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Statur und Menschen scheinen ganz anders geworden zusein, wenn der Reisende aus Tyrols Thälern oder von seinenHöhen herab nach dem Bodensee, dem die Bewobner seinerfreundlichen Ufer gerne den hochklingenden Namen des schwä-bischen Meeres beilegen hören, gelangt ist, wenn die Bergesich hier gleich Zwergen verlieren und die Phantasie nicht mehrzu füllen vermögen, wenn die Thäler sich enger zusammenziehen,wenn die lachenden und gewiß zum Theil übervölkerten Dorf-schaften uns aufnehmen. Der Bodensee, ohne welchen die StadtBregenz vieler Reize entbehren würde, dehnt sich an l8 Stundenin die Länge, 5 in die Breite vor uns. Seit 1824 durchfurchtder stolze und verwegene Dämpfer nach verschiedener Richtungdes Sees Fluten. Diese Wasser sind von Vögeln und Fischenreich belebt. Zwischen Bregenz und Lindau mißt seine Tiefe nur225, aber zwischen Fricdrichshafen und Ramshorn 960 Fuß, sosehr wechselt der Boden des Sees. Trotz seiner beträchtlichenAusdehnung und Tiefe fror der Bodensee in manchen Iahrenschon zu, z'. B. 1277, 1435, 1575, 1695, 1830, doch natür-lich nicht jedesmal ganz. Im I. 1575 konnten Kaufleute ihreWaaren zu Schlitten nach Lindau und Kostniz schaffen lassen,und ein verwegener Frachtfuhrmann brachte seinen sechsspännigenWagen von Fussach nach Lindau. Am 5. Februar 1695 über-zog sich der See ganz mit einer ungeheuer festen Eisrinde. Da-mals führte der Schulmeister von Altnau bei Konstanz seineJungen zum ewigen Andenken über das Eis nach Langmargen,wo der Graf von Oettingen sie Alle trefflich bewirthete. In derStadt Arbon veranstaltete man einige Tage nachher ein Frei-schützen auf dem Eise, Neugierige maßen den See, der noch imMärz befahren werden konnte. So viel mir bekannt, war erseit der geschichtlichen Erinnerung niemals so lange und so festgefroren, wie in jenem überaus kalten Winter. Damals soll sichauch jene Sage zugetragen haben, die G. Schwab in seinerköstlichen Ballade „der Reiter und der Bodcnsee" behandelt. EinReisender wollte mit seinem Pferde sich über den See setzen las-sen; er gelangte an eine glatte, leicht mit Schnee überzogeneFläche, die er erst in einigen Stunden zurücklegen konnte. Alser endlich wieder an menschliche Wohnungen kam, hörte er zuseinem Schrecken, daß er, ohne es zu wissen, über den gcfrornenSee geritten war.
Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
Er hat nur das erste Wort gehört.
Es stocket sein Herz, es sträubt sich sein Haar,
Dicht hinter ihm grinzt noch die grause Gefahr.
Es siehet sein Blick nur den gräßlichen Schlund,
Sein Geist versinkt in den schwarzen Grund.
Im Ohr ihm donnert's wie krachend Eis,
Wie die Well umrieselt ihn kalter Schweiß.
Da seufzt' er, da sinkt er vom Roß herab,
Da ward ihm am Ufer ein trocken Grab.
Die Ballade ist eine der gelungensten des Dichters, die Sageaber geht noch heute daselbst im Munde des Volkes. Nachmalsüberzog sich der See nur vom Gestade aus mit einer Eisrinde,die sich zwar in der Mitte nicht berührte, allein noch immer —z. B. am 3. Februar 1830 — sehr fest war, so daß ein keckerEisläufer es wagte, den Weg von Bregenz nach Lindau mitSchlittschuhen zu messen, wozu er — 12 Minuten brauchte.
Bregenz, in einer der anmuthigsten Gegenden von Vor-arlberg, liegt auf dem Ostgestade des Bodensees, meist am Ab-Hange eines kleinen Berges, wird von dem Kapuzinerkloster undder Pfarrkirche gekrönt und über die Stadt hebt sich der Gebhards-berg, dessen Höhe eine herrliche Aussicht bietet, die ich bei den Aus-flügen näher bezeichnen will. Unsere Ansicht ist sinnig und vor-trefflich gewählt. Klein und wie so viele Städtchen des südlichenDeutschlands regellos gebaut, besteht Bregenz aus der obern unduntern Stadt. Letztere, ven Schutz der Thore und Ringmauernras Merkzeichen uraller Bauart entbehrend, zeigt sich mehr nurals Vorstadt, dagegen hat die obere oder eigentliche Stadt kaummehr als 20 Häuser, worunter das ehemalige Rathhaus; jenemag über 300 Häuser, das Ganze über 3000 Einwohner (dieeingepfarrten Dörfer mitgerechnet gegen 4800 Seelen) zählen,welche wohlhabend und sehr gewerbfleißig sind. Man hat hierBaumwollenspinnereien, desgleichen Schifffahrt und beträchtlichenHandel. Der Kornmarkt, welcher Freitags abgehalten wird, ziehtviele Händler aus Baden, Würtemberg und Bayern hierher.Noch immer ist der Handel mit Rebensteckcn, der schon unter denGrafen von Montfort blühte, zu erwähnen. Die Bürger derStadt haben hier sowie in Hard ihre Lagerstätten und währendder Jahre 1814—1820 wurden über 16 Millionen Rebensteckenverkauft, wovon jedoch nur etwa 7 Millionen auf Bregenz, über8 Mill. dagegen auf Hard kommen. Hat man auch jetzt eineVerminderung des Absatzes zu beklagen, so finden doch noch im-mer viele Menschen dadurch Erwerb und Nahrung. Bregenz istHauptort des Bregenzer Kreises, hat ein Kreisamt, Landgericht,und andere Anstalten, die sich an solchen Orten vorfinden. DerStadtpfarrer wird nicht nur von 10 andern Priestern, sondernauch von den 8 bis 10 Mönchen des Kapuzinerklosters unter-stützt, welches auf einem reizenden Hügel liegt. Wichtig ist außerder Pfarr- und Kapuzinerkirche besonders die zum heil. Gebhardauf dem sogenannten Pfanncnberge. Er heißt auch Schloßberg,weil er einst eine Burg trug. Die Kirche daselbst ist dem heil.Gebhard geweiht, der aus dem Geschlechte der Grafen von Bre-genz entsprossen war und Bischof von Constanz ward. Er erwarbsich als Prediger und Verbreiter des Glaubens in der Umgegendgroße Verdienste. Der weibliche Unterricht in der Stadt wirdauch durch das Dominikaner-Frauenkloster Thalbach unterstützt,das in der Regel 15 Schwestern hat. — Der Wiesenbau vonBregenz wird dadurch gefördert, daß der zum Theil tiefgelegene