Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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an einen anmuthigen Hügel am Fuße des Eisackflusses; oben aufdieser Höbe bietet eine kleine Einsiedelei eine herrliche Aussichtnach den verschiedensten Richtungen hin.

Die Pfarrkirche des Städtchens hat den heil. Apostel Andreaszum Patron und gilt für die älteste Kirche des Ortes. Die Zeitihrer Gründung läßt sich nicht genau mehr ermitteln. Eine Merk-würdigkeit in derselben ist der Grabstein des tapfern Feldmarschall-Lieutenants Franz Freiherr v. Zwingenberg. Bei der Belagerungvon Ofen 1686 gefangen, schwur dieser den Islam ab und tratin kaiserl. Dienste. Er starb 1735 aus seiner Rückkckr aus Italiennach Oestreich in dem Städtchen, ohne noch ein hohes Alter er-reicht zu haben. Am Eingang de> Stadt von Briren her stehteine kleine Kirche, die Spitalkirche; sie war früherhin auf einerganz anderen Stelle, mußte aber wegen Ucberschwemmungen desEisacks verlegt werden.

Unsere Ausflüge von Klausen in die Umgegend führen unszuerst auf das Kloster Seben oder Seeben, einen der impo-santesten Punkte auf der ganzen Thalstraße. Dasselbe erhebt sichauf einem Fclsvorsprunge, der an einigen Stellen wie auchauf der Abbildung ersichtlich fast senkrecht abhangt, etwa 70VFuß über die unten hinziehende Straße hinansteigt. Hier wares, wo die Römer ihre Feste Sabiona mit einem Tempel derIsis hatten, in einer wegen ihrer Reize damals schon von Dich-ter» gefeierten Gegend. Später wurde, als das Christenthumin die Gemüther eindrang, auf die Trümmer des heidnischenTempels eine christliche Domkirche gestellt, sogar die Feste in einenBischofssitz umgeschaffen. Der Wobnort war zwar dem Himmelnäher, hatte aber für die auch der Erde nicht ganz entsagendengeistlichen Herrn der Unbequemlichkeiten mancherlei. Gegen Endedes 10. Jahrh, wanderte man daher in die Ebene hinab, dieResidenz des Bischofs wurde nach dem benachbarten Meierhofcpriokskna verlegt heute Briren, dessen Entstehung also mitder Geschichte dieses Klosters in genauestem Zusammenhange steht.Gegen Ende des 17. Jahrh, schuf man Seben in ein Benedik-tiner-Kloster um, die hier mit strengster Clausur ihr beschaulichesLeben führen. An der Kirchenmaucr, welche unmittelbar überdein steilsten Absturz der Felsenwand sich erhebt, ist ein kolossalesKruzifix genialt, das an den Tod einer Nonne erinnern soll, dieim I. 1809, von französischen Soldaten verfolgt und an ihrerKeuschheit bedroht, sich freiwillig hinabstürzte. Dies im Allge-meinen der Ueberblick. Einiges mag inzwischen näher erläutertwerden. Der Riesenfelsen, welcher das Kloster trägt, hat keinWasser, dies muß vielmehr von Norden hergeleitet werden, woer durch einen Bogengang mit einem kleinen Dorfe verbundenist. Sonst steht er nach allen Seiten hin frei. Die Aussicht vonhier ist so großartig und hat vielleicht in ganz Tyrol ihres Gleichennicht. Der Tempel der Isis mag eine zahlreiche Priestcrschaftgehabt haben, wie man dieses aus alten, uns aufbewahrten In-schriften schließen kann. In verschiedene» Zeiträumen, auch nochin neuester Zeit, wurden dort römische Münzen ausgegraben, diedeutlich Zeugniß ablegen, wie wichtig die Niederlassung für diealten Herren der Welt gewesen. Die Römerherrschaft sank inder Völkerwanderung, und nun herrschte Theodorich der Ost-gothenkönig, der Dietrich von Berne alter Sagen und Lieder,

in diesen Gegenden. Gränznachbarn stritten nachher um den Besitzder Anhöhe, bis Karl der Große seinen Szepter auch hierher er-streckte. Damals war nun schon die angeführte Veränderungvorgegangen; das Kreuz Christi hatte über die Dämonen denSieg errungen, deren Dienste nach einer alten Biographie Sebenabsonderlich ergeben war. Als der erste Eigner des SchlossesSeben kommt urkundlich um das Jahr 974 ein BischofAlbuin, also eines an die Lvngobardcn erinnernden Namens,vor. Bald nachher ist schon die bischöfliche Residenz zu Prichsena,vermuthlich nicht allein der Bequemlichkeit wegen, sondern zugleichweil mehr Sicherheit im Lande herrschte, so daß ein geistlicherOberhirt sein Leben nicht gerade durch feste Mauern eines Schlosseszu schützen brauchte. Klausen, dessen Seelsorge bis zu diesemWechsel der Dom von Seben übernommen hatte, muß noch zurZeit gar unbedeutend gewesen sein; es battc nicht einmal einebesondere Pfarre, sondern wurde dem alten Layfons zugetbeilt.Seben überließ der Bischof seinen getreuen Dienstmannen, welchesich, wie dies aller Orten in Deutschland in jenen Zeiten üblichwurde, als edles Geschlecht nach diesem Wohnsitze benanntenund einige Jahrhunderte hindurch als Erle von Seben blühten.Diese Burgherrn erbauten nachmals in der Mitte des Bergesdas Schloß Branzoll, wovon noch jetzt einige Trümmer zu sehensind. Mit Oswald Sebner starb 1465 das Geschlecht der Burg-herrn in männlicher Linie aus, er bintcrließ nur drei frommeTöchter. Die Schlösser Seben und Branzoll fielen nunmehr,wie sich von selber versteht, an Briren zurück, allein Beide solltendurch die Wuth der Flammen verzehrt werden; Seben ging 1535,durch einen Blitzstrahl entzündet, unter, Branzoll erst 1672 durchNachlässigkeit der Bewohner. Der Neubau, ohnehin mit sebrgroßen Kosten verbunden, unterblieb als zweckwidrig. Erst späterließ ein Brirener Domherr, zugleich als Pfarrer an der Spital-kirche zu Klausen, ein Kloster für Benediktinernonnen nahe an deralten Domkirche bauen. Diese frommen Schwestern zogen >685aus dem Kloster ihres Ordens zu Salzburg hierher. Die baierischeRegierung hob den Orden hier auf. Doch im Jahre des TvrolerAusstandcs 1809 stellten sich auch die Schwestern hier wieder einund blieben bis auf die gegenwärtige Zeit. Im Vorübergehenmag hier bemerkt werden, daß die weiblichen Orden durchTyrol in 19 Klöster vertheilt sind und außer den Benediktiner-schwestern sich auch Ursulincrinnen, Tertiarierinnen, englischeFräulein, Dominikanerinnen, barmherzige Schwestern u. dgl. finden,zusammen vielleicht noch über 300 Klosterfrauen und an 150 demKloster dienende Schwestern. Der Klosterbau zu Seben bestehteigentlich aus drei, über einander gelegenen Kirchen, in welchenvielerlei Alterthümer und auch einige Kostbarkeiten aufbewahrtwerden. Daß die kleine Gemeinde Pradell das Kloster mitWasser versorgen muß, ist schon erwähnt. Eine Ruine bei demDörfchen war einst Sitz eines adelichen Geschlechts, aus dcm dieGrafen von Wolkenstein hervorgegangen sind. Eine Stunde höherim Gebirge liegt Latzfons, zur Verbindung von Seben mitSarathal gegründet, es gilt als die älteste Pfarrgemeinde derGegend. Mutk und Tapferkeit ist dcm Volke dieser Höhenund Thäler so eingeboren, daß als im I. 1797 der französischeGeneral Joubert, um seine Stellung bei Briren zu decken, die