Das it. k. Kalzkammergut
in Ober öfter reich mit besonderer Hinsicht auf den berühmten Badeort
Kschl. Gmunden Mallstadt.
<^as Salzkammergut, seiner schönen und reizenden Ge-genden wegen auch die österreichische Schweiz genannt undzwar mit ungleich besserem Rechte als jener Landstrich, demlängst der Name und Ruhm der sächsischen Schweiz sine «>»enbeigelegt wurde, gränzt gegen Osten und Süden an Stcpcr-mark, gegen Westen an Salzburg und gegen Norden an denHausrückkreis Oberöstcrrcichs.
Es bildet tue südwestliche Ecke des Traunkreises, liegt inder östlichen Länge von 31° 8" bis 31° 30^ und i» der nörd-lichen Breite von 47° 24> bis 47" 51^ und hat bei einemFlächeninhalt von IN/, Quadratmeilen eine Bevölkerung vonmehr als 17009 Seelen, welche mit Rücksicht auf die Beschaf-fenheit des Landes eine sehr große genannt werden kann.Eigentlich besteht das Salzkammergut nur aus den drei Di-strikten von Ischl, Ebensee und Hallstadt, doch wird gewöhnlichdie Stadt Gmunden mit dem Pfleggerichte Ort unter der un-eigentlichen Benennung des äußeren Kaminergutes dazu ge-rechnet. Seinen Namen hat es von den in jenen Bergen be-findlichen reichen Salzmincn, welche einen großen Theil derMonarchie mit Salz versehen und dessen Erzeugung und Ver-sendung den Hauptnahrungszweig der Bevölkerung ausmacht.Das Ländchen durchströmt von Südwest nach Nordost die Trau»,welche in Stepcrmark entspringt, und sich, nachdem sie eineStrecke von beinahe 20 Meilen zurückgelegt hat, bei Zitzlaunächst Linz in die Donau ergießt. Die Farbe ihres Wassersist ein ausnehmend schönes Grün und sie ist durch ihren Reich-thum an vorzüglichen Fischen ausgezeichnet. Die Bewohnerdes Kammergutes sind, wie alle Gebirgsvölker, germanische»Stammes, ein biederer und fleißiger Menschenschlag, der mitLiebe an seinen heimathlichen Bergen hängt und sich dabei so-wohl in seiner Kleidung als Wohnung durch besondere Rein-lichkeit und Nettigkeit auszeichnet. Außer einem lebhaften Han-del mit Gpps und Schleifsteinen, welche hier erzeugt werden,bildet noch nebst den Arbeiten in den Salinen die Alpenwirth-schaft eine bedeutende Erwerbsquelle. Die Alpenfahrt oder derAustrieb der Thiere beginnt gewöhnlich im Monat Juni, wozuerst die Voralpen besucht und mit der Jahreszeit auf dieHochalpen vorgerückt wird, von denen sodann wieder auf dieVoralpen zurückgekehrt und die Heimfahrt Ende Septemberoder Anfangs Oktober angetreten wird. Sowohl die Ausfahrtals die Rückkehr werden festlich gefeiert, (letztere jedoch nur,wenn kein Stück der Herde durch einen Absturz verloren ging),wobei das Vieh mit Blumen bekränzt wird und die AlpentänzeStatt finden. Die Aufsicht über das Alpenvieh führen gewöhn-lich Dirnen, hier Schwagerinnen genannt, unter welchen sichbisweilen sehr reizende Gesichtözüge finden und die auch ihresAlpengesangs (Jodelns oder Dudelns) wegen, berühmt sind.
Zu den Volksbelustigungen gehören das Scheibenschießen, dasStreitfahre» und die Wasserkämpfe der Schiffer, das Eis-schießen und Prügelwersen, endlich der Tanz zu dem bekanntenund beliebten Oberösterreicher Landler. Besondere Tanzartensind das von sechs Paaren ausgeführte und im Durchwechselnder Tänzerinnen bestehende Freitanzen und der Schwcrttanz.Dieser wird von neun Tänzern, gewöhnlich im Bergmanns-kostüm mit blanken Schwertern in Begleitung zweier Spaß-macher, eines Trommlers und eines Pfetfers, ausgeführt. ZuWeihnachten besingen die Sternsänger unter Vortragung einesglänzenden SterneS die Geburt des Heilandes, während amNeujahrstage die vier Stände: Edelmann, Krieger, Bürgerund Baner, im Kostüme einen mündlichen Wettkampf über ihregegenseitigen Vorzüge halten, welcher mit einem versöhnendenRundgesange schließt. Eben so wird das Ende des Wintersvon den personificirten vier Jahreszeiten gefeiert, welche eben-falls einen komischen Wettstreit in Liedern beginnen, der damitendet, daß der Winter besiegt und zu Boden geworfen wird.
Die älteste Geschichte des Kammergutes liegt, wie somanche andere, fast ganz im Dunkeln, doch sollen schon diealte» Celten die Salzminen daselbst benutzt und die Erzeugungdes Salzes durch Verdampfung des aus den Salzquellen ge-schöpften Wassers über glühenden Kohlen versucht, die sie ver-drängenden Römer aber die Salzquellen schon in kleinen Pfan-nen wirklich versoiten haben. Daß die Römer hier eine Nie-derlassung besessen, beweisen viele zu Ischl, Hallstadt zc. auf-gefundene römische Alterthümer, Meilensteine und Münzen.Während der großen Völkerwanderung blieben die Salzwerkenatürlich unbenutzt, bis sie endlich unter der Herrschaft derGrafen des Ennö- und Traungaues wieder aufgenommen wur-den. Diese zu Steper residirenden Grafen wurden, nachdemsie auch noch die reichen Grafen von Wels und Lambach be-erbt, unter Kaiser Heinrich V. als Markgrafen mit Stepcr-mark belehnt und dem Markgrafen Ottokar VI. von KaiserFriedrich 1. der Herzogstitcl verliehen. Dieser schwächlicheund kinderlose Fürst überließ sein Herzogthum 1187 an Leo-pold VI. von Oesterreich aus dem Hause Babenbcrg. Unterdiesem geschieht die erste geschichtliche Erwähnung eines zuIschl und Aussee bestandenen landesfürstlicheu Salzsudwerkesin einer Urkunde, worin er 1l92 dem Stifte Gersten nächstSteper 02 Salzstöcke von Ischl und eben so viele von Ausseeschenkte; doch fehlen über die Entstehung und Errichtung derSalinen alle geschichtlichen Urkunden. Die Eröffnung desSalzbergwerkes zu Hallstadt geschah wahrscheinlich um 1292,wo der Salzbau zu Gosau begann und Elisabeth, GemahlinKaiser Albrecht I., welche das Salzkammergut zur Morgcngabeerhielt, kann als die eigentliche Schöpferin der regelmäßigen