Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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sieht man noch schöne Denksteine und Bilder, von diesen meistausgestorbenen Familien in frommem Glauben hierher gestiftet.Von gleicher Wichtigkeit wurde es, daß Erzherzog Rudolf dieStraße durch die Stadt führte, woraus der lebhafte Handelsverkehrzwischen Italien und Deutschland den fleißigen Bewohnern diegrößten Vortheile und erstaunlichen Wohlstand brachte. Immermehr kamen die Märkte von Sterzing in Aufnahme, zumal dieWochenmärkte mit ihren Freiheiten, letztere hauptsächlich unterFriedrich mit der leeren Tasche. So konnte denn Sterzing inder Geschichte des Vaterlandes die Rolle spielen, die wir ihmwiederholt zugetheilt sehen. In bedenklichen Verhältnissen tratenhier die Tyroler Landstände zusammen, um wie aus dem Herzendes Landes ihre Angelegenheiten zu leiten, und in gefährlichenKriegen bildete gerade dieser Ort eine Vormauer gegen denFeind. Schon in der Zeit der Reformation schützte es gegenMoritz von Sachsen, der dem von ihm Hintergangenen KaiserKarl V. folgte, den er nachher bekanntlich aus Innsbruck jagte.Nicht minder l793 gegen den baicriscken Kurfürsten Emanuel;desgleichen während der Stürme der französischen Revolutiongegen den muthigen Joubert >797. Auch während des Kriegesder Begeisterung im I. 1899 ersah man, wie wichtig Sterzingist. Der Landsturm von Pusterthal hatte im April desselben Jahresdie Baiern mit Gewalt bis nach Sterzing zurückgeworfen, daversuchten diese, sich daselbst zu halten. Als dies der Sandwirthvon Passeier, Andreas Hofer, erfuhr, brach er wie ein Un-gewittcr mit seinen unermüdlichen Schützcnhaufen über den Jau-sen gegen sie los, worauf ein Theil der Baiern auf dem Ster-zinger Moos von Hofers Leuten gefangen wurde. Es war da-mals, wo Hofcr seine Schützen lehrte, durch vorgeschobene Heu-wagen gegen die Kartätschen sich zu sichern und hinter diesenWagen hervor die Kanoniere aufs Korn zu nehmen. Ganz Süd-tprol ward nach diesem Siege von den Feinden geräumt. Alleinsie kamen zum zweitenmal unter Wrcde, nachdem Napoleon beiEckmühl die Oesterreicher geschlagen jetzt wurde Sterzing derHauptort für die Vertheidiger des Landes im Süden. Nach derglorreichen Schlacht von Aspern, welche Deutschland Ehre ge-rettet zu haben schien, gewannen die Scharfschützen neuen Muth.Allerlei lügenhafte Gerüchte verbreiteten sich damals schon undnoch später, als der Sandwirth zu Sterzing aufgefordert ward,die Waffen niederzulegen; das arme Landvolk träumte vom An-rücken des Erzherzogs Johann, von einem Hülfsheer von 69,990Schweizern u. s. w. Der Sieg am Jsclberg bei Innsbruck hatteeine zweite Räumung des Landes durch die Baicrn zur Folge.Aber die schönsten Hoffnungen wurden jetzt durch den Waffenstill-stand von Znaym zerknickt. Lefebre, zur Bezwingung Tyrolsentsandt, drang in der Absicht, Briren um jeden Preis zu ge-winnen, bis nach Sterzing vor, er lagerte sich auf dem Moos.General Ruska brach aus Kärnthen herüber. Aber der Kapu-ziner Has pinger trieb ihre Kolonnen mit seinem Landsturmaus Briren und dem Pusterthal wieder nach Sterzing zurück,und als Speckbachcr und Hofer sie daselbst überfielen, mußtensie in schnellster Flucht über den Brenner Innsbruck zu gewinnensuchen. Bald darauf geschah die zweite Schlacht auf dem Jsel-

bcrg und die Baiern räumten Tyrol zum drittenmal. Nach demFalle Napoleons erhielt Sterzing wieder seinen alten Herrn undblühte von Neuem auf.

Der Bergbau wird fast nicht mehr getrieben, indeß eröffnetder starke Durchgangshandel, zumal mit Eisen und Wein be-trächtliche Erwerbsquellen für diese Stadt. Mehrere Fabrikenliefern Sensen, Sicheln, Hacken, welche in dem ganzen Landevertrieben werden. Nicht weniger blühend zeigt sich der Vieh-handel. Getraide kann bei dem rauhen Klima, welches mehr dieTriften begünstigt, nicht sattsam erzeugt werden; es muß daherbaierischcs Korn den Ausfall oder Mangel ersetzen, blos derHafer gedeiht gut und gibt für das Inland einen erheblichenHandelszweig ab. Die Gemeinde hat jetzt 5 Schulen, nämlichin der Stadt selbst eine Trivial- und Industrieschule, drei anvereauf den nahe gelegenen Dörfern. Als Hauptzug in dem Cha-rakter der Stcrzinger rübmcn Reisende die Leutseligkeit, sowieihr redliches unv gerades Wesen. Ein hiesiges Kaffeehaus dientder gesellschaftlichen Unterhaltung. Die Umgegend von Sterzinggibt Anlaß zu manchem belohnenden Ausflug. Wir haben sieschon im Eingang zu dieser Beschreibung durchstreift, holen abernoch Weniges hier nach. Südöstlich von der Stadt, links vonder Straße liegt auf einem Hügel der schon erwähnte Sprechen-stcin, eine schöne Burg. Es hatte während des Verlaufs einigerJahrhunderte verschiedene Besitzer. Aus den Fenstern des Schlos-ses genießt man nach Westen, Süden und Norden eine weiteAussicht, ganz besonders stellt sich der Ferner von Ridnaun inseiner Farbenpracht dar. Gegenüber erheben sich liebliche Hügelim Stcrzinger Moos, einer derselben trägt die Burg Reifere-st ein. Sie wurde 1465 der deutschen Ordcnskommende in Ster-zing geschenkt. Auf dem Mittclhügcl erblickt man das KirchleinSt. Zeno, das von dem Landvolk der Gegend fleißig besuchtwird. Dahinter der Ansitz Thumburg und weiterhin am Fußedes Gebirges das Dörflein Elzcnbaum im zierlichsten Wald-grün. Das Stcrzinger Moos, sonst ein See, ist jetzt Viehweide.Es liegt 2987 Pariser Fuß über dem Meeresspiegel. Seltsamist der Volksglaube, daß verblühte Jungfrauen, die keinen Manngefunden, dort nach dem Tode ihre Schmach büßen müßten.Ja noch von den lebenden Mädchen, die zu altern anfangen,heißt es spottweise: Sie gehört aufs Stcrzinger Moos! Ambesten überschaut man dies im ganzen Lande berühmte Moosvom Schlosse Reifenstein. Will man das Panorama von Ster-zing überblicken, so steigt man von Nagelewirthshaus auf einembequemen Wege nach TuinS, einem Dörfchen. Von hier gelangtder Reisende in V2 Stunde nach Ober- und Untcrtelfes, zweizusammengehörenden Häusergruppen, welche wegen des Gottes-dienstes sich entzweiten, daher jede ein Kirchlein hat und derPriester in der Mitte, also einsam und nächtlichem Ueberfallpreisgegeben wohnen muß. Auch ein Abstecher nach Nidnaun,dessen Bauern sehr einträglichen Handel mit Hafer nach Sterzingtreiben, belohnt sich; ein riesenhaftes Eisgebirge deckt den Hinter-grund des Thals. Zu Schneeberg, wo noch einiger Bergbaustatt findet, wird jährlich am 5. August am Feste MariaSchnee eine außerordentlich besuchte Kirchweihe gefeiert.

Oesrer. Städte.

II