Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Theresens Hütte, Aloisiens Stille, Batthyany'S Ermunterung, I!Eleonorens Eiusamkeit, Marianens Freude, Staudenheimers !Uebersicht, Sterzersbuche, Wirers Hain, Antonicnssitz, Arthurs- !dank und noch eine unendliche Menge ähnlicher Sitze, Bänkeund Ruhen, deren Beinamen mit der Zeit hoffentlich und zubesserem Genusse und reinerer Freude des wahren Naturfreun-des wieder verschwinden werden, wie sie gekommen sind. An-genehm ist Schmalmauers Garten, der eine herrliche Aussichtauf den Dachstein gewährt und von den Badegästen sehr be- !sucht wird. Auch ist der sogenannte Kaiser Franzens Alpen-bcrg, ein im Markte selbst aus Steinen in Foriu eines b" zu-sammengefügter und mit Alpinen des Kammergutes bepflanzterHügel für Botaniker nicht uninteressant. Unter den Gebäudenin und um Jschl zeichnen sich außer den schon genannten Ae- ^rarialgebäuden aus: Das Colowrat-Sudhaus, das TyrolcrPfannhaus und Dampfbadhaus, vorzüglich aber das Schloßdes Grafen von Sickingen, die Villa der Gräsin Wobna, dasneue Badehaus, das Casino, das Schloß des Grafen Kolowratu. a. m. Zu den öffentlichen Vergnügungsorten gehören auch ;noch: Die Sophien-Esplanade, der Wirerspark und der Ru- jdolphsgarten mit dem Denkmale des Erzherzogs Rudolph,Cardinal und Erzbischof von Olmütz. Auch ist schließlich dieJschler Pfarrkirche sehenswerth, welche ursprünglich im l l.oder 12. Jahrhundert erbaut wurde und schon unter Ru-dolph von Habsburg vorkommt. 1769 wurde sie auf Befehlund Kosten der Kaiserin Maria Theresia wegen ihres unzu-reichenden Raumes für die Gemeinde bis auf den alterthüm- ^lichen spitzen Thurm abgetragen und neu erbaut. Eine Feuers- >brunst legte l777 den ganzen Markt in Asche und beschädigte !auch die Kirche so, daß sie erst 178t) wieder für den Gottes-dienst eröffnet werden konnte.

Da sich eine Stunde von Jschl der bei 3999 Fuß hoheSalzberg befindet, welcher 1562 entdeckt und seitdem ununter-brochen bebaut wurde, so ist es wohl hier am Orte, auch vonder Gewinnung und Bereitung des Salzes zu sprechen. DasSalz kommt hier mit großen Masse» von Thon verbunden,von Osten gegen Westen streichend, als sogenanntes Haselge-birge auf Orlith und Liaskalk vor, welch' letzterer sehr inter-essante Versteinerungen enthält. Die Gewinnung des Salzeswird in dieser Saline mittelst Sudwerken betrieben, weil dasSalz hier, wie gesagt, nicht in reinen Stöcken, sondern mitThon und Gyps gemengt, vorkommt. Deshalb werden in demsalzhaltigen Gesteine, dessen Aufdeckung mittelst des Stollen-baues bewerkstelligt wird, viereckige Kammern oder Wehrenausgehaucn, in dieselben süßes oder Tagewasscr geleitet, wel-ches die Salztheile auflöst und, wenn es mit denselben gesät-tigt ist, in hölzernen Röhren als Soole abgeleitet wird, wäh-rend die unauflösbaren Theile in der Wehre als sogenannterLasst zu Boden sinken. Die Einführung der süßen Tage-wässer in die Wehren oder Salzkammern wird so lange fort-gesetzt, als das Gestein derselben noch hinreichenden Salzge-balt zur Neutralisirung enthält. Hierdurch werden diese Weh-ren dergestalt ausgespühlt, daß sie durch Stützungen vor demEinstürze gesichert werde» müssen. Ist eine Wehre gänzlichausgesaugt, so wird sie aufgelassen.

Die Soole wird den Sudhäusern in Jschl und Ebenseedurch die Soolenleitung zugeführt. Diese besteht aus drei La-gern von Röhren aus Lärchenholz, welche einige Schuhe tiefmit Erde und Nasen bedeckt und dadurch vor allen Tempera-tur-Einflüssen geschützt sind. In der Entfernung von se einerhalben Stunde gehen diese Röhren durch ein Häuschen t Salz-stube), wo die Soole in Behältnisse fließt und wieder abge-lassen wird. Hierdurch wird der ununterbrochene Lauf derSoole überwacht, indem jede in der Leitung durch Schadhaf-tigkeit der Röhren oder sonst durch ein Hinderniß eintretende

Hemmung hier aus der Mächtigkeit des Soolenstrahles sogleichentdeckt werden muß.

Die Befahrung des Salzberges und die Illumination dergroßen Wehre, wozu man der Bewilligung des k. k. Salinen-Verwaltungsamts in Jschl bedarf, ist sehr interessant. Ge-wöhnlich findet sich hierzu eine Gesellschaft von mehreren Per-sonen zusammen, weil die gedachte Beleuchtung während derBadezeit jede Woche einmal geschieht und dies den Badegästenmitgetheilt wird. Doch kann sich auch jeder Einzelne diesesVergnügen für einen angemessenen Preis verschaffen. Mitdem Ausfluge auf den Salzbcrg lassen sich noch andere in wei-tere Gebirgs-Parthien verbinden, so z. B. auf das todte Ge-birge, nach der Zicmitz, der eine ganze Bcrggruppe begreift,in das Ketncrgcbirgc :c. Endlich erübrigt noch, von demdritten interessantesten Punkte des Salzkammergutes, von Hall-stadt, zu sprechen.

Der Markt Hallstadt, gewöhnlich die Hallstadt ge-nannt, an dem See gleiches Namens, hat über 1199 Einwoh-ner und bietet durch seine Bauart einen ganz eigenthümlichenAnblick dar. Der Hallstädter See ist, mit alleiniger Aus-nahme der nordwestlichen Oeffnung gegen die Ortschaft Stehzu, ringsum dergestalt von Gebirgen, welche fast sämmtlich beiund über 6999 Fuß hoch sind, eingeschlossen, daß die Bewoh-ner von Hallstadt von der Mitte des Monats November biszum Monate Februar, jene der nahen Ortschaft Lahn aber vomOctober bis März, die Sonne nicht zu Gesichte bekommen.

Nordöstlich und östlich umschließt den See der hohe Soor-stein mit seinen Ausläufern; der Goubberg, östlich der Blassen-stein und der Gosauhals. Am südlichen Ufer thürmen sich dieVorberge des Dachsteins auf, deren Spitzen, der Speickberg,Dräumelkogl, Krippcustein, Eilfterkogl, Zwölfterkogl und Hier«lats, vom See aus sichtbar sind. Der letztere aber verdeckt dieAnsicht des Dachsteins. Hallstadt ist am Fuße des salz-berges amphitheatralisch und zwar dergestalt erbaut, daß manaus dem Eingange der höher gelegenen Hänser auf die Be-dachung der tiefcrliegenden tritt, weshalb auch die meistenHäuser nebst dem gewöhnlichen Eingange noch einen an derentgegengesetzten Seite des Daches haben. Auf diese Art sen-ken sich die Gebäude des Marktes bis unmittelbar an dasUfer des Sees herab, wo sie zum Theil auf Faschinen er-baut sind. Unter den Gebäuden des Markts ist die Pfarrkirchesehcnswiudig, welche schon 1329 von dem Passauer Weih-bischofe Hermann eingeweiht wurde und einen sehr schönenFlügelaltar mit altdeutscher Malerei und gothischem Schnitz-werke enthält. Ein noch viel älteres Gebäude ist die St. Mi-chaclskapelle, welche wahrscheinlich schon im 11. Jahrh, erbautwurde Einen schönen Anblick gewährt durch seine neuereBauart die Wohnung des Pastors, da sich hier eine prote-stantische Gemeinde befindet. Mitten im Markte erblickt maneinen Wasserfall, welcher von dem Mühlbache gebildet wird.Der Salzberg von Hallstadt ist der älteste im Kammerguteund für Mineralogen und Geologen besonders interessant.Das Steinsalz kommt hier theils wie in Jschl als Haselgebirg,zum Theil aber schon in größereu Flözen vor und wird danndurch Hauen und Sprenge» gewönne». Fleisch- und ziegcl-rothe, dann lilafarbene Varietäten, besonders schön mit fase-rigem Gefüge sind häufig, seltener lichtgrüne, noch seltenerblaue. Der hier als Hauptmasse vorkommende dichte, verschie-den und oft sehr schön gefärbte Kalkstein enthält viele, zumTheil interessante Versteinerungen. Die Besteigung sowohl,als Befahrung des Hallstädter Salzberges ist mit größerenUnbequemlichkeiten verbunden, als jene des Jschler. Die hierbefindlichen Wehren aber sind sehr groß und es werden jähr-lich an zwei Millionen Eimer Soole erzeugt, wovon etwa499,999 Eimer in dem Hallstädter Pfannhause versotten, der