Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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nachte der Kimbrerzug unter Bojorir; diese kamen durch Rhäticn,und man kann vermuthen, daß die Nazener an dem Sieg dieserTapfern über den Consul Catulus in der Gegend von TridentumAntheil hatten. Wenigstens haben sich die Reste der bei Verona,191 v. Chr., geschlagenen Kimbrer mit den Rhätiern vermischt.Letztern sollte auch die Stunde der Unterwerfung schlagen. Cäsarwurde zwar durch den Tod von einem Zug gegen sie abgehalten,allein unter Augustus nahm man die Sache wieder in Angriff;Trident, wohlbefcstigtcr Waffenplatz, sollte Hauptstützpunkt derOperationen werden. Drusus rückte von hier aus, er gewann14 vor Chr. eine Vernichtungsschlacht gegen die Bergvölker. Seit-dem haben die Römer ihre Mansioncn und Heerstraßen angelegt;eine der Letztern ging von Trient über Botzen, Klausen undSterzing auf den Brenner Paß. Trient, in seiner Art einekleine Roma, stieg schnell in seiner Bedeutung. Auf dem DosIrenti erhob sich das Kastell Verruea, wovon nur noch wenigeSteine überblieben, gegenüber das Schloß mit noch deutlichenRömerspuren, nachher Residenz der Bischöfe. Die Römer brach-ten die lieblichste Blume der Kultur das Christenthummit; in den Alpen Tridcnts predigte Hcrmagoras, Bischof vonAguileja, dessen Werk vollendete St. Vigilius, den wir schonkennen. Auf die Ruhe unter Roms Szepter trat der Sturmder Völkerwanderung ein, Trient ward Sitz dcS großen Ost-gothen Dieterich von Bcrne, (Theodorich von Verona) der esmit Mauern umzog und der Stadt und Gegend neue Be-völkerung zuführte. Als sich der Longobarde Alboin zum KönigNorditaliens machte, riß er auch Trient an sich. Die Negierungwechselte nach der Longobarde» Weise, Trient hatte einen Herzog,aber die Ruhe kehrte erst mit Karl dem Gr. und seinen Nach-folgern wieder. Spätere deutsche Könige beschützten es. KaiserKonrad der Salier gab dem Bischof Ulrich 1927 die Fürften-würde. So ward es selbständig. Erst im I. 1279 nahm derHerzog von Kärnthen und Tyrol Mainhard II. das Land weg,seine Nachfolger schädigten Trient aus alle Weise. Später mußtees 1365 die Obermacht des Landcsherrn von Tyrol anerkennen.Eine Zeitlang galt es dann, nach dem Muster andrer StädteItaliens, als Republik, die fortwährend mit den Bischöfen imStreite lag. Ihre Kräfte sammelten sich, wie es zu gehen pflegt,erst als ein gemeinsamer Feind, Venedig, 1487 vor den Mauernerschien. Mit fremder Hülfe schlug die Stadt die Venctianer beiCalliano; der Anführer Sanseverino fiel im Treffen und liegtin der Domkirchc begraben, wie oben bereits erzählt ward.Kaiser Mar ließ sich hier zum römischen König ausrufen undbesiegte Venedig, welches ihm den Durchzug nach Rom weigerte,1598. Seit 1515 hatte die Stadt von den stolzen Kaufleutennichts mehr zu befürchten. Eine weltgeschichtliche Be-deutung erhielt Trient erst durch das allgemeine Conci-lium, welches vom 13. Dec. 1545 bis zum 4. Dec. 1563, je-doch mit häufigen, großentheils durch die Päbste veranlaßtenUnterbrechungen in dieser Stadt gehalten wurde, und nicht nur

eine große Erweiterung der Stadt durch Anlegung neuer, zumTheil prachtvoller jetzt freilich wenig benutzter Gebäude ver-anlaßte, sowie durch das Zusammenströmen von Menschen ausallen Gegenden ungeheuere Summen einbrachte, sondern auchdie Stellung des Katholizismus zum Protestantismus für immerbestimmte. Wegen dieser Folgen, die zunächst natürlich Tyrolund ganz Süddeutschland berührten, müssen wir eine kurze Schil-derung desselben in die Geschichte Tricnts einflechtcn, wobei je-doch nur Hauptmomente hervortreten sollen. Das TridcntinerConcil gilt als das neunzehnte und letzte von allen ökumenischen,(von der Gesammtchristenheit abgehaltenen) die nämlich von derrömischen Kirche anerkannt werden. Nicht aber die Päbste selbst,wie oft irrig behauptet wird, sondern Luther, seine Freunde unddie Fortschritte seiner Reformation in verschiedenen Ländern Eu-ropa's, was Alles nach der Entscheidung einer allgemeinenKirchcnversanimlung drängte sie gaben den ersten Anlaß dazu.Das Bedürfniß einer durchgreifenden Reformation an Haupt undGliedern, welches schon die Zeit vor Luther anerkannte, machtesich immer mehr geltend. Auch katholische Fürsten schloßen sichden Protestanten an, und selbst die höhere römische Geistlichkeitverstand die Stimme der Zeit, wie sehr sie darob ergrimmt seinmochte. Schon 1522 hatte Hadrian VI. die Nothwendigkeit ei-ner Reformation erklärt, jedoch gerade durch den Freimuth, wo-mit er dies zugestand, in Rom selbst heftigen Widerstand hervor-gerufen, und sich die Hände gebunden. Mit gleichem Ernst sprachsich nachher 1537 eine Commission, von Paul III. niedergesetzt,gegen viele in der Kirche eingeschlichenen Mißbräuche aus, schlugauch verschiedene und wesentliche Verbesserungen vor, sie wurdeaber aufgelöst, ohne daß man auf ihre Vorschläge weiter Ge-wicht legen wollte. Kaiser Karl V. meinte es Anfangs gewißrecht ernstlich, allein die Päbste hörten nicht auf ihn washalf es, daß er 1539 dem deutschen Reichstage sein kaiserlichesVersprechen gab, den Pabst zur Berufung eines allgemeinenConcils zu vermögen? Leo X., Hadrian VI. und Clemens VII.waren abgetreten, ohne daß ein Erfolg sich zeigte. Erst Paul III.,derselbe, welcher sich in dem von ihm bestätigten Orden der Je-suiten eine mächtige Stütze gewählt, wollte endlich darauf ein-gehen. Damals stand eS nicht eben günstig um die Sache derProtestanten, Karl hatte Frieden mit Frankreich gemacht undwar seit einigen Jahren ein entschiedener Gegner des Protestan-tismus, vielleicht mehr deswegen geworden, weil die fürstlichenHäupter an der Spitze desselben durch ihren kühnen Widerstandihm überhaupt viel zu schaffen machten. Als daher nach LuthersTod der offene Kampf entbrannte, sprach Karl nicht nur über dieFürsten von Sachsen und Hessen die Acht aus, er schloß sogareinen geheimen Vertrag mit Paul III. ab, durch einen Kreuzzugin Deutschland das ketzerische Gezücht zu vertilgen. Das thatein deutsches Reichsoberhaupt! Freilich sollte es nichtden Schein haben und er zürnte daher gewaltig, als Paul inseiner Freude es sich nicht versagen konnte, das abgeschlossene