Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Leopold I. vor dem Andringen der Türken gegen Wien seineHofhaltung nach Linz, begab sich aber im September von danach Passau, weil die Türken auch bis Oberösterreich streiften.Im Jahre 1703 rüstete man sich in Linz ernstlich gegen einenEinfall der Bayern, welche im spanischen Erbfolgekriege mitFrankreich im Bunde waren, doch blieben die Besorgnisse glück-licherweise ungegründet. 1711 geschah abermals großes Un-glück durch eine Ueberschwemmung. Im Juli 1713 drang diePcstseuchc auf furchtbare Weise in Linz ein und alle möglichenSicherheitsmaßrcgeln wurden dagegen ergriffen. Man stellteöffentliche Gebete an, sperrte die angesteckten Häuser, um dieganze Stadt wurden Pallisaden gesetzt, Wachthäuser und Sperr-thorc errichtet. Dieser beängstigende Zustand währte bis gegenMitte Februar 1714. Im Jahre 1716 wurde wegen glück-licher Beendigung dieser verheerenden Seuche die schöne Drei-faltigkeitssäule auf dem Hauptplatze errichtet. Im österreichi-schen Erbfolgekriege wurde Linz den 14. Septbr. 1741 durchdie Franzosen und Bayern besetzt und der Kurfürst Karl Al-brecht von Bayern ließ sich daselbst den 2. October als Erz-herzog von Oesterreich huldigen. Den 23. Jan. 1742 wurdedie Stadt jedoch durch den österreichischen Feldmarschall Gra-fen Khewciihüllcr wieder erobert, die österreichischen Truppendrangen in Bayern vor und Maria Theresia nahm den 25.Juni 1743 in Linz die Huldigung an. Erst im Jahre 1776nahm die Numerirung der Häuser in Linz ihren Anfang. 1773wurde das Collegium der Jesuiten aufgehoben. Den 24. April1782 traf Papst Pius VI. auf seiner Reise von Wien nachMünchen in Linz ein und ertheilte vom RathhauSgange demzahlreich versammelten Volke den apostolischen Legen. 1784errichtete Kaiser Joseph II. zu Linz ein eigenes BiSthum fürOesterreich ob der Enns, das bisher unter dem PassauischenSprengel gestanden hatte und den 1. Mai 1785 hielt JohannErnst, Graf von Herbcrstein, als erster Bischof von Linz seinenfeierlichen Einzug in die hiesige Domkirche. Den 28. Juni1786 zerstörte ein großer Wasserguß die Brücke fast gänzlich.Den 15. August 1866 kam >m kaiserlichen Schlosse Feuer aus,welches so schnell um sich griff, daß ein bedeutender Theil derStadt abbrannte, in dessen Folge der Stadtgraben theilweiseausgefüllt und das alte Gemäuer abgebrochen wurde, wodurchdie neue schöne Promenade entstand. Gegen Ende Decemberswurde Linz zum ersten Male von den Franzosen besetzt. Den3. Novembar 1865 drangen die Franzosen nach dem Gefechtebei Lembach zum zweitenmal? in die Stadt ein und hielten siebis zum Prcsburger Frieden besetzt, wobei sie durch Requisitio-nen, Einquartirungen und andere Lasten viel zu leiden hatte.Nachdem den 28. Jan. 1869 durch einen gewaltige» Eisstoßdie Brücke zerstört worden war, zogen den 3. Mai desselbenJahres die Franzosen zum dritten Male in die Stadt. DiesMal verschanzten sich dieselben in Linz, wobei mehrere Häuserabgebrochen und viel Unheil angerichtet wurde. Die Einquar-tirungen, Durchmärsche und Requisitionen schienen kein Endenehmen zu wollen und erst nach dem Abschlüsse des WienerFriedens verließen die Franzosen den 4. Januar 1816 die ge-ängstigt? Stadt. Den 16. Februar 1813 riß die Eismassc derDonau 6 Joche von der Brücke weg. Im August 1815 ent-stand durch anhaltende Wassergüsse eine bedeutende Ueber-schwemmung, wobei das Wasser zu beiden Stadtthoren hercin-drang, einen Theil der unteren Vorstadt und alle an beidenUfern des Stromes gelegenen Gewölbe, Gebäude und Gründeüberfluthete, auch einen Theil der Brücke zerstörte. Eine wei-tere Ueberschwemmung hatte 1819 Statt, wobei die Donaueine Höhe von mehr als 15 Fuß über den gewöhnlichenWasserstand erreichte und die Brücke fast gänzlich zerstört wurde.Auch in neuerer Zeit wiederholten sich diese Überschwemmungen,besonders 1836, doch waren sie von keinen außerordentlichenUnfällen begleitet. Den 8. Juni 1823 wurde das hundertjäh-

rige Jubelfest der Dreifaltigkeitssäulc auf das Feierlichste be-gangen. Im Jahre 1833 bildete sich in Linz ein wissenschaft-licher Verein zur Beförderung vaterländischer Interessen, wel-cher uuter dem Schutze des Erzherzogs Karl steht und denNamen !4Iu«eui» br-riwiscu-LsruIiiiuni führt Dieser Vereinbesitzt sehr interessante Sammlungen im naturhistorischen, nu-mismatischen und historischen Fache, gibt auch seit 1839 eineeigene Zeitschrist heraus und läßt seine Jahresberichte regel-mäßig erscheinen. Seit dem 12. Februar 1842 besteht hier einMandatariat des Vereins zur Unterstützung und Beförderungder Industrie und Gewerbe für Jnnerösterrcich, das Land obder Enns und Salzburg. Die Herrenstände widmeten dem-selben ein neu erbautes Haus mit zwei Nebengebäuden, inwelchem jährlich bei 366 Individuen im technischen Zeichnungs-fache, in der Arithmetik, praktischen Geometrie, Baukunst, imModelliren und Poussiren unentgeltlich Unterricht erhalten.Diese Anstalt besitzt eine Bibliothek von mehr als 2666 Bän-den, vorzüglich technologischen Inhalts, eine Modellen- undWaarcnsammlung, dann Fabriks- und Gcwerbserzeugnisse derProvinz und steht unter der Direktion des Erzherzogs Johann.

Jedes Mitglied und jeder Fremde hat hier täglichen Zu-tritt von 8 bis 12 Uhr Vormittags, dann von 2 bis 6 UhrNachmittags. Den 16. April 1845 ist auch eine k. k. Land-wirthschaftsgescllschaft für das Erzherzogthum Oesterreich ob derEnns und Salzburg, ebenfalls unter der Protektion des Erz-herzogs Johann in das Leben getreten. Ihre ersten Begrün-vungskosten, nebst dem Gehalte eines Sekretärs wurden vonden Herrenständen bcstritten. Sie ist in 28 Filiale eingetheilt,welche sich über alle 5 Kreise der Provinz ausbreiten.

In topographischer Hinsicht liegt Linz im 48. Grade,18 Minuten, 46 Sekunden nördl. Breite und im 31. Grade,56 Minuten, 36 Sekunde» östl. Länge, 92 Klafter über demmittelländischen Meere erhoben, folglich um 27 Klafter höherals Wien, an der Gränze des HausruckviertelS am rechtenoder südl. Ufer der Donau, aber dem Mühlviertel zugetheiltDas Klima ist ziemlich gemäßigt. Die Kälte steigt selten über15 Grad Reaumur, die Hitze erreicht nicht mehr als 22 bis23 Grad. Die Ostwinde wehen am häusigsten. Die vorbei-strömende Donau und die nahe und ferne gelegenen Bergeziehen häufig Gewitter herbei. Von der Residenz ist Linz 24,von Prag 32, von Gratz 31, von Salzburg 18, von Mün-chen 31, von Passau 16, von Innsbruck 43, von Brünn 45Meilen entfernt. Die Stadt zählt gegenwärtig mit ihren dreiVorstädten: untere, äußere und obere Vorstadt 1366 Häuserund 25,666 Einwohner, die Garnison nicht mitgerechnet, welchebei 2566 Mann betragen mag. Das Distriktskommissariat desMagistrats Linz erstreckt sich aber auch über die GemeindenWaldegg, Lustenau, St. Peter, Klcinmünchen und Leonding,welche noch zusammen etwa 666 Häuser mit 4266 Einwohnernzählen. Vor Alters hatte Linz 6 Stadtthore, da aber daö so-genannte Froschthor vorlängst weggebrochen wurde, so hat esderen nur noch 5: das Haupt- und das Wasserthor, dasSchmidthor, das Landhausthor Pferd- oder Schulcrthürl, letz-teres nur mehr dem Namen nach. Das Wappenschild derStadt Linz besteht aus einer zwischen zwei runden Thürmenmit Gold bedeckten und mit offenen goldenen Thoren versehe-nen Stadtpforte auf grünem Grunde im rothen Felde, überwelcher das erzherzogliche altösterreichische Wappen mit denfünf Lerchen erscheint. Die Stadt wird in vier Viertel oderSectionen getheilt, wovon das erste die eigentliche Stadt, daszweite die untere, das dritte die obere und das vierte dieäußere Vorstadt enthält. Vor dem Hauptthore ist eine Brückemit 15 Joch über die Donau geschlagen, welche zum MarkteUrfahr hinüberführt, von Holz und 144 Klafter lang ist. DiePassage über diese Brücke ist ungemein lebhaft, auch genießtman von ihr eine vorzüglich schöne Aussicht auf die Umgegend