Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Höhen von Latzfons und Veltburns erstürmen wollte, selbst Weiberund Mädchen in weißen Mänteln gegen die Franzosen fochtenund sie zurückwerfen halfen. Von Velthurns und Latzfons ersteigtman über prächtige Alpenhöhen das Latzfvnserkreuz. Hier stehtein einsames, bloß durch Ein Haus behütetes Kirchlein zumheil. Kreuz ras fleißig von Wallfahrern und Büßern aus derganzen Umgegend besucht, und wo im Sommer wöchentlich eineMesse gelesen wird. Die größte Festlichkeit ist daselbst am 3. Mai,dem Andenken an das auf dem heil. Berg einst wieder aufge-fundene Kreuz des Erlösers geweiht. Stafler bemerkt überdiesen Tag:Alle benachbarten Gemeinden ziehen mit Fähnleinund Gesang auf die Alpen hinauf, der Priester hält in der freienGottcswelt im Angesicht des schönsten Panorama's von Bergenund Thälern seine Kreuzpredigt, und das treuherzige Lied begleitetin der engen Kapelle das Geheimniß der Messe. Ist die Höheauch bedeutend niedriger, als auf dem Schneeberg, so läuft dieseFeierlichkeit des Kreuzes doch mit Maria Schnee parallel." Wirhaben das letztere Fest, das wohl mehr den Charakter einer Kirch-weihe trägt und am 5. Aug. gefeiert wird, bei den Umgebungenvon Sterzing (vgl. dieses), wenn auch nur mit Einem Worteerwähnt; man kann übrigens die Vermuthung nicht zurückweisen,als ob diese und ähnliche Feierlichkeiten, zumal iu den Gebirgs-gegenden, aus alten heidnischen Festen entstanden seien, die manbei der Einführung des Christenthums mit weiser Vorsicht schonte,um den Ucbergang nicht zu grell zu machen. Ist es ja doch vonHauptsesten der christlichen Kirche z. B. Weihnachten, demalten Geburtsscste der Sonne erwiesen, und läßt sich ja selbstdie Gewohnheit, am Himmelfahrtstage die benachbarten Berg-

A t e r

as alte Vipitenm», die urb« 8tiraeiorum, (woher viel-leicht der gegenwärtige Namen am Leichtesten abzuleiten wäre),liegt mehr als 3000 Fuß über dem Meeresspiegel, und hat ausdiesem Grunde, zugleich aber wegen der Nähe der ewigen Eis-und Schneeseldcr, die ihren kalten Hauch ganz besonders durchdas Ridnauner Thal in die Ebene hinabsenden, ein sehr rauhesKlima. Zudem befindet man sich hier in der Nähe der großenMittel-europäischen Wetterscheide, die auf dem Ccntral-Gebirgsstockder Oetzthaler Ferner-Gruppe und der hohen Taurenkette liegt,ein Grund mehr, um plötzlichen Wechsel der Witterung ganznatürlich und gewöhnlich zu finden. Hat das Oberauer Thalnoch hier und da den Nußbaum, hier fehlt er durchaus; nur dieBergkirsche gedeiht neben schönen Ulmen und Eschen. Von Ster-zing aus führt ein Saumpfad über den Jausen nach St. Leon-hard ins Passeier, und zugleich auch auf dem kürzesten Weg nach

höhen zu ersteigen, schwerlich nur allein auf das christliche Festder Himmelfahrt zurückführen!

Die Umgegend von Stadt Klausen und Kloster Seben bietetsonst noch zu reizenden Ausflügen Anlaß. Bis Sarnthein sindes 8 Stunden. Um aus dem Eisackthale in das Gredncrthalzu gelangen, kann man von Klausen den Weg über das schöneund wohlhabende Dorf Laven nehmen. Man besucht aber diesesThal wegen eines besonderen Industriezweiges. Der größte Theilseiner Bewohner nährt sich von Schnitzarbeiten. Noch jetzt, ob-gleich diese Erwerbsquelle spärlicher fließt, gehen jährlich über1500 Centner solcher Holzwaaren im übrigen Deutschlandpflegt man sie kurzwegNürnberger" zu nennen, in das Aus-land. Sie bedienen sich dazu der in ihren Waldungen vorkom-menden Zirbelnußkiefer, die freilich neuerdings so selten wird, daßsie das Holz von ferne herbei holen müssen. Würde das Holzin diesem Maße seltener, dann steht den armen Gredncrn einetrübe Zukunft bevor, sie könnten sich im Falle sehen, den geringenVerdienst von 24 Kreuzern täglich zum großen Theil auf denAnkauf des Materials verwenden zu müssen. Ein fleißiger Grednerfertigt in etwa 3 Stunden eine Figur eines Thiers u. s. w.,dafür zahlt der Großhändler 6 kr. Das weibliche Geschlecht ver-dient auch Einiges durch Spitzenklöppeln, allein auch bicrzu müssensie den Zwirn von Großhändlern aus Linz beziehen, die immersolche Preise halten, daß der Gewinn des armen Landvolkes eingar geringer bleibt. Die Gredner tragen ihre Waaren auch aus-wärts und haben sich in fast allen größer» Hauptstädten Euro-pa's als Händler damit niedergelassen.

5 l 1! g.

Meran ins Etschland. Die Paßhöhe kann man von hier aus in4 Stunden erreichen, sodann steigt man in kaum 3 St. hinabnach St. Leonhard. Rechnet man wenige, sehr steil abwärtsführende Strecken ab, so läßt sich der ganze Weg auf Bergpfcrdenzurücklegen, die man sowohl in Sterzing, als in St. Leonharderhalten wird. Freilich bleibt diese Partie immerhin beschwerlichund bietet wenig Vortheil sonst, als Abkürzung des Weges. DasKreuzen der Brennerstraße mit diesem wichtigen Seitenpaß istGrund, weshalb die Gegend um Sterzing so vielfach der Schau-platz kriegerischer Vorfälle schon 1703, vorzüglich aber 1809geworden war. Von Sterzing aus folgt die Hauptstraße demEisack, sie führt mit geringen Ausnahmen sanft ansteigend, nachetwa 3 St. zur Hochebene des Brenner-Passes. Dieser obereTheil des Eisackthals, obwohl seine Ränder ziemlich nahe rücken,ist in seiner ersten Hälfte doch freundlich und reich bebaut. Auf