Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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dem Markte Mauthhausen an der Donau und dem fünf Mei-len entfernten Stornberg; Alles dieß gewährt dem forschendenAuge einen ergreifenden und entzückenden Anblick, den manstets von Neuem zu genießen wünscht. Will man den Anblickeiner schönen An- und Fernsicht von der Westseite genießen, sodarf man nur den Schloßberg besteigen uno die fortlaufendeAnhöhe zum sogenannten Jägermaper fortgehen, so erfreutman sich einer der denkbar reizendsten Aussichten.

Jenseits der Donau stellt sich dem Auge nämlich ein un-gcmein schönes Amphitheater dar, welches der Halbzirkel meh-rerer fruchtbaren und mitunter auch ziemlich hohen Berge bil-det, deren tiefer Grund und Abhänge mit schönen Parthien,Dörfern und einzelnen Höfen, größeren und kleineren Schlösserngeschmückt sind. Darunter treten besonders hervor: Der Pöß-lingberg mit seinen Abdachungen; der Berg von Kirchschlagmit dem bekannten Heilbade, seinem romantisch gelegenenKirchlein und der felsigen Sternwarte, von der Natur gebildet.Die Däßenleithen mit einer äußerstromantischen Lage; dieschauerliche Gebirgsgegend im Haselgrabcn, jährlich von reisen-den Malern besucht; der St. Magdalencnberg; der Alpen- undPfennigberg mit dem Dorfe Katzbach und der darüber führen-den Haupt- und Commerzialstraße nach Böhmen; die Bahn-strecke der Budweis-Gmundncr Eisen-Pferdebahn; der Steyer-eggerberg mit dem gleichnamigen Städtchen; im Hintergrundedie Gallerukirchner- und Frcistädterverge; abwärts die Bergevon Pulgern, St. Georgen und Mauthhausen; das SchloßHagen; den Auberg; den Auhof u. s. w.

Wendet sich das Auge in gerader Richtung vorwärts oderzur Rechten der Donau, so übersieht man eine ungeheure rei-zende Ebene mit Auen, Wäldern, Gärten, Städten, Fleckenund Dörfern, wobei sich die Spulberger-, Steyeregger- undStraßcrauen besonders schön darstellen. An diese gränzen so-dann die benachbarten Gehölze: das St. Peter-, Leondinger-,Abdecker-, Fuchs-, Niederharter- oder Stockholz, unweit denensodann mehrere schöne Gärten entweder ihre lockenden Früchteoder ihren Blumen- und Blüthenschmelz dem Auge darbieten.

Gegen Süden schließt sich jenseits des Traunflusses dieAussicht mit einer Kette der himmelanstrcbenden oberösterreichi-schen und steyerischen Alpengebirge, deren Gipfel gewöhnlich biszu Anfange, oft bis in die Mitte des Sommers mit Schneebedeckt sind. Vom Traunsteine abwärts gewinnt man die nä-here Ansicht folgender Gebirge aus der norischen Alpenkette:das Kluckgebirge, der Spcrring, die Falkenmauer, der Käsberg,die Gnundnergebirge, die sogenannten Steyerlinzgebirge mitdem kleinen und großen Prirl; die Eisenerzer-, Wegerer- undMaria-Zellergebirge. Von letzteren sieht man den SonntagS-bcrg am deutlichsten und diese Gebirge dehnen sich in einemUmkreise von 12 Tagereise von Linz aus. Vor ihnen erstreckensich die Gmundncr-, Schlierbacher-, Steinbacher- und SteprerHügel und Berge, worunter besonders der Lanzenberg genanntzu werden verdient. Linz näher gelegen sind: die Traunegger-oder Thalhammer-, Kremsminsterer-, Haller- und Florinner-Bergrücken, dann die Tillysburger- und Emser-Anhöhen, Ineiner Entfernung von einer bis drei Stunden sieht man dieHügelkette von Pucking, Weißkirchcn, Anzfelden und demEochellenberg, bis man endlich bei jenen ruht, welche dieGränze der Welscrhaide in einer geraden Strecke von mehrals drei Stunden bilden.

Was das gesellige Leben in Linz betrifft, so kann mannicht umhin, es ungezwungen, heiter und herzlich zu nennen.Ungcmein erfreulich ist, wie überhaupt im südlichen Deutsch-land bei Weitem mehr als in dem durch Convenienz befange-neren Norden, eine wohlthätige Mischung der Stände inöffentlichen Gesellschaften. Schon in den Gasthäusern undöffentlichen Vergnügungsorten ist jene Mischung bemerkbar,wo man Personen vom höchsten Civilrange mit Bürgern und

Landleuten; höhere Offiziere und Gemeine in bunte» Reihenvorfindet. Fremden wird hier der Zutritt in häusliche undöffentliche Zirkel so sehr als möglich erleichtert und ange-nehm gemacht und besitzt derselbe nur Sitte und Achtung derLandesgebräuche, so kann er jederzeit der wohlwollendsten Herz-lichkeit gewlß sein. Auch finden sich im Theater, in Concerten,beim Spiele und bei anderen freundlichen Zusammenkünftengerne die Frauenzimmer ein, wodurch der gesellschaftliche Um-gang sehr gewinnt, lleberhaupt sind die hiesigen Frauenzimmernicht nur ihrer größtenthcils angenehmen Körper- und Ge-sichtsbildung, woher dce zum Sprichtwort gewordene Redens-art:die schönen Llnzcrinnen", entstanden ist, sondern auchihrer Freundlichkeit und anständigen Artigkeit, sowie ihrer ge-schmackvollen Kleidung wegen allenthalben rühmlich bekanntund man wird bei näherer Bekanntschaft in die Worte deSSchriftstellers gerne einstimmen:die Mädchen in der Gegendvon Linz, Enns und Wels bezauberten von jeher durch dieSchönheit ihrer Gesichts- und Körperbildung, erhöht durcheinen äußerst geschmackvollen Anzug, alle Reisenden " Obschonin den höheren Klassen der Gesellschaft auch hier französischeMode und schneller Wechsel des Anzuges, des Zuschnittes undder Farben an der Tagesordnung ist, so sind die höchst reizen-den, originell geformten Goldhäubchen doch mitunter noch Ori-. ginaltracht bei dem Bürgerstande, sowie es sowohl unter die-I sein, als auch bei geringeren, besonders im Winter, Sitte ist,ein Tuch über den Kopf zu schlagen und damit die Haareganz, die Stirne größtentheils zu bedecken.

Die sehenswürdigsten Umgebungen von Linz sind: DerMarkt Urfahr am linken Donau-Ufer, welcher durch die überdie Donau geschlagene Brücke mit Linz zusammenhängt undauch in polizeilicher Hinsicht mit dieser Hauptstadt verbunden ist.Durch denselben gelangt man auch auf den Stationsplatz der»ach Böhmen führenden Eisenbahn, wo Nachmittags zu be-stimmten Stunden Gesellschaftswagen zur Fahrt nach demPfarrdorfe St. Magdalcne, einem der reizendsten Punkte unterden Umgebungen der Stadt bereit stehen. Die Fahrt, welchean Landhäusern und von Baumgruppen umgebenen Feldern,dann an dem sogenannten Haselgraben, einer sehr romantischenThalschlucht, die von einem Gebirgswasser, dem Haselbache,durchströmt wird, vorüber führt, dauert nicht länger als 2l)Minuten. Die Aussicht von St. Magdalena gewährt einesder schönsten Rundgcmälde und wird jeden Besuchenden ent-zücken. Ein Spazierganz von einer halben Stunde auf derEisenbahn gegen Böhmen zu, ist ebenfalls reich an wechselndenschönen Ansichten zur Rechte», wo man im Thale das gräflichStahremberg'sche Schloß Auhof mit einem sehr schönen Parkeerblickt. Um den letztern besehen zu dürfen, bedarf es einerErlaubnißkarte, welche man in der Kanzlei des gräfl. Ober-pflegamtes zu Linz leicht erhalten kann. Will man den Wegvon St. Magdalena nach der Stadt zu Fuß zurücklegen, sobedarf man dazu einer kleinen Stunde. In Urfahr selbst istdie Kirche bemerkenswcrth. Sie hat vier Altäre, ein schönesSpeisegitter von gesprenkeltem rothem Marmor und eben einensolchen Taufstein. Die Einfassung und Säulen des Hochaltarssind von kostbarem schwarz und weiß gestreiften Marmor.Auch sind einige hübsche Gemälde vorhanden. Der Marktzählt 2V5 Häuser mit 25l)l) Einwohnern. Pößlingberg, eben-falls am linken Donau-Ufer, eine kleine Stunde nordwestlichvon der Stadt, mit einer Wallfahrtskirche, die 1742 vollendetwurde. Die hier aufgeführten Festungswerke sind schcnswerth;sie umgeben die Kirche und sind sehr bedeutend, weil dieß dieeinzige Anhöhe um die Stadt ist, von welcher die in der Ebeneliegenden Befestigungen erfolgreich beschossen werden können,weßhalb jene auch mit diesen, von welchen später die Redesein wird, in einer Verbindungslinie stehen. Der größte Theildieser Festungsbanteu ist in das aus Granit bestehende Urge-