Wandel regen sich; die Reisenden kommen bei Nacht und Tag;das fabrikfleißige St. Gallen ist in wenigen Stunden erreicht.In Lindau sieht es stiller aus; die Straßen sind reinlich und
wie ausgekehrt; es ist das letzte Gränzstädtchcn eines kleinenStaates; der Hasen war leer, und ich glaube nicht, daß manihn wohl jemals anders zu sehen bekommen kann."
N u k s
Ä5on Bayern her führen drei große Eingangsthore in dasLand Tyrol, nämlich die Straße über Füßen und den Ehren-berger Paß, und den Paß Fem, dann die Straße durch dieScharnitz, auf welcher man über Partenkirchen oder über Wal-chensec gelangen kann, endlich über Tegernsee und durch denPaß Achen. Das vierte Thor führt über Kufstein durch dieOeffnung des Jnnthals, indem wir der breiten Thalebene desFlusses folgen. Die Stadt selbst, am Jnn gelegen, ist zwarnicht groß, aber freundlich und hat wohlgepflastcrte Gassen. Eineschöne Brücke führt über den Fluß nach dem gegenüber liegendenZell, dem Hauptort des von Hochgebirgen eingeschlossenen Ziller-thals. Kufstein zählt ungefähr 170 Häuser und mit Einschlußder hier cingepsarrten Dörfer, deren weitestes St. abliegt, an1400 kathol. Einwohner; auf die Stadt und Vorstadt selbst mö-gen davon 1200 kommen. Gleich den übrigen kleineren Land-städten in Tyrol treiben auch hier die Bewohner Acker- undWiesenbau; vier Bierbrauereien erinnern uns, daß wir nichtfern von der Bayerischen Gränze sind. Kufstein hat ein Land-gericht mit dem Amtssitz in der Stadt, zugleich für dieselbe unddas Landgericht im ganzen Bezirk, ein geistliches Dekanalamt.Rauh, wie im Norvcn des Landes überhaupt, ist doch die Um-gegend der Stadt sehr romantisch. Die Berge erreichen nichtmehr die Höhe wie im Innern des Landes, sondern fallen all-gemach gegen die bayerischen Ebenen ab. Nur einige Berg-spitzen, z. B. der Hintere Kaiser (der wilde), zeigen noch nackte,schroffe Formen wie dort. Zwei kleinere Gewässer durchziehendas Gebiet der Stadt. Die Weissacher Ache kommt von S.-O.und bildet, vergrößert durch Sturzbäche, ein wildes Thal, durchwelches ein Weg nach dem Pfarrdorf Söll führt. Sie gehtoberhalb Kufstein unter dem Namen Glemmerbach in den Jnn,und an ihr sieht man einige Schmieden und Sägemühlen. Un-terhalb der Stadt fließt der Kaiserbach in den Jnn, aus dengrausen Schluchten des gleichnamigen Thals sich ergießend, wel-ches jedoch auch gute Weideplätze und Waldungen begränzt.Maler finden in diesem Thale sehr anziehende Studien wilderGebirgsnatur. Wenn auch die Umgegend von Kufstein ziemlichrauh genannt werden muß, ist sie gleichwohl nicht ungesund, hatherrliche Luft und nährt ein zufriedenes und im Durchschnittwohlhabendes Völkchen. Unfern der Stadt erblicken wir einesonstige Einsiedelei, das Lorettokirchlein, gehen über den Kaiser-bach und gelangen in die schöne Ebene des Pfarrdorfs Ebbs,welches etwa 1°/, St. von Kufstein entlegen ist. Von hier istein romantischer Ausflug nach dem, noch V» St. entfernterenBuchberg, über welchem sich der „Hintere Kaiser" in den son-
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derbarstcn Formen starr emporhebt. Auf seiner nördlichen Spitzezeigt man uns eine Gegend, der wilde Gamsstall, aus derenNamen wir leicht schließen, wie zahlreich hier sonst die Gemse vor-kommen mußte, die nun zu den Seltenheiten des Landes gehört.
Kufstcin wird in alten Urkunden Esoksloin genannt, welchesman mit Recht aus dem deutschen „Kaufstein" ableiten mag, alseine Niederlassung von Kaufleuten, die ihren Handel auf denFlüssen Donau und Jnn betrieben. Wann eine solche Ansiede-lung zuerst stattgefunden, darüber fehlen uns alle Nachrichten.Die bayerischen Herzoge scheinen indeß eine solche Niederlage fürWaaren und kaufmännische Geschäfte zwischen Oestreich, Bayernund Tyrol aus begreiflichen Ursachen gerne gesehen uns durchihren Schutz viel zum Aufblühen des Ortes beigetragen zu ha-ben. Erst um das I. 1503 gewinnt sie geschichtliche Bedeutung.Da nach dem Ableben des Herzogs Georg von Landshut, sichHerzog Albrecht von München und Rupert von der Pfalz umdas Erbe des Verblichenen stritten, und Jeder sein Recht auseinem an sich triftigen Grunde geltend zu machen suchte, damischte sich der ritterliche Kaiser Maximilian in den Handel undes gelang ihm, mit gewaffneter Hand der Feste Kufstein sich zubemächtigen, welche damals schon ganz bedeutend sein mußte.Arglos übergab er die Hut derselben einem jungen Bayern, Na-mens Pienzenaucr, auf dessen Eid und Treue er bauen zukönnen wähnte. Dieser warf sich jedoch eidbrüchig, vielleicht nichtallein durch Geld gewonnen, den einbrechenden Pfälzern in dieArme, und wagte sogar, die Vertheidigung der Feste zu leiten,als der Kaiser selber herbei eilte. Nach der gewöhnlichen Annahmesoll Pienzcnauer „von einem mit 30,000 Gulden belatenen Stück"getroffen und so für Pfalz gestimmt worden sein. Gegen dieseBehauptung dürsten jedoch mancherlei Zweifel erhoben werden,im Voraus der, daß ein so männlich kühner Tod, wie ihn derTapfere erlitt, durchaus nicht als Schluß eines feilen und un-rühmlichen Lebens passen will. Zwar war die Stadt bald ge-nommen, doch die Feste bot Trotz und selbst die Lieblingskartau-ncn des Kaisers, Weck auf und Purlepaus, die er vonInnsbruck kommen ließ, entschieden Anfangs nicht. Pienzenaucrließ die Mauern, nachdem 7 Stücke den ganzen Tag gespielthatten, Abends zum Spott für den Kaiser mit einem Besen ab-kehren. Mar, so erbittert wie ihn die Seinigen noch nie gesehenhatten, schwur, die ganze Besatzung müsse sterben, und wer eswagen würde, für sie um Gnade zu bitten, dem wolle er selbsteine derbe Maulschelle aufzählen. In seinem Zorn brannte erselbst die Kanonen gegen die Festung los und endlich stürzten dieMauern mit Donncrkrachen ein. Nun sandte Pienzenaucr zwei