Mal, 1831 und 1832, aus; das erstemal weniger verheerend,allein das zweitcmal heischte sie in nicht ganz Einem Monateden zehnten Theil der Bewohner, nämlich 513 Personen, woraufsie sich bald wieder verlor. Auch bei den Unruhen der neuestenZeit ist die Stadt nicht ganz verschont geblieben.
Die Stadt Znaym (latein. Anoüna, mährisch Annvmo ge-nannt) liegt am linken Ufer der Taja, in einer weinreichen Ge-gend , auf einem felsigen Hügel, 12 Meilen von Wien, 8 Meilenim S.-S.-W. von Briinn entfernt. Sie besteht aus der eigent-lichen Stadt, die von Mauern umringt ist und 5 Thore hat,nämlich: das obere, das Kaiser-, das untere, das Tränk- undKarolinenthor, dazu 4 Vorstädte: Ncustift, Tajadorf, obere Vor-stadt und untere Vorstadt; die Bevölkerung ist mit sehr geringenAusnahmen deutsch, die Religion derselben aber durchgehendsdie römisch-katholische. Als k. k. Kreisstadt ist Znaym Sitz einesKreisamtes, Kriminalgerichts und städtischen Magistrates, auchein Verzehrungssteuer-Commissariat, Zoll-Legstätte, Fahr- undBriefpost finden sich hier. — Unter den öffentlichen Lehranstaltender Stadt steht voran das Gymnasium, welches außer derDirektion und dem Präfccten, 1 Religionslehrcr (Geistlichen) und6 Professoren (Gymnasiallehrer) beschäftigt und in seinen Ein-richtungen im Ganzen den übrigen Lehranstalten für höhere Bil-dung im Kaiserreich gleichkommt.' Zugleich hat die Stadt einesog. Hauptschule — höhere Bürgerschule, und 2 Trivialschulen,für Knaben und Mädchen eine. Wenn auch nicht alle Gassender eigentlichen Stadt breit und gut angelegt sind, so darf mansie doch wohlgebaut nennen. Ueberall gepflastert, erhält sie durch6 Springbrunnen hinreichendes und gutes Triukwasser. Ocffent-liche Plätze sind: der „Ober-" und der „Unterring", auf letztermsteht die „Pestsäule", 1682 der Jungfrau Maria zu Ehren er-richtet. —
Unter den merkwürdigen Gebäuden steht voran: 1) Dieheil. Nikolauskirche (s. die Abbildung) als Stadtpfarr- undDekanalkirche. Schon vor 1130 stand hier eine Kapelle des h.Nikolaus, dem Patronat der Abtei Brück untergeben. Ottokar 1.erweiterte dieselbe bedeutend und ließ sie durch den Bischof vonOlmütz als Pfarrkirche einweihen. Ganz umgebaut wurde siezwischen 1338 und 1512, sowie sie jetzt noch zu sehen ist. Diegothische Arbeit an dieser Kirckc muß zum Theil als vortrefflichbezeichnet werden. Rechnet man die in den beiden angebautenKapellen befindlichen Altäre mit, so hat sie deren neun; aus-gezeichnet sind aus ihren Blättern zwei Bilder, das eine vonDaisinger 1754 gemalt, das andere aus der berühmten spanischenMalerschule des Velasquez, vielleicht eine Kopie desselben Meisters,soll von einer Kammerfrau der Gemahlin Philipps IV. von Spa-nien hergeschenkt worden sein. Die Kirche hat sehenswcrthe Grab-mäler. Der im I. 1338 begonnene Thurm, neuerdings ab-getragen, hatte 4 Glocken, eine von bedeutendem Gewichte undsehr alt. 2) Die Psarr- und Conventkirche der Dominikanerzum heil. Kreuz, befindet sich auf der Nordseite der Stadt, woman es den „Gänsehügel" heißt. Die Pfarre ward 1784 ge-stiftet und bis 1832 von einem Weltpriester versehen. Die Kirche
enthält 2 Kapellen und überhaupt 14 Altäre, deren Gemälde zumTheil nicht ohne bedeutenden Kunstwertb sind. Südlieh hängt andieser Kirche das Dominikaner-Kloster, nach einer Legende schonvor 1222 von Ottokar I. gestiftet, jedoch erst 1250 vollendet.Zweimal wurde Kirche und Kloster ein Raub des Feuers, 1400,wo das ganze Archiv mit allen Urkunden in Flammen aufging,und zwar zur Zeit, als die eifrigen Predigcrmönchc sehr vieleWallfahrer herbeigezogen und dadurch das Vermögen des Klosterssehr vermehrt hatten; zum zweitenmal brannte es 1555 bis aufeinige Mauern und Gewölbe ab, nachdem im städtischen Brau-hause ein Feuer auskam, dessen man nicht Meister zu werdenvermochte. Doch erhob das Kloster sich wieder aus dem Schütte,ward im 30jäbrigcn Kriege ein Gefängniß für 300 Kriegsge-fangene, und erst 1636 konnte ein neuer größerer Bau entworfenwerden. Unterstützungen und Geschenke von nah und fern machtenes endlich möglich, zwischen 1655 und 1666 den Bau der Kirchezu endigen, die der Olmützcr Weihbischof 1677 einweihte. Dasjetzige Kloster ward nach der Inschrift am Eingang 1728 fertig,Das Vermögen ist nicht ansehnlich. Es leben in dem Kloster7 Priester, 1 Kleriker und 2 Laienbrüder. 3) Die ehemaligeZesmtcnkirche zu St. Michael. Vermuthlich ist sie jene, schon1131 erwähnte Kirche zu Znaym. Sie hat 9 Altäre und stammtin ihrer jetzigen Gestalt aus den Jahren 1511 und 1543. Hierward während der Reformation Luthers Lehre mit Feuer ge-predigt. Die Protestanten hatten genug Mittel in Händen, nahedabei ein Gymnasium, 3 Häuser für ihre Geistlichen und einenFricdhof zu gründen. Dies Alles zog Kaiser Ferdinand nach ihrerVertreibung durch das Restitutionsedikt ein und verkaufte es einemfrommen gräflichen Paare, welches 1627 den Brüdern der Ge-sellschaft damit ein Geschenk machte, denen es zugleich ein Kolleggestiftet hatte. Die Jesuiten bauten ein Gymnasium, allein biszur Aufhebung des Ordens kam ihre Zahl, die Laienbrüder miteingeschlossen, nicht über 32. 4) Die Kirche der Kapuziner zumh. Johannes dem Täufer steht mit ihrem Kloster auf dem unternPlatz. Der Kaiser Ferdinand II. legte selbst 1628 den Grund-stein dazu, und 1632 wurde sie bereits eingeweiht. Noch imI. 1836 lebten hier 14 Klostergeistliche und 4 Laienbrüder. 5)Die Kirche zur h. Elisabeth im bürgerlichen Krankenhause ist ohneBedeutung. Die 1705 von einem Bäcker in der oberen Vorstadtgebaute St. Katharinenkirche — da wo einst das Hochgerichtstand — wurde in neuester Zeit abgetragen. — Unter sonstigenStiften und Klöstern verdienen Erwähnung: 1) Das Johanniter-Spital auf dem untern Platz, hatte eine kleine Kirche, wurdeaber unter Joseph II. der städtische Fruchtspeicher für Wochen-märkte. 2) Das Kloster der Minoriten, nahe bei der markgräf-lichen Burg, von Kaiser Wenzel gestiftet, barg 18 Jahre langdie Leiche Ottokars II., die nachher in der Stille nach Prag ge-führt ward. Die Mönche hatten in dem Hussitenkrieg viel zudulden, und 1534 ließ Ferdinand I. in das leerstehende Klosterdie Franziskaner einführen, deren Kloster in der untern Vorstadtoft Gefährlichkeiten aller Art preisgegeben war. Sie erhieltensich hier bis zur Aufhebung unter Joseph II. 1782. 3) DasNonnenstift zu St. Clara erbaute 1271 Ottokar II. in der Nähedes Minoritenklosters, so daß Beide eine gemeinschaftliche Kirche