Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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dem dermaligen Raum von Ottokar I., König von Böhmen, ge-gründeten Stadt werten konnte. Friedrich der Streitbare vonOestreich überfiel sie 1241, zur Zeit, als sie wegen des Mon-golenkricges beinahe von aller Vertheidigung entblößt war, aber-mals und verheerte die Umgegend. Ottokar II. schützte sie 1260mit Mauern, baute ein Rathhaus und erwählte sie im Kriegegegen Ungarn zum Waffenplatz. Nach neuen Drangsalen be-stätigte Kaiser Rudolf ihr alle von Ottokar und dessen Vorfahrenverwilligte Freiheiten, nahm sie für immer in den Reichsverbandund stellte sie unter seinen und des Reiches Schutz. Neue Rechtetraten in der Folgezeit hinzu. Im I. 1327, als König Johannmit den Herzogen von Oestreich, um die HauSzwiste der Letzter»auszugleichen, hier zusammen kam, ging ein Theil von Znaymin Flammen auf; der König suchte sie aber durch einen Jahr-markt und einen Wochenmarkt zu entschädigen. Durch eine Pest vermuthlich der schwarze Tod verlor die Stadt 1381beinabe zwei Drittheile der Bevölkerung, die neuen Anwohnerwurden aber auf einige Zeit von allen bürgerlichen Lasten undAbgaben befreit, auch gelangte die Stadt 1360 zur ganz unab-hängigen Strafgcrichtsbarkcit an Leib und Leben, durch ihreRichter und Schöppen, was sie in den Rang höherer und an-sehnlicher Städte erhob. Kaiser Karl IV. erlaubte ihr, in ganzBöhmen, außer der Hauptstadt Prag, und in Mähren überall ihreWeine verkaufen zu dürfen. Unter dem faulen Kaiser Wenzelbrachte der blutige Zwist der markgräflichen Brüder großes Unheilüber die Stadt, eine Feuersbrunst wüthete 1400, und die Kirche,sowie das Dominikanerkloster wurden ihr zum Raub. Bei einemStreit der Metzger und der Juden nahm Markgraf Prokop mitList die Stadt und Burg ein und machte von hier Ausfälle zumNachtheil seiner Gegner. Vergebens bestürmte sie Kaiser Sigis-mund dreimal; er wurde zurückgedrängt. Nach Prokops Todhielten sich seine Anhänger noch eine Zeitlang, überfielen raubend,sengend und mordend unter demdürren Teufel" (Ritter Hynekvon Kunstadt) die Nachbarschlösser und machten Znaym zumRaubneste, bis Markgraf Jodok eindrang, 70 mit dem Strangeund 12 mit dem Schwerte hinrichten ließ und erzwungene Ruheschaffte. Zur Erinnerung an jene Schreckenszeit heißt noch jetztein achteckiger Wartthurm in der ehemaligen Vorburg derRäu-berthurm". Trotz der Verarmung der Stadt blieben die Judenim Besitz großer Reichthümer und konnten dem Kaiser Sigismundeine namhafte Summe borge». Dessen Eidam Albrecht V. schütztedie Stadt während des Hussitenkriegs gegen den Einsall derHussiten mit kräftiger Hand; die Reinheit der katholischen Lehreerhielt sich hier unvcrriickt. Als nach Albrechts Tode während derMinderjährigkeit seines Sohnes das Faustrecht in der Umgegendgräßlich wüthete, litt der Wohlstand Znayms so wenig, daßzwischen 1445 und 1448 der hohe Rathhausthurm erbaut werdenkonnte. Zwischen Mähren und Oestreich ward 1446 hier einLandfrieden errichtet. König Ladislaw gab ihr 1453, indem erbeim Antritt seiner Regierung alle Privilegien bestätigte, dasehrenvolle Zeugniß,daß Znaym seinem Vater wie ein fester Felsin allen Stürmen und Versuchungen treu geblieben, und dieseTreue in den nachherigen beinahe täglichen Verwirrungen, Stür-men und Neckereien rühmlich bewahrt, seinen Feinden muthig

widerstanden, und durch den größten eigenen Verlust oder Unglückin der Treue gegen ihn nicht wankend geworden sei." Im I. 1454vertrieb er die übermüthigen, durch Wucher und Prellereien verhaßtenJuden, die an >60 Jahre ansässig gewesen, völlig aus der Stadt, undüberließ alle Baulichkeiten, sogar die Friedhöfe derselben der Bür-gerschaft, die ihrer Seits dafür die Entrichtung des Kammerzinsesder Juden übernahm. In den nächsten Jahrzehnden nahm derWohlstand mehr und mehr zu, neue Gerechtsame halfen ihn heben.

Luthers Lehre verbreitete sich seit 1542 in Znaym, auchWiedertäufer stellten sich ein, und ein Gebot Kaiser Ferdinand I.,die Prediger zu entfernen, zeigte sich ohne Wirkung. Ein trau-riger Zwischenfall war die Pest von 1570, die in einem halbenJahre beinahe 1300 Menschen hier allein zum Opfer nahm. Um1574 war die evangelische Lehre allgemein, der Gemeinderath mit Ausnahme des Bürgermeisters weigerte sich daher,den bis dahin üblichen Eidim Namen der Mutter Gottes Mariaund aller Heiligen" zu schwören. Ja, im I. 1596 nahm derganze Rath öffentlichzum Beispiel der Gemeinde und als Musterfür die Zukunft" am Gründonnerstage das h. Abendmal nachdem evangelischen Gebrauch unter beiderlei Gestalt. Mit Beginndes 30jährigcn Krieges besetzte Mathias Graf von Thurn dieStadt, die Niklaskirche wurde den Protestanten sofort eingeräumt,die der Dominikaner zum Gefängniß (!) umgewandelt, Priesterund Nonnen mußten fliehen. Allein das Licht leuchtete nur kurzeFrist. Nach der unseligen Schlacht am weißen Berge kehrteZnaym zum Gehorsam zurück und empfing huldvoll von KaiserFerdinand II. Verzeihung ob ihrer schweren Unthat. Wallensteinübernahm hier zum zweiten Mal den Oberbefehl über das kaiser-liche, von ihm geworbene Heer und musterte es im Februar 1632daselbst. Doch schon 1615 mußte sie sich den Schweden unterTorstenson ergeben, wurde furchtbar gepreßt und selbst h. Gefäße,z.B. einer höchst werthvollen Monstranz, beraubt. Kaum konntensie sich durch Schenkungen und Verwilligungen der Folgezeit vonihrer Schuldenlast in Etwas befreien und erholen. Friedrich II.von Preußen besetzte Znaym auch für einige Zeit und legte ihmBrandschatzungen auf. Während der Revolution zogen russischeTruppen hier durch. Neue folgten 1805, und am 17. Novemberdesselben Jahres wurden sie von den Franzosen über die Taja-brücke, die damals in Flammen aufging, zurückgeschlagen. Na-poleon zog mit seinem Heer in die Stadt und überließ den Schutzderselben bis zum Presburger Frieden 2 Generalen, worunterMarschall Massen«, welche der Stadt große Kosten verursachtenund schlimm auf Bürgerschaft und Volk einwirkten, wie diesüberall in Deutschland geschah, wo sie längern Aufenthalt nahmen.Nachdem bei Aspern die Ehre der deutschen Waffen gerettet wor-den, erschien im Juli 1809 Kaiser Franz in Znaym, aber schonam 10. dieses Monats schlugen sich Franzosen und Oestreichervor dem Stadtthore in einem bis zum Abend des 11. dauerndenGefechte. Tags darauf besetzten die Franzosen, wieder unterMassen« und andern Generalen, die Stadt; am 14. folgte derWaffenstillstand von Znaym", der dem Wiener Frieden voran-ging. Zur Belohnung ihrer treuen Anhänglichkeit beschenkte KaiserFranz die Stadt mit seinem Brustbild aus karrarischem Marmor,welches im Rathssaale aufgestellt wurde. Die Cholera brach zwei