mußten; über diesem Wagestück verspätete er sich, der Morgenbrach bereits herein, und die Feinde gaben aus der FestungFeuer auf ihn. Erst dann zog er sich furchtlos zurück, als ersein Werk glücklich vollendet und jedes der Fahrzeuge dem unzu-verlässigen Element hingegeben hatte. Am meisten stand bei fol-gendem Wagniß auf dem Spiele, welches man versucht wäre,für eine bloße Sage anzusprechen, wenn nicht glaubhafte Zeugenes bestättigt hätten. Speckbacher schlich sich, unter dem ange-nommenen Namen Joseph Hart, mit Hülfe eines mit ihm ein-verstandenen und von gleicher Vaterlandsliebe beseelten Land-mannes, einst in die Stadt, verkleidete sich, verschnitt sich denBart und kam so glücklich in die Festung, wo er sich von demMangel an Lebensmitteln leicht überzeugen konnte. Er hättevielleicht den Kommandant selbst entführt, wenn ihn nicht einvoreiliger Lärm genöthigt hätte, schnell zu den Seinen zurückzu-kehren. DieS war am 24. Juli, so lange er sich für einen mitden Kaiserlichen und Speckbachcr unzufriedenen Ueberläufer aus-gab, erkannte ihn Niemand. Der deutsche Dichter (Rückcrt)rühmt diese kühne That in den Versen:
Der Speckbachcr, der Speckbacher!
Als er vor Kufstein lag,
Meng er auf Kundschaft selbst zur Stadt,
Zu seh'n, ob sie noch Borrath hat,
Und sich noch halten mag.
Und als aus thn Verdacht gefaßtDer Festung Kommandant,
Ließ er ihn hin in's Zimmer steh'n.
Von Leute» ihn beim Licht beseh'n,
Die ihn sonst wohl gekannt.
Da sah der Held so muthig d'rein,
So seltsam ganz und gar,
Daß er von keinem ward erkannnt,
Und ihn entließ der KommandantHinaus zu seiner Schaar.
Wenn nicht der Waffenstillstand von Znaym die Feinde unterLefebre und Wrede wieder zurückgeführt hätte, würde die Festeendlich doch gefallen sein. Esquille gab nachher die Blokade auf.Die Schlacht am Jselberg — 13. August — befreite sie nicht,die nachherigen Ereignisse nahmen eine solche Wendung, daß dieEinnahme von Kufstein unmöglich wurde. — Die Festung wirdregelmäßig von österreichischer Besahung bezogen, Festungskom-mandant ist, ein Oberst auch liegt ein Platzoberlieutenant, Kap-lan und Oberarzt der Garnison daselbst. Die Mannschaft wohntmeistentheils im Städtchen. — Die Festung hat bombenfesteKasematten und eine starke Kette zur Sperrung des Jnnflusses.
N t v a.
->Wu den reizendsten Gegenden Tyrols gehören die amGardasee gelegenen Städtchen. Der Reisende versäume ja nicht,die Hafenorte Lazice und besonders Riva zu besuchen. Ueberalltritt hier hier die südliche Vegetation, durch den Oelbaum ver-treten, mächtig hervor, ernste dunkle Cypressen, dort und hier inmalerischen Gruppen stehend, geben dem Auge einen wohlthä-tigen Ruhcpunkt und führen den Sinn unwillkührlich aus denErnst des Lebens zurück. Kurz vor Lazice, das mit seinenThürmen und Mauern aus dem Mittelalter wie eine kleineFestung sich darstellt, überschaut man einen Theil des Seespic-gels, der hier seine größte Breite erreicht und sich beinahe 5Stunden hindehnt; daher kann man die am jenseitigen, wennschon niederen Ufer liegenden Ortschaften, auch bei vorzüglichgünstiger Beleuchtung nur schwach erkennen. Hier muß maneinsteigen, wenn man mit dem Dämpfer nach Riva will. Wemes darum zu thun ist, die südliche Seite des Sees mehr in derNähe zu sehen, der muß in Desenzano an Borv gehen, dannumschifft er auch die reizende Halbinsel Sermione mit denRuinen der Grotte des Catull. Eine herrliche Seepartie ge-währt die Fahrt über den Gardasee, von Lazice nach Riva.Ueberwältigend ist der Eindruck, wenn man unter den munterenGesängen der braunen Schiffer aus dem, alle Aussicht verdecken-den Hafen in die blauen Fluten des Sees hineinzieht und nunwie mit einem Zauberschlag das schönste Panorama vor Augenhat. Der Schmelz der Farbenmischung auf den vor uns liegen-
den Ufern mit den hohen Berggipfeln, die riesigen Felswändemit den dazwischen eingeschnittenen tiefen Thälern, die Azur-bläue des Sees, in welcher sich diese großartigen Umgebungen —gleich einer Welt in einem ruhigen Menschenherzen — abspiegeln,die Stille des Sees, nur vorübergehend durch die brausendenRäder des Dämpfers gestört, deren aufgeregter weißlicher Streifbald wieder schwindet: — und über alle dem der Zauber dessüdlichen Himmels, dessen Pracht dem Ganzen ein sonntäglichesGewand anlegt — dies Alles läßt sich eigentlich nur empfinden,man muß selbst genießen, jede Schilderung ist matt und siehtdoch wie übertrieben aus. Es ist ein Anblick für glücklicheMenschen. Wir wollen einige Ruhcpunkte, die seine Ufer demAuge darbieten, näher bezeichnen. An der Südseite die genannteHalbinsel Sermione, mehr nach dem westlichen Ufer das Felsen-eiland Isois üi Usräa; in der Richtung nach Salo die hohenFelsmassen der Alpen, die hohe Spitze des Monte lo Spins —überall treffliche Punkte für den Maler! — gegen Norden diezackigen Gipfel der Brescianer Gebirge und der breite Rückendes Monte ksläo. Der obere Theil des Sees dagegen wirdvon hohen steilen Gebirgsmassen umschlossen, deren baumlosekahle Wände jäh gegen den Wasserspiegel abfallen; am äußer-sten Rande der Ufer sieht man zwar zahlreiche Ortschaften aus-gebreitet, aber die schmucklosen Olivenwälder, die darüber hin-liegen, zeigen nur ein fahles Colorit. Der letzte schmalste Theildes Sees ist ohne Reiz, nicht einmal ein Fußpfad zieht sich an