Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

M l o s t e r n e u b u r g.

SN losterneuburg. Eine landesfürstliche Stadt in Nie-dcrösterreich an der Donau, 2 Meilen von Wien, mit demaltberühmten Kloster der regulirten Chorherrn St. Augustins.Schon zur Zeit, als sich der heilige Markgraf Leopold IV. einFürstenschloß auf der Spitze des Kahlenberges erbaute, bestanddas Städlein Nivinburg an der Donau, an der Stelle derheutigen unteren Stadt und die Sage erzählt, daß die alteSt. Matinskirche daselbst eine jener zwölf Pfarren war, welcheKaiser Karl der Große in Oesterreich errichtete. Geschichtlichbeglaubigt ist, daß diese Pfarre schon unter Kaiser Heinrich III.im Jahre 1044 bestand, eben so, daß bis zur Entstehung desStiftes die Orte Korneuburg, Höflein, Kritzendorf, Kierling,Weidling, Mußdorf, Heiligenstadt, Dökling, Gonignig undNeustift derselben eingepfarrt waren. Der romantische Anlaßzur Gründung des Klosters ist wohl allgemein bekannt undwird uns von Ricard von Neuburg, dem ersten Geschicht-schreiber des Stiftes, folgender Weise überliefert: An einemschönen Frühlingsabend des Jahres 1106 stand Leopold mitseiner Gemahlin Agnes am hohen Söller ihrer neuen Fürsten-burg auf dem Kahlenberge; die unermeßlichen, vor ihren Bli-cken liegenden Gefilden überschauend und sie besprachen sichüber die Wahl eines Orts, wo sie ein schon längst gelobtesGotteshaus erbauen wollten. Da hob ein plötzlich entstandenerWindstoß der Markgräfin den Schleier vom Haupte und führteihn in die nahe dabei befindliche Waldung hinan Anfangsbeachtete man diese Begebenheit wenig, als aber längere Zeitdarauf der Markgraf auf der Jagd den verlorenen Schleierunversehrt auf einem Holunderstrauche wieder fand, bestimmteer diesen Play zur Errichtung seiner neuen Stiftung. Noch indemselben Jahre begann der Bau einer kleinen Kirche undWohnung für die Priester und war schon 1108 vollendet. Indiesem Jahre wurde auch der erste Probst Otto I. installirt.Das Collegiatstift bestand damals aus demselben und 12 Chor-herren. 1114 legte Probst Otto den Grundstein zu einergrößeren Kirche, der noch heute bestehenden, die II36 vollen-det war und mit großen Feierlichkellen eingeweiht wurde. DerErzbischof von Salzburg und die Bischöfe von Passau undGurk verrichteten die Tempelweihe, bei welcher viele Fürstenund Herrn, so wie zahlloses Volk Zeugen waren. Noch indemselben Jahre, den 15. November, starb der erhabene Grün-der und wurde hier beigesetzt. Das Stift aber wurde balddarauf durch fromme Gaben und Stiftungen in bedeutenden

Wohlstand gebracht. Papst Jnnocenz II. fertigte 1137 zu Romeinen von sämmtlichen Cardinälen unterzeichneten Schutzbrieffür Klosterneuburg aus, in welchem er alle Besitzungen desStiftes bestätigte, demselben das Recht der Probstenwahl er-theilte und verordnete, daß Niemand als die Nachkommen desMarkgrafen das Vogteirecht ausüben sollte». Mit dem Auf-blühen des Stiftes ging jenes der Stadt Hand in Hand undbald fanden sich zahlreiche Ansiedler; um das Kloster erhobsich ein neuer Stadtheil, die obere Stadt. 1153 wurde dasStift zum erstenmale durch eine Feuersbrunst verheert, derSchaden ward indessen durch milde Schenkungen bald wiederersetzt. Im Frühlinge 1212 wurde Klosterneuburg zum Schau-platz einer unerhörten Elementar-Zerstörung. Die Donautrat aus ihren Ufern und überschwemmte mit beispielloserWuth die ganze Gegend. Wahrscheinlich wurde damals derBisamberg von dem Kahlenberge losgerissen, denn alle Chro-niken stimmen darin überein, daß sich die Donau seitdem einneues Bett grub und Klosterneuburg von Kronneuburg trennte.Nur langsam erholte sich Klosterneuburg von diesem furcht-baren Schlage, auch blieben die kriegerischen Zeitläufe unterFriedrich dem Streitbaren und dem nachfolgenden Interregnumnicht ohne böse Einwirkung auf das Stift und die Stadt undbeide wurden oft gegenseitiger Parteiwuth zum traurigen Spiel-balle. Den 14. September 1322 wurden das Kloster und die Stadtabermals durch eine furchtbare Feuersbrunst verheert. Beson-ders wurde Ersteres so zerstört, daß man den größten Theilder Chorherrn in andere Ordenshäuser verlegen mußte, bisder Schaden nur in etwas wieder hergestellt war. In demnachfolgenden Jahre hatte das «Stift sehr durch den sich zudieser Zeit erhebenden Sectengeist zu leiden. Vorzüglich brachtedie Secte der Lollharden Unruhen und Spaltungen dahin, bissie endlich durch die Schärfe des Schwertes vertilgt wurden.1359 erhielten die Pröbste von Papst Jnnocenz VI. die Erlaub-niß sich nebst den übrigen bischöflichen Jnsignien, auch der Jnfulbedienen zu dürfen. Probst Coloman gründete 1390 die Bi-bliothek und beschenkte sie reichlich mit werthvollen Handschriften.1485 wurde Markgraf Leopold IV. von Papst Jnnocenz VIII.in die Zahl der Heiligen aufgenommen und 1506 wurde dessenLeichnam in Gegenwart des Kaisers Maximilian I. und vie-ler Großen des Reichs feierlich aus dem Grabe erhoben undzur öffentlichen Verehrung ausgestellt. Die Gebeine des neuenHeiligen wurden in einen massiv silbernen, goldverzierten