Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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nehm, oft hübsch, zogen unsern Blick an. Einige Weiber ausVsl lesino trugen sich sonderbar, doch nichts weniger als schön.Die Röcke waren von grauer Leinwand in Falten, mit hellrothenTuchstreifen besetzt, hierzu ein schwarztuchenes Mieder mit rothemoder hellblauem Brustlatz, ein dickes weißes Musselintuch um denNacken und vorne so befestigt, daß die starke Brust darin wiein einer Schlinge ruhte; die Schürze von buntem Kattun, aufdem Kopf ein großer, fast dreieckig gebogener Männcrhut, darun-ter eine Haube." Bei der Prozession wurde der Reisende aufeinen Schrein von Glas aufmerksam gemacht, worin die Zungedes heil. Bigilius aufbewahrt wird; er fand diese, sowie die vomBischof getragene Hand des Märtyrers allzugroß in der Dimen-sion, was ihm bei der Zunge selbst für einen solchen heiligenPrediger zu übernatürlich schien, bei der Hand freilich eher ein-leuchten wollte, weil diese einst Felsen verschieben konnte. Aufdem Domplatz vor dem Springbrunnen war ein großes Bretter-gerüst, schon seit mehreren Tagen aufgebaut, nun mit Schildercienaus dem Leben des heil. Bigilius geziert worden. Das Ganzestellte einen Tempel vor; in dessen Mitte war der Sarg, obendie segnende Gestalt des Heiligen sichtbar. Alles war mit Rake-ten schön besetzt, und die schaulustige Menge umgab diese Feuer-wcrkdekoration, wie Kinder den Weihnachtstisch, jubelnd undschreiend. Nach 9 Uhr sprühten die ersten Schwärmer in denschwarzen Nachthimmel. Der Domplatz und die 8trsäa Isi-gswimmelten von Menschen; alle Fenster und Balköne waren mitgeputzten Damen gefüllt, ebenso die aufgeschlagenen Gerüste. DasFeuerwerk war geschickt gearbeitet und gut aufgestellt. Jemandbehauptete mit großem Ernst, die Einwohner von Judikarien,deren Vorfahren den Heiligen ermordet, hätten nun fortwährendals Buße die Kosten des Feuerwerkes zu bestreiten.Wahr ist, daß hierzu ein eigener Fonds eristirt, wozu die Stadtimmer noch etwas beisteuert.

Wenn auch die nächste Umgegend Trients beschränkter ist,als bei irgend einer andern Stadt Tyrols, so bietet sie doch Ge-legenheit zu den trefflichsten Ausflügen in die Nähe und Ferne.Die Landhäuser der Roveretti, Mersi, Consolati u. s. w., woman die Frische des Sommers genießt, und der bischöfliche Pallastunter Terlago verdienen einen Besuch. Geht man durch diePorts äell' s «zu>ls , so erreicht man in St. das ehemaligeKarmeliterkloster, nun zum Findet- und Gebärhaus für die Pro-vinz Tyrol eingerichtet; wir empfehlen es freilich nicht deswegendem Reisenden, selbst der Arzt und Accoucheur wird wenigInteressantes da finden sondern weil der Weg dahin ange-nehm ist, und man vom Garten dieses Gebäudes aus die süd-lichen Umgebungen der Stadt überschaut. Den Spaziergangdurch die Ports nuovs nach dem Kloster S. Bernardino habeich schon im Anfange gerühmt. Befindet man sich in der Nähedes Thores 8t. Urooe, so erblickt man das Spital, den Eingangzum Fricdhofe und im Hintergrunde die Ruinen des Lustsitzesder Bischöfe, was Alles freilich gar ernst stimmt, aber dessen

Eindruck doch durch den schönen Wiesengrund unweit der Etschgemildert wird. Ein Spaziergang längs des Flusses leitet unsnach der Brücke 8sn Iwrenna. Unser Zeichner hat eine Ansichtmit der Etschbrückc gewählt. Diese Brücke mag in der Längeetwa 159 Fuß haben. Gegen Süden wird der Weg nach Ro-veredo von dem brausenden Wildbach Fersina durchschnitten,der durch ungeheuere Schluchten seine zornigen Wasser wälzt.Hier trifft man Parthieen mit der reizendsten Abwechselung, be-sonders nach Pontalto, einer Brücke, welche zwei abgerisseneBerge mit einander verbindet. Ueberall herrliche Ausblicke fürden Landschaftsmaler. Einen belohnenden Ausflug macht manauch über die Brücke 8an I,orei>2o nach dem Dorfe 8si-äsKns,bei welchem ein Wasserfall, rusoello ü> 8srckaAns heißt er, einschönes Schauspiel darbietet; oder nach dem Dos Ironti, demHügel Verrues, welcher an die Römcrzeit lebhaft erinnert. Wergern noch einen besondern Zweck mit einem kürzern Spaziergangverbindet, besuche die Marmorbrüche, die rothe und weißlicheMarmorarten in Menge liefern.

Die Geschichte der Stadt Trient ragt tief in das Alterthumzurück. Die Urbewohner der Tyroler Hochalpen, ein kräftigerund wohlgewachsener Menschenschlag, haben, wie man jetzt allge-mein annimmt, die Rasener oder Nazcner geheißen. Woher sieihren Ursprung genommen, ob sie Pelasger gewesen und wie weitihre Sprache und Sitte mit der der sogen. Etrusker Verwandt-schaft hat, das kümmert uns hier wenig. Ein gelehrter Forscherdes Alterthums aus Trient, Graf Giovanelli, suchte darzuthun,daß nach Ablauf der großen Urflut und nach möglicher Abtrocknungder Lombardischcn Ebenen die Alpenvölker mit ihren brausendenGewässern sich über das tiefer gelegene Land ergossen, mit ein-wohnenden Stämmen vermischt und so die von den Römern so-genannten Tusker gebildet hätten. Demnach wäre» die bei denAlpenbewohnern von römischen Schriftstellern erwähnten tuskischenSitten und Gebräuche leicht zu erklären; nur bleibt selbst dannnoch Vieles im Dunkeln, worüber schwerlich gelehrte Forschungenje Licht verbreiten werden. In den Hochthälern trieben mehrereVölkerschaften ihr Wesen, z. B. die Brennonen, und der gemein-same Name Rhätier, den die Römer brauchen, hängt vermuthlichmit Razener zusammen. Die Römer hatten es zunächst mit demVolk in den südlichen Alpenthälern zu thun, daher schon 119 vorChr. ein römisches Heer im Etschthal vordrang, und damit einfester Fuß in den Alpen gefaßt wurde, Trickentum zum Haupt-waffenplatz auseesehen ward. Nach einer ältern Sage fälltdie Gründung sogar schon unter den fünften König Roms,Tarquinius Priskus, damals habe ein Etrusker Rhätus es ge-baut und dem Dreizack Neptuns zu Ehren, wie schon erwähnt,Inäenlum genannt. Wie dem nun sei, Anfangs gelang es densieggewohnten Römern nicht, die Alpensöhne zu unterjochen; siemußten nur das Gewonnene zu erhalten suchen. Eine Episode