schöne Knaben in weißen Kleidern herunter zum Kaiser und ließum Gnade sür seine Leute bitten. Der Kaiser wieß sie knirschendzurück und befahl, Alle zu enthaupten. Pienzenauer, ein aus-gezeichnet schöner, tapferer Ritter, erst 36 Jahre alt ergab sichin sein Schicksal. Nur bat er, bevor ihn das Schwert desHenkers traf, um einen Becher guten Weins.
„Mein Fürst, nicht will ich betteln um meinen nicht'gen Leib,Längst modern meine Schätze, mein Vater, Kind und Weib,
Mein Kleid und Herz sie deuten mir Beid' in's Grab hinein;Um Eins nur wollt' ich bitten um einen Becher Wein "
So sprach der Pienzenauer. Nicht bebte seine Hand,
Nicht bleichte sich sein Antlitz, als er vor Maren stand,
Gleich einem eyrnen Kreuzbild auf einem Marmorsarg,
So traurig und so düster, doch auch so fest und stark.
„Auf Euer Heil, mein König! — O daß ihr's tief erwägtet,Wie viel es heißt, wenn Jener, deß Haupt zum Block ihr legtet,Aus voller Lust des Herzens noch zecht auf Euer Heil!" —Er sprach's und beugte nieder sein Haupt dem rothen Beil.
So besingt der deutsche Dichter — A. Grün — diesen gräß-lichen Auftritt. Mar, der sich durch seinen Eid gebunden glaubte,verläugnetc sein sonst so großes Herz hier eine Zeitlang ganz.Denn nicht der Pienzenauer allein, noch zehen seiner tapferstenGenossen, eines besseren Schicksals werth, bluteten unter demHenkersbeil. Herzog Erich von Braunschweig vermochte diesnicht länger mitanzusehen; er trat unerschrocken und auf dieGefahr hin, mit einer Ohrfeige beschimpft zu werden, vor denkaiserlichen Würger und bat um Gnade für den noch größerenRest der gefangenen Besatzung. Sanft klopfte ihm Mar, dergleichsam nun erst zu sich kam, auf die Wange, jenes übereiltenSchwurs sich schämend, und schenkte den Uebrigen Leben undFreiheit. Dies trug sich jenseits des Jnns, im Gebiete derGemeinde Zell und Thierberg, zu. Das Volk, tief erschüttertund bewegt, begrub die Leichname Pienzenauers und seiner treuenZehen, und erbaute nachher die noch bis heute stehende Kapellezu den Ainlifen, (Elfen, denn im Altdeutschen heißt -nulltcilf, soviel betrug die Zahl der Enthaupteten) ein schmachvollesDenkmal aus dem Leben eines sonst trefflichen Kaisers. Marbehielt nun die Feste. Ihre ganze Lage, so frei im Thal undgleichsam ein Schutz sür die hinter ihr liegende Stadt gegen dieUeberschwemmungen des Jnnflusses, gefiel ihm, er wollte dieFeste noch fester machen. So baute er denn den Schloßthurmgegen die Zellerburg, am linken Jnnufer eine Schanze, von woaus sie am vortheilhaftesten beschossen werden konnte, im Schlosseselbst aber ließ er mit großem Kostenaufwand eine Zisterne indie Felsen hauen, um zur Zeit der Belagerung nicht durchWassermangel geängstet zu werden.
Im Jahr (703 traf sie ein schweres Mißgeschick. DerKurfürst von Bayern brach im Juni mit einem Heerbaufen von12,060 Mann — verstärkt durch 2500 Franzosen — in Tyrolein und belagerte sogleich Kufstein. Der damalige Komman-dant der Stadt Gras Peter von Wolkenstein beging einen dum-men Streich; er glaubte durch Aufopferung der Vorstadt, die erin Brand steckte, sich und die Festung retten zu können. Alleinein mittlerweile entstandener Wind schlug die Lohe gegen dieeigentliche Stadt zurück, welche rettungslos in Asche sinken
mußte — und die Flammen prasselten nun so gewaltig him-melan, daß die über der Stadt liegende Feste gleichfalls Feuerfing und ein Pulvermagazin in die Luft flog. So war Wolken-stein, was er schwerlich bedacht hatte, mit Einmal von derFestung abgeschnitten, und mußte mit seinen nur 200 Manndas Feld räumen. Auch der Kommandant der Festung, wiemuthig er anfangs gewesen war, scheint in der allgemeinen Ver-wirrung den Kopf verloren zu haben; er ließ die geborstenenMauern schlecht verwahren, und die Bayern drangen ein, umder Festung Herr zu werden. Aber noch im nämlichen Jahrenahmen sie die Kaiserlichen ihnen wieder ab.
Das verhängnißvolle Jakr 1809 und der Tyrolcr Aufstandsollten Kufstein seinen größten Glanz verleihen. Anfangs zwarhatte sich eine bayerische Besatzung hineingeworfen; und so bliebsie, nachdem die Bayern zum Erstenmal das Land hatten räumenmüssen, ein Stützpunkt, welchen sie um keinen Preis aufgebenzu wollen schienen. Die Tyroler belagerten sie aber sogleich,indessen nicht stark genug an Zahl, auch ohne grobes Geschütz.Nach der unglücklichen Schlacht bei Regensburg war ein Heer,aus Bayern und Franzosen zusammengesetzt, wieder in Tyroleingerückt, und jetzt gelang es, daß Deroi im Mai die Festungentsetzen konnte. Zum Zweitenmal nach der Schlacht am Jscl-berg aus Tyrol vertrieben, behielten die Bayern nach wie vordiese so wichtige Feste in ihrer Gewalt. Da rückte sogleich Grafd' Esguille mit 300 Mann, und Joseph Speckbacher — derberühmte Anführer des Tyroler Landvolkes in diesem Kriege —nebst 1000 Schützen vor Kufstein. In der Nacht vom 27. Junierrichteten diese eine Batterie, wobei Speckbachcr die Arbeiterdeckte und muthig genug war, eine neben ihm niederschlagendeHaubitzgranate mit seinem Hute auszudrücken, ehe sie noch sichentladen konnte. Indeß hoffte man von Tag zu Tag vergeblichauf die Ankunft des schweren Geschützes, das von Innsbruckaus eintreffen sollte. Es kam nicht und die Bayern nutzten dieZwischenzeit so gut, daß sie die Feste vorläufig mit Lcbcnsmittelnzur Genüge versahen. Im Aerger zog Speckbacher nach demThierberg, den sie mit ihren Fuhren passirten, wo er alle Wegeganz unbrauchbar zu machen wußte. Den folgenden Tag wollteer noch mehr ausrichten; er überfiel also die Mühlen an denbeiden Bächen nahe der Stadt, nahm hier sür seine Tyroler300 Metzen Korn weg und machte die Mühlwcrke ebenfalls un-brauchbar. Einige Weiber aus Kufstein halten sich gegen glän-zende Versprechungen von Seiten der Feinde dazu verstanden,in seinem Lager auszukundschaften. Zwei derselben ließ er denschönsten Ehrenschmuck des Weibes, die Haare, abschneiden undließ sie so wieder entlaufen; seitdem wagte sich keine mehr inseine Nähe. Am 1. Juli steckte er das Städtchen in Brand,bei welcher Gelegenheit 27 Häuser ein Raub der Flammen wur-den. Wie wenig ihm sein Leben galt, wenn er dem verhaßtenFeind schaden konnte, zeigte er außer den genannten Fällen nocheinmal vor, einmal sogar auf Kufstein. Am Ufer des Jnnlagen eilf Schiffe mit Kriegsbedarf und Lebensmitteln fest, unterdem Schutze der Kanonen der Festung. Speckbachcr wartete einestockfinstere Nacht — 16. Juli — ab, wagte sich heran undmachte sie flott, so daß sie von den Wellen fortgetrieben werden