wagen Expedition; die Strafhausvcrwaltung und die Vcrsor-gungs-Anstalten. Die Landstände theilen sich in den Prälaten-stand, dessen Vorstand der Bischof von Linz ist; den Hcrren-stand, zu welchem die Fürsten, Grafen und Freiherren gehören,den Rittcrstand, dessen Mitglieder durchaus das Prädicat vonführen und den vierten Stand, zu welchem die landesfürstlichenStädte Linz, Steper, Weis, Gmunden, Eins, Freistadt, Vökln-bruck, Braunau und Scherding, dann der Markt Nied alleingehören. Ferner befindet sich in Linz, wie bereits erwähnt,ein Bischof mit einem Domkapitel und Consistorinm. Unter-richtsanstaiten befinden sich folgende in Linz: Ein Lpccum, anwelchem das philosophische und theologische Studium betriebenwird. Auch ist mit demselben eine Hebammen-Unterrichls-An-stalt verbunden. Das Lpccum besitzt eine Bibliothek von mehrals 22000 Bänden, unter welchen man 500 Inkunabeln zähltund ein physikalisches Museum mit ausgezeichneten Maschi-nen. — Das Gymnasium war früher mit dem Lyceum ver-einigt, ist jedoch seit I8l)7 davon getrennt. — Eine Normal-hauptschule, dann sechs städtische Unterrichtsanstaltcn für dieIngenieurs- und Zeichnungsschule, die französische und italie-nische Sprache und das Tanzen und Reiten. — Die Mäd-chenschule und Erziehungs-Anstalt bei den Ursnliner-Nonnen. —Zwei militärische Erziehungshäuser. — Eine Privat-Taubstum-men-Lehranstalt. — Eine unentgeldliche Musiklehr-Anstalt deshiesigen Musikvereins. Die Kranken-, Armen-, Versorgungs-und Humanitäts-Anstalten betreffend, so sind deren folgende inLinz: Ein Bürgerspital; ein Lazareth; die Kellcrsche Wai cn-stiftung; die Thcresinische Waisenstiftung; die ständische Pfründ-nerstiftung; das allgemeine Krankenhaus der barmherzigen Brü-der für Männer und jenes der Elisabethinerinnen für weiblicheKranke; die milde Versorgungs-Anstalt mit dem dazu gehörigenSiechenhause, das in mehrere Abtheilungen zerfällt; ein Armen-Institut und andere milde Anstalten und Stiftungen. Ferner dasStrafhaus mit einer eigenen Kapelle, dann eine Zwangs-Ar-beits- und Besserungs anstalt. Unter den verschiedenen Hand-lungen, Manufakturen und Fabriken ist vor Allen die weitbe-rühmte k. k. Wollenzeug- und Teppichfabrik zu nennen, die, wiebereits erwähnt, 1672 durch den Linzer Handelsmann ChristianSind mit kaiserl. Bewilligung gegründet wurde. 1680 trat erdie Fabrik an seinen Schwiegersohn Mathias Kolb ab, dessenErben sie bis 1716 fortführten, in welchem Jahre sie DominikKolb von Kolbenthurm dem Armenhause vor dem Schottenthoreüberließ. Von diesem kaufte sie 1722 die sogenannte orientali-sche Compagnie, eine Gesellschaft von Privaten, um 240,000Gulden. Allein schon um 1750 gerieth sie durch die zu vielfältigausgebreiteten und mißlungenen Geschäfte dieser Compagnie inVerfall und der Hof übernahm sie 1754 in sehr zerrütteten Um-ständen mit Befriedigung der zahlreichen Gläubiger theils inder Absicht, um der in Oesterreich ob der Enns so zahlreichenKlasse der Zeugweber Arbeit und Erwerb zu schaffen, theilsaber auch, um das ausschließende Privilegium dieser Fabrikaufzuheben und die Zeugweberei im ganzen Lande freizugeben.Seit dieser Zeit befindet sich die Fabrik ununterbrochen in Ae-rarial-Negie, während dem zum größeren Betriebe der Fabrikmehrere neue Gebäude erbaut wurden; ja, nachdem 1755 dieWasserkaserne und mehrere benachbarte Häuser abbrannten, er-kaufte die Fabrik acht Häuser und eine große Wiese, wodurchsie ihre freie Lage und größere Sicherheit vor Fcuersgefahrerhielt Seitdem befindet sich die Fabrik im lebhaftesten Be-triebe, unterhält auch eine große Niederlage in Wien und ihreProdukte werden allgemein bewundert nnd sowohl wegen ihrerSchönheit und Dauerhaftigkeit, als auch der verhältnißmäßigbilligen Preise allenthalben gesucht. Die Fabrik hat auch, dasie eine ungemein große Anzahl von Arbeitern unterhält, eineeigene Hauskapelle, die 1759 eingeweiht wurde und in welcheralle Sonntage und auch an manchen Wochentagen Gottesdienst
abgehalten wird. Außerdem besitzt Linz mehrere und mitunterbedeutende Handlungen mit allen Artikeln, worunter auch vierBuch- und Kunsthandlungen, dann Fabriken in Tuch, Casimir,Barchent, Leder, Wolle zc. Jahrmärkte hat Linz zwei, näm-lich acht Tage nach Ostern und vom 16. August an, jederdauert 14 Tage. Auf diesen beiden Märkten, welche auch vieleauswärtige Einkäufer besuchen, werden große Geschäfte in Tuch,Leinwand, Zwirn, Leder und stcyerischen Eisenwaarcn gemacht.Die Wochenmärkte sind Dienstags und Sonnabends. Außer-dem besitzt die Stadt auch noch Privilegien zur Abhaltung eineswöchentlichen GetreidemarkteS und eines jährlichen Viehmarktcs,den 20. Oktober. Der Hauptpferdemarkt für die Provinz Oe-sterreich ob der Enns wird jedoch in Mauthhausen abgehalten.Die empfehlenswerthesten Gast- und Einkehrwirthshäuser inLinz sind: Zum goldenen Löwen auf dem Hauptplatze; zumgoldenen Adler auf der unteren Wasserländ; zur goldenenKrone an der Landstraße; dann zum Erzherzog Karl; zurStadt Frankfurt; zum schwarzen Bock; zum goldenen Pflug;zum schwarzen Bären; zur weißen Gans und zum rothenKrebsen. In der Nähe der Stadt bestehen sechs Badehäuser,welche zur Sommer- und Wintcrzeit besucht werden können.Auch ist in der Donau ein öffentlicher Bade- und Schwimm-platz ausgesteckt; sowie zunächst demselben eine militärischeSchwimm-Anstalt ist. Das Theater, von den Ständen1803 neu erbaut und mit dem Redoutensaale und einemCasino vereint, hat eine schöne Faoade und wird sehr besucht.Der Ncdoutcnsaal wird während der Faschingszeit zu öffent-lichen maskirtcn Bällen und auch geschlossenen Tanz-Unter-haltungen benutzt, da es in Linz wenige und keine bedeu-tende Tanzsäle gibt Das Casino hat eine ausgedehnte Schank-befugniß zu Erfrischungen jeder Gattung und ist sehr geräumigund nett. Auch besteht in Linz ein Musikverein von dem imWinter und Frühjahre Concerte gegeben werden, sowie eineöffentliche Leihbibliothek von ungefähr 10,000 Bänden.
So wie Linz das Eigenthümliche und Freundliche besitzt,daß sich bei vielen Häusern angenehme Gärten befinden, sohaben auch mehrere Gastwirthe schöne Gärten für ihre Gäste,unter welchen auch einige mit einem gedeckten Salon verschensind, in welchen man bei Regenwctter verweilen kann. Diebedeutenderen derselben sind: daS Hagerstoikl unweit vomKapuzinerklostcr mit schöner Aussicht, besonders gegen Ennshinab. Der Garten am Schloßberge, von dem man einengroßen Theil der Stadt und besonders die obere Vorstadtübersehen kann. Der Garten zum römischen Kaiser; derMayorgartcn auf dem unteren Graben nächst dem Schmidt-thore, welcher vorzüglich seiner dicht belaubten Bäume wegenin heißen Sommertagen sehr angenehm ist. Der Hahnen-wirthsgarten mit einem Tanzsaale; der Pflugwirthsgarten miteinem Feigenbäume von seltener Größe; der Garten zumschwarzen Bären, zum goldenen Schiff:c. Was die An- nndAussichten betrifft, so ist Linz gewiß eine der anmuthigstenStädte Deutschlands. Das Erstere bewährt sich, wenn mandie Stadt vom linken Donau-Ufer, oder von der Ost- undSüdseite von den daselbst gelegenen Hügeln und Bergen über-sieht. Die zwar nicht hohen, aber artig gebauten Tbürme,unter welchen der Landhausthurm mit seinen geschmackvollenVergoldungen hervorragt; das auf einem Granitfelsen gelegeneSchloß, welches seit 1811 als Strafhausgebäude verwendetwird und in der Niederung das ansehnliche kaiserliche Fabrik-gebäude; die größtentheils schönen Häuser der inneren Stadt,nebst den vielen zum Tbeil prachtvollen herrschaftlichen Ge-bäuden und Gärten in der Vorstadt, die schattige Platanen-Allee, welche sich um die Hälfte der Stadt schlingt, die schöneKrümmung der Donau, die mit Feld, Wald und Gras bedeck-ten Anhöhen rings um die Stadt; die Aussicht nach dem hüb-schen, auf einer sanften Anhöhe liegenden Städtchen Enns,