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9 (1851)
Entstehung
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den schroffen Felswänden dahin. Dem sinnigen Reisenden wirddie hier bezeichnete Ueberfahrt gewiß zu schnell gehen; schon nacheinigen Stunden hat er das obere Ende des Sees, die Ebeneerreicht, in deren östlichen Ecke Torbole, und in deren westlichenBucht das Städtchen Riva, von der hohen und steilen Felsen-wand des Illonte vro beschattet, liegt. Zwischen beiden steigtder niedere Nonto Lrion aus der Ebene empor. Der unmittel-bar vom See bespülte Hasenort Riva gewährt nur eine beschränkteAussicht, die durch die kahlen Felshöhen des Nonto kalcko fastunangenehm wird, doch zeigt uns der Künstler auf unserer Ab-bildung, daß auch dieser Oertlichkcit ihr Anziehendes abzuge-winnen war. Dem Reisenden rathen wir, den Nonto krmn zubesteigen, von dem herab er den besten Ueberblick genießen wird.

Riva, dessen Namen Einige vom Latein ripa, Ufer, An-dere vom Deutschen Reif ableiten, ist auf dieser Seite die süd-lichste Stadt von Tyrol und wird wegen seiner Anmuth dasParadies der Tyroleralpen genannt. Fast das ganze Jahrherrscht hier die lieblichste Witterung, den Winter spürt mankaum, und fällt einmal Schnee, so ist bis gegen Mittag kaummehr eine Spur davon wahrzunehmen. Die drückende Sommer-hitze wird durch die Nähe des SeeS und erfrischende Winde ge-mildert. Nur der März wird durch heftige Südstürme in derRegel der unangenehmste Monat des Jahres. Es ist übrigenseine falsche Vorstellung, wenn man glaubt, hier schon Zitronen-und Pomeranzenbäume wild auf den Feldern zu finden; diesemüssen an den Umufern des Gardasees ebenso wie überhauptauch in Oberitalien bedeckt und gegen Frost geschützt werden, in-dem sie gewöhnlich 34 Grad Wärme nöthig haben, um nichtzu verderben. Der Saftgehalt der Früchte dieser Art in derUmgegend von Riva ist außerordentlich, sie werden daher über-all hin verschickt, und Pflanzer, die jährlich gegen 100,000 ge-winnen, sind hier nicht eben selten. An sich ist das Städtchenklein, selbst beschränkt, rings aber umgeben es kleinere undgrößere Häusergruppen. Man mag zusammen etwa 680 Häusermit nahe an 5000 Einwohnern zählen. Zwei Waldbäche oft be-deutend angeschwollen, strömen an der Stadt vorüber.

Unter den sehenswerthen Gebäuden ist vor allen das SchloßRocca, südlich über der Stadt anzuführen. Es war einst mitmancherlei Alterthümern versehen, wurde aber schon 1811 in einSalzmagazin verwandelt, und diente in neuerer Zeit als Arrest-haus und Kriminalgefängniß. Auf diesem Schlosse hatten TrientsBischöfe öfters ihren Wohnsitz, nicht immer zum Vergnügen, bis-weilen um vor Gefahr und Ueberfall gesichert zu sein. ZweiKirchen des Städtchens verdienen besondere Erwähnung. DiePfarrkirche, schön gebaut und im Innern würdig ausgestattet,hatte in vorigen Zeiten sogar ihr eigenes Kapitel von Kanonikern.Die andere, außer der Stadt und zwar nordwärts gelegene, istder unbefleckten Empfängniß der Jungfrau Maria geweiht undverdankt ihre Entstehung einem wunderthätigen Madonnenbilv.Erst erhob sich nur eine kleine hölzerne Kirche zur Aufbewahrungdes Bildes, worin der Geistliche von Riva 1602 die erste Messelas. Aber schon im folgenden Jahre stellte man eine steinernedaneben, wie es der Tricnter Fürstbischof wünschte. Ein Mi-noritenkloster sollte den Schutz des Heiligthums übernehmen und

den in Masse hierher pilgernden gläubigen Seelen dienen. DasKloster wurde in den Kriegswirren des Jahres 1800 aufgehoben,als aber die österreichische Regierung wieder eintrat, stellte sie esvom Neuem her und übertrug den Minoriten, in der Seelsorgeund in der Schule der übrigen Geistlichkeit auszuhelfcn. Ver-gleichen wir die in Tyrol wirksamen Orden unter einander, sosind die 1839 neu eingeführten Jesuiten am wichtigsten, dagegendie Minoriten zu Riva, die Serviten in Innsbruck und Voldersund die Redemptoriftcn - Congregation, ebenfalls zu Innsbruck,spielen jenen gegenüber eine gar untergeordnete Rolle. Sie neh-men, wie bemerkt, am Unterricht der männlichen Jugend Theil,und zwar 2 Minoriten, 2 andere Lehrer, wozu noch ein Zeichen-lehrer kommt; zugleich gibt es hier eine lateinische Privatschule,deren zwei Lehrer die angehenden Studenten so nennt mannämlich in Tyrol alle Gymnasialschüler für die Gymnasienvon Trient und Roveredo vorbereiten. Der weibliche Unterrichtwird von 4 Lehrerinnen ertheilt. Das Getraide, das die Stadtund ihre nächste Umgebung pflanzt, liefert nicht das nöthige Be-dürfniß, dagegen bringt Seidezucht und der Oelbaum die Mittel,den Ausfall der Brodfrüchte in reichem Maas zu ersetzen. Dieumliegenden Anhöhen begünstigen ungemcin den Weinbau, auchwird ein starkes Produkt auf denselben erzielt, jedoch ist dessenAbsatz so gering, daß er kaum der Erwähnung werth erscheint.Die Viehzucht ist ebenfalls ganz unerheblich, woran übrigens derFuttermangel hauptsächlich Schuld ist. Riva hat einige Wirths-häuser, von welchen sich die Sonne, (mit einer ausnehmend schö-nen Aussicht auf den Gardasee) die zwei Thürme, der großeHirsch, sowie der Gasthof «teils bssoins empfehlen lassen, derenEinrichtung mehr noch an deutsche Wirthshäuser sich anlehnt.Will der Reisende nach der Lombardei, so findet er einigemalein der Woche Gelegenheit, des Dampfbootes sich zu bedienen.Der Deutschtyroler hört gerne von Riva reden, weil von dorthernicht allein die Zitronen und Pomeranzen ihm zugeführt werden,sondern auch die Lorbeerblätter, die er in seinen Suppen so sehrliebt, und was noch weit mehr sagen will die Oelzweigezum Palmfestc. Außer diesen Gegenständen macht Getraide ei-nen wesentlichen Handelsartikel, die vermögenden Kaufleute treibendiesen Handel fast allein und zwar mit der Lombardei; die um-liegenden und entfernteren Thäler geben dafür eine Menge Holz,das auf dem Gardasee versandt wird. Außerdem hat man inund um Riva einige Papiermühlen und Fabriken, deren Erzeug-nisse den Zwecken des täglichen Lebens dienen, allein keineswegsso vorzüglich oder so reichlich ausfallen, daß wir sie hier namhaftmachen sollten. Sonst rühmte man auch die vielen hier verfer-tigten Maultrommeln.

Daß die Römer einst in dieser Gegend gehaust haben, er-liegt keinem Zweifel; wir müßten es voraussetzen, wenn sich auchnicht besondere Denkmäler wie z. B. die Leichensteine vom I.1821 ausgefunden hätten. Die Urbewohner dieser Landstriche,etwa zur Zeit der Geburt Christi von den Römern völlig unter-jocht, gehören zu den Völkerschaften Tyrols, denen dies Geschickam frühesten zu Theil wurde, und die von der Zeit an ihrerSelbständigkeit verlustig giengen. Unter den fränkischen Königenward vermuthlich die Stadt mit ihrem Gebiet an die bischöf-