strel bis1558.

39. Peter II. Hübner bis 1563.

40. Leopold Hintermayer bis1578.

41. Caspar Christianibis 1584.

42. Balthasar Palzmann bis1596.

43. Thomas Rueff bis 1612.

44. Andreas Mosmüller bis1630.

45. Bernhard!. Waiz bis 1643.

46. Rudolph II. Müller bis

1648.

47. Bernhard II. Schmedingbis 1675.

48. Adam Scherer bis 1681.

49. Sebastian Mayer bis 1685.

50. Christoph II. Mathäi bis1706.

51. Jakob II. Cini bis 1707.

52. Ernst Progra bis 1749.

53. Berthold II. Rundingerbis 1766.

54. Gottfried Nollemend bis1772.

55. Ambros Lorenz bis 1782.

56. Floridus Lceb bis 1800.

57. Gaudenz Dauller bis 1829.

58. Jqkob III. Ruttenstock bis1844.

59. Wilhelm Sedlaczek, gegen-wärtiger Probst.

In topographischer Hinsicht hat Klosterneuburg 484 Häu-ser mit 3,800 Einwohnern, deren vorzüglichster Nahrungs-zweig der Weinbau ist. Der hier erzeugte Wein gehört zuden ausgezeichnetsten Gewächsen Oesterreichs. Die Stadt selbstwird, wie bereits erwähnt, in die obere und untere eingetheiltund enthält an merkwürdigen Gebäuden eine Pontoniers Ca-sernc, ein Fuhrwesen-Depot, ehmals Freihof des Fürsten deLigne, dann den Scbiffsbauhof außerhalb der oberen Stadtan der Donau, wo die Pontons der kaiserlichen Armee ver-fertigt werden. Das merkwürdigste und schönste GebäudeKlosterncuburgs aber ist, wie natürlich, das Stift mit derkolossalen, leider unvollendeten Prälatur, obschon unter demletztverstorbenen Abte, Jakob Ruttenstock Vieles daran gebautwurde. Gegenwärtig aber besteht das Ganze noch immer auseiner wunderlichen Mischung von alter und neuer, nnvoll-kommner und imposanter Architektur. Eine der interessantestenAbtheilungen des Stifts ist der alterthümlich-ehrwürdige Kreuz-gang, welcher mit seinen altersgrauen Hallen, Spitzbogen undFenstern mit durchbrochener gothischer Verzierung noch ganzdas Jahrhundert seiner Entstehung (1280 bis 1320) ausspricht.Das daselbst befindliche große Kreuzbild ist ein schönes Holz-schnitzwerk, das hohes Alterthum verräth. Außerdem bewahrtder Kreuzgang die Bildnisse aller Pröbste und noch mehre be-sehenswerthe Merkwürdigkeiten, worunter vorzüglich der er-wähnte große Stammbaum nennenSwerth ist. Die Leopolds-kapelle, welche auch die Schatzkammer genannt wird, enthältden Leichnam des heiligen Leopold an dem Altare in einemmit rothem Sammt überzogenen Sarge, da der erwähnte sil-berne Sarg 1809 zur Zeit der gemeinsamen Noth den Landes-bedürfnissen zum Opfer gebracht wurde. Alljährlich den 15.November, am St. Leopoldstagc, werden diese heiligen Ucber-reste zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt. An diesem Tage