hatten. Nach und nach wurden die Nonnen hier reich begabt.Als die protestantischen Stände Mährens gegen Ferdinand II.ausstanden, mußten die Nonnen flüchten und Jede erhielt täglich5 kr. Nach der Schlacht am weißen Berge kehrten sie in ihrenBesitz zurück, aber 1023 und 1630 brannte ihr Kloster ab. DieAufhebung des Stiftes erfolgte gleichfalls 1782. In dem Stifts-gebäude, dem Franziskanerklostcr und den dazu behängen Kirchenbrachte man in letzterer Zeit eine Militär-Erziehungsanstalt, dasGymnasium und die Hauptschule unter, und behielt noch Platzfür das Thcatergebäude, einen Tanzsaal und sogar — das Straf-und Corrcctionshaus. Auch 2 Kapellen aus alter Zeit dürfennicht Übergängen werden: vie Kapelle des h. Wenzel (s. die Ab-bildung), neben der St. Niklaspfarrkirche, ist eigentlich eine kleineDoppelkirche, der untere, ältere Theil stammt vermuthlich voneiner im l2. Jahrh, zerstörten Kirche her. Die andere befindetsich im Holzraum des städtischen Brauhauses, wo der HügelZnapms seine höchste Spitze hat, bei dem Garnisonsspital, dereinstigen Burg der Landesfürsten. — Andere wichtige Bauten,zum Theil schon in dem Ucberblick der Geschichte dieser Stadtangeführt, sind: 1) das Rathhaus, in der Futtergasse. Bon seinerErbauung und dem Marmorbilde Kaiser Franz I. war schon dieRede. Der Knauf des Thurms ist 1833 erneuert. Vom Thurmhat man eine herrliche Aussicht nach der Ferne. 2) Das städtischeTheater, 1784 durch reiche Beiträge des Adels im Nonnenklostererbaut, und 1829 erneuert. 3) Das Kriminalgerichtshaus, 1830gebaut. — Andere öffentliche Gebäude, wenn auch sehenswerthund der Stadt zur Zierde gereichend, können hier füglich über-gangen werden.
Städtische Gewerbe verschiedener Art machen die Haupt-nahrungsquclle der Einwohner aus; außerdem treiben sie Handelund haben einige Fabriken, z. B. in Essig und Steingut. Letz-tere verfertigt unter Anderm ein Küchengeschirr von braunemSteingut, das man in Wien und Pesth fast noch mehr schätzt,als am Orte selbst, weswegen es auf den Märkten der genanntenHauptstädte viel Absatz hat. Auch bereiten hier einige Handels-leute den sogenannten und weithin durch Oestreich beliebtenKremser Senf, ein Product aus Most und Senfkörnern. Derklare Most von Trauben, die nur in Morgenstunden gelesen undgepreßt werden, wird in Kesseln eingekocht und mit Senfkörnernversetzt, dann in kleinen Fäßchen verschickt. Die Sendung ge-schieht hauptsächlich wach Oestreich und zwar nach Krems, daherder Name des Produkts, welches indessen auch nach Galizien,Polen, Böhmen, Bayern u. s. w. geht, und in welchem einigeKaufleute der Stadt erhebliche Geschäfte machen. Außer jenenGewerben ernähren sich viele Einwohner von Weinbau. Mankann den Ertrag der meist nach S. und S.-O. liegenden Wein-berge im Durchschnitt jährlich auf 30,000 Eimer ansetzen; derWein wird meist an auswärtige Weinhändler abgesetzt; der unterdem Namen „Zuckerhandlcr" bekannte hat gewöhnlich die meisteNachfrage; den besten davon liefert das „lange Viertel", einsüdöstl. und westl. gelegener Hügel mit muldenförmiger, gegendie rauhen Nordweste geschützter Vertiefung. Der Obstbau belohntden Fleiß reichlich. — Jahr- und Wochenmärkte werden starkbesucht; die Letztern, Samstags abgehalten, gehören zu den leb-
haftesten des Landes, und die Händler kommen dazu häufig ausBöhmen und dem Jglaucr Kreis, um Obst zu holen. Alljährlichwerden auch auf dem Holzplatze einige Millionen Weinstöcke, ge-wöhnlich an Käufer aus Oestreich, angebracht. — Znaym zähltüber 14 Gast- und Wirthshäuser, die Krone, Rose, der schwarzeBär sind in der Stadt, das Kreuz in der untern, der Adler inder obern Vorstadt wohl die beliebtesten.
Die Armenpflege der Stadt hat ihre Hauptfonds aus den1785 aufgehobenen Brüderschaften und andern frommen Stif-tungen; auch gibt die Bürgerschaft einen höchst bedeutenden Zu-schuß. Das Bürgerspital ist mit einem Krankenhaus verbundenund hat eine eigene Kirche und besondere Seclsorge.
Bei der freundlichen Lage und zum Theil reizenden Um-gebung der Stadt fehlt es nicht an Orten, zur öffentlichen Be-lustigung geeignet, wovon einige bezeichnet werden sollen. DasTheater in der Stadt hat freilich keine stehende Schauspielcr-gesellschaft, was sich bei einer Einwohnerzahl, wie sie Znavmhat, kaum anders erwarten läßt, doch wird es von Bewohnernder höhern Kreise fleißig besucht. Beliebt sind die Schießstätte,sowie die anmuthigen, durch Gebüsch und Baumgruppen ver-schönerten Anlagen an der Nordseite der Stadt; der Karoli-nenberg, nach der Mutter des vorigen Kaisers genannt, befindetsich an der Südseite der Stadt, zunächst unter dem Pfarrhofevon St. Nikolaus. Außer schönen Spaziergängcn und Ruheplätzenbietet er besonders malerische Fernsichten in die Thäler der Taja,und in der bessern Jahreszeit gewahrt man öfters hier die schöneWelt von Znavm im Freien. Auch lieben die Znavmer das mitObst und Reben angepflanzte Lcskathal nördlich von der Stadt,und am linken Tajaufer die Partie beim Raben st ein. Pöl-te nberg ist ein Markt, '/< St. westlich von Znavm, auf einerdiese Stadt beherrschende Anhöhe gelegen, aber durch eine tiefeSchlucht, die der Granitzbach bildet, von ibr getrennt. Unfernvon hier zeigt man das „Samaritaner-Bründl", mit dem lieb-lichsten Triukwasser der ganzen Umgegend, es sprudelt im kühlenFels, eine Kapelle und eine hohe Linde finden sich dabei. DerRabenstein liegt hinter dem Wirthshause, am linken Tajaufer,es ist ein etwa 40 Klafter hoher Felsen, auf dessen Spitze einBlock, der einem riesigen Kopfe mit Barett ähnelt. Zufolge eineralten Volkssage ist es der Kopf eines furchtbaren Räubers, derdie ganze Gegend in Schrecken setzte, besonders die Stadt mitseinen Gesellen oft heimsuchte; endlich aber hier auf dem Raben-stein, das Gesicht nach Znaym, wo er seine Gräuel verübte,gekehrt, das verdiente Ende finden mußte. Vermuthlich eine Er-innerung an jene Grauenzeiten, wo der „dürre Teufel" sein Wesenin Znaym trieb. Schattiges Laubholz deckt den grellen Anblickdes Gesteins; das Auge ruht auch hier mit Wohlgefallen aufdem pittoresken Thal der Taja. Bei dem Wirthshause wird jähr-lich, am Sonntag nach Anna, ein Volksfest, der Hahnenwurf,gefeiert, welches die Znaymer sehr gern besuchen. Man stelltmitten in die Taja einen bretternen Stand, auf dem ein jungerHahn angebunden ist. Junge Leute werfen danach mit Steinen,die rund sind und vom Wirth gekauft werden. Wer den Hahntödtct, erhält einen zur Schau gestellten Ziegenbock. Ist, wiegewöhnlich, nach 3 Tagen und dem nächsten Sonntag der Hahn