A i n j.
8inz, Hauptstadt des Erzherzogthnms Oesterreichs obder Enns, ist seiner Lage, Bauart und Umgegend nach, eineder freundlichsten Städte des österreichischen Kaisirthums DieGeschichte dieser ohne Zweifel sehr alten Stadt, ist wie jeneder meisten deutschen Städte in ziemliches Dunkel gehüllt, zudessen Erhellung viele von einander abweichende, zum Theileauch sich widersprechende Meinungen geäußert, geschrieben undgedruckt wurden. Gewiß ist es, daß es den Römern schonbekannt war und von ihnen I.eneia genannt, vielleicht ebenso gewiß, daß es ursprünglich von den Celten gegründetwurde, allein nicht minder, daß es eben keine der bedeutend-sten Colonieen war und von I.aiirvnoiim (Lorch, bei Enns)und )»vgvia (Salzburg) weit überboten wurde. Zur Zeit dergroßen Völkerwanderung hatte es auch Vieles zu leiden, sowie in der Folge durch die wiederholten Einfälle der Magya-ren, durch welche es fast ganz zerstört wurde, denn nach be-währten Ueberlieferungen soll erst 906 auf den Trümmern desalten römischen Castells ein neues Schloß erbaut und Linzwieder zum ersten Male genannt worden sein Von dieserZeit an soll der Ort an Gebäuden und Einwohnern nach undnach zugenommen haben und die erste Kirche soll die nun ge-sperrte St Martinskirche auf dem Schlvßberge gewesen sein.1098 wurden die ersten Ringmauern mit Thoren erbaut und1100 die erste stabile Brücke über die Donau geschlagen, diejedoch durch eine Ueberschwemmung bald wieder zerstört wurde.Damals gehörte Linz zu dem Gebiete der Grafen von Hinz-berg, erst um 1139 — 114? wurde es vom Letzten diesesStammes, Gottschalk, sammt der ganzen Grafschaft an Markgraf Leopold V. verkauft. Bereits am Ostcrsonntage 1141 legteeine Fcuersbrunst das ganze Städtlein foppiäum) bis auf zweiHäuser in Asche, doch stieg sie bald, durch ihre Lage begün-stigt, wieder aus dem Schütte verschönert hervor. Nach derAechtung Friedrichs des Streitbaren 1230 wurde die Stadtheftig von dessen Widersachern bedrängt, doch bald wieder ent-setzt. 1276 eroberte sie Rudolph von Habsburg im Kriegegegen Ottokar. 1286 wurde die jetzige Stadtpfa rkirche er-baut. 1324 erhielt Linz erst durch Herzog Friedrich den Schö-nen die Freiheiten einer Stadt, 1342 brannte sie zum zweitenMale ab. 1333 erhielt sie die peinliche Gerichtsbarkeit und1369 von Herzog Albrecht III. daö Recht, vom Wein eineAbgabe zu nehmen, das auch später von Kaiser Heinrich III.bestätigt wurde. 1382 bewilligte der obengenannte Herzogden noch heute bestehenden Bartholomäusmarkt. 1409 zer-störte abermals eine Feuersbrunst den größten Theil der Stadt.1400 in dem Kriege zwischen Kaiser Friedrich IN. und demKönig Georg Podiebrad von Böhmen wurde Linz von den Böh-men erobert und zur Huldigung gezwungen, durch die kaiserlTruppen aber bald wieder befreit. 1481 wurde die Stadtauf's Neue durch eine Feuersbrunst verheert. 1490 gestatteteKaiser Friederich den Bürgern zuerst die Wahl eines Bürger-meisters, da sie früher nur Stadtrichter hatten. Auch ließ der-selbe Kaiser die Stadt erweitern und mit Mauern und Gräbenumfangen, da die früher bestandenen wohl schon lange zerstörtund verfallen sein mochten. Endlich erhob er Linz zuerst zurHauptstadt des Landes Steyer ob der Enns, wie dieser Lan-
destheil damals genannt wurde Auch starb dieser Kaiser den14. August 1493 in dieser Stadt und sein Herz wurde in derhiesigen Stadtpfarrkirche beigesetzt. Nicht minder wurde Linzauch von Kaiser Maximilian I. begünstigt. 1529 versammeltensich die kaiserlichen und Reichstruppen zu Linz, um von daaus die von den Türken das erstemal belagerte Kaiserstadt zuentsetzen. 1541 grassirte die Pest auf das Furchtbarste in Linzund viele Häuser wurden deswegen gesperrt. Um diese Zeitbegann auch die Reformation in Linz und fand großen Eingang,so daß um 1550 die Mehrzahl der Einwohner lutherisch gewesensei» soll. 1502 wüthete abermals die Pest daselbst. 1565wurde an der Stelle des verlassenen Minoritenklosters das Land-haus gebaut. 1584 verödete wieder eine ansteckende Seucheeinen großen Theil der Stadt. 1009 kamen die Jesuiten inLinz an und nun begann die Gegen-Reformation, die in derFolge durch Kaiser Ferdinand II. auf das Eifrigste fortgesetztwurde, der 1624 den evangelischen Gottesdienst in der Mino-ritenkirche abschaffte und die Prediger aus der Stadt verwies.1616 brach der bedeutende Bauernaufstand in Oberösterreichaus und Linz hatte dadurch Vieles zu leiden. Den 24. Junidesselb. Jahres verließen die aufrührerischen Bauern ihr Lagerbei Ebersberg wo nur eine geringe Besatzung zurückblieb undkamen mit fliegenden Fahnen unter ihrem Anführer, dem be-kannten Stephan Fedinger vor der Stadt an. Letzterer schrieban die Stände und forderte nebst der Auslieferung des Stadt-halters den Abzug der Soldaten und rieth, im Falle dies nichtgeschehen sollte, den Bürgern, sich nach Ebersberg oder Welszu begeben. Den 27. wiederholte er seine Aufforderung, alssie unbeantwortet blieb. Inzwischen bemächtigten sich die Bauernaller Schiffe, um der Stadt die Zufuhr abzuschneiden, und ihreAnstalten zur Eroberung derselben waren so ernstlich und dro-hend, daß die Stände in Sorgen geriethen. Die Stadt warvon allen Seiten von den Bauern umlagert. Den 28. Abendsritt Fedinger vor dem Landhause vorbei und schien die dortigeBastei in Augenschein nehmen zu wollen. Da wurde sein Pferddurch einen Schuß getödtct und er selbst in den Schenkel ver-wundet und durch seine Begleiter weggetragen. Bei dieser Ge-legenheit erbeutete man seine Pistolen und sein Schwert sowiemehrere Waffcnstücke, die noch heute in der kaiserl. Ambroser-sammlung und im bürgert. Zeughaus? in Wien zu sehen sind.Nun begann der obwohl erfolglose Sturm auf die Stadt, wo-bei die Vorstadt in Asche gelegt wurde. Nach dem Tode Fe-dingers (d. 5. Juli) wurden unter dem neuen Anführer AchazWielinger die Stürme fortgesetzt, doch stets ohne Erfolg nndden 29. August endlich wurden die Bauern von Linz vertrieben.Den 28 November erlitten sie eine vollständige Niederlage beiEffcrdingen. Die gänzliche Unterwerfung der Rebellen erfolgteaber erst im Frühjahre 1627. Die Anführer wurden hinge-richtet, die Uebrigen erhielten Verzeihung. 1636 errichteten dieJesuiten ein Seminarium in Linz, das mit mehreren Stiftungenversehen wurde. 1602 litt die Stadt viel durch eine großeUeberschwemmung. 1670 wurde die Jesuitenkirche erbaut. 1672gründete der dasige Handelsmann und Rathsmann, ChristianSind, die noch jetzt bestehende großartige Wollcnzeugmanufak-tur, die jetzt kaiserliches Eigenthum ist. 1683 verlegte Kaiser
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