Bündniß der Christenheit zum Trost und Heil bekannt zu machen.Indessen war es geschehen. Auch Moritz von Sachsen, der jeneauffallend zweideutige Rolle spielte, sollte seine Theologen nachTrient schicken, ließ sie aber so langsam reisen, daß er eher denKaiser überfallen und die geängstigtcn Kirchcnfürsten versprengenkonnte. — Die äußere Geschickte des Concils bietet folgendeMerkzeichen: Der Pabst kam natürlich nicht selbst, als man nacheiner Verhandlung von eilf Jahren über den Ort der Versamm-lung Mantua und Vicenza verworfen und endlich die GränzstadtTrient angenommen hatte. Er schickte als seine Stellvertreterdrei Cardinäle, die mit 25 Bischöfen — von welchen nur Einernicht aus Italien war — die Verhandlungen eröffneten. An-statt, wie es die allgemeine Stimme verlangte, die Reformationan Haupt und Gliedern in Angriff zu nehmen, hielten sich diesean die geheimen Befehle, welche ihnen unablässig von Noni zu-giengcn, prüften sehr umständlich die Lehrmeinungen der Protestan-ten, die nun schon auch außer der Coufession von Augsburg in
andern Schriften von allgemeiner Geltung vorlagen, und
verdammten sie einstimmig. Eine Pest unterbrach 1547 die Ver-sammlung, die sich erst nach Bologna zog, dann aber auseinan-der gieng. Weil aber aus dem schon gemachten Anfang zu er-sehe» war, wie das Concil den Pabst stellen würde, berief esJulius III. 1550 von Neuem nach Trient. Diesmal blieben diefranzösischen Bischöfe aus, zugleich bemächtigten sich die an Ge-lehrsamkeit alle andern Streiter für Rom weit überragenden undselbst mit der protestantischen Gründlichkeit wetteifernden Jesuitendes Ruders. Wegen des von Moritz begonnenen Kriegs gegenden Kaiser zerstob <553 die Versammlung nochmals. Erst Pius IV.ließ sie 1562 in Trient fortsetzen und im folgenden Jahre been-digen. Ihr Schluß war ein Anathem: Verflucht seien alleKetzer! — Die Beschlüsse der Trircntiner Synode nahm manin den meisten katholischen Ländern ohne weiteres an; in anderngewannen sie stillschweigend und mit der Zeit Geltung, nur inFrankreich erlaubte man sich einige Schranken zu ziehen, welchenatürlich später auch fielen. Von größter Wichtigkeit war, daßder zuletzt genannte Pius IV. schon im Jahre 1564 das tridcn-tinische Glaubensbekenntniß aufsetzen ließ und von allen Geist-lichen einen Glaubenseiv auf dasselbe verlangte. Damit destorascher die tridcntinischen Errungenschaften in das katholische Volkeindrängen, befahl Pius V. 1566 die Ausarbeitung des römischen(tridentinischcn) Katechismus zur Nachachtung für alle katholischenPfarrer, und ließ zugleich, damit Niemand weiter daran rüttelnund deuteln möge, einige Beschlüsse noch schärfer bestimmen.Zum Ueberfluß erhob Gregor XIII derselbe, dem wir die Ver-besserung des Kalenders verdanken, 1572 den Katechismus vonTrident zum symbolischen Buch der römischen Kirche. Soerhielt dieselbe in Trient die Gestaltung ihres Lehrbegriffs, Ver-fassung und Disciplin, nach den Grundsätzen Gregors VII. undJnnocenz III., wie sie mit eiserner Consequenz bis auf unsereTage geblieben ist. — Was die innere Geschichte dieser Synode
betrifft, so wurde die Transsubstantiation genau festgesetzt, derAblaß mit all seinen Folgen, der Cölibat, das Klostergelübdeu. f. w. bestätigt, die Hierarchie vollständig ausgebildet, die Aus-legung der h. Schrift wurde nicht an das freie selbständigeForschen und die Fortschritte der Wissenschaft geknüpft, sonderneinzig an das Urtheil der Kirche, demgemäß die Vulgata, (d. h.rie ältere latcin. Bibelübersetzung, aus welcher sich »ach geschehe-ner Aenderung einige abweichende Lehren der römischen Kircheleiten lassen,) für allein authentische Ucberseßung und Norm beimöffentlichen Gebrauch erklärt, die Tradition oder mündliche Ueber-lieferung sollte auch als Quelle des Glaubens neben die heil.Schrift gestellt werden; selbst die Auslegung der tridentinischcnBeschlüsse behielten die Päbste sich vor. Andere Lehren z. B.von der Erbsünde ließ das Concil aus guten Gründen — weilnämlich einzelne Orden noch darüber im Streit lagen — unent-schieden. Charakteristisch für die Theologen der Zeit ist übrigensauch, daß zuletzt fast nur noch Deutsche init ihrer gewohntenGr ündlichkeit aushielten, während andere Nationen längst dieVersamnilung verlassen hatten. Ein altes Bild, welches eine ge-treue Abbildung der versammelten Kirchenfürsten und Gesandtengibt, wird in St. Maria Maggiore noch aufbewahrt und demReisenden gezeigt. Die übrige Geschichte der Stadt Trient istnicht gleich wichtig. Schrecken und Entsetzen verursachten die1703 und 1735 einfallenden Franzosen. Als bei dem erstendieser Einfälle der Marschall Vendomc 1703 die Stadt hart be-drängte, that der Magistrat und Bischof ein Gelübde, das nachihrer Befreiung durch Errichtung des der Peterskirche in Romnachgebildeten Hauptaltars im Dom gclösct ward. In der zwei-ten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stieg die Macht des kleinenStaates noch fortwährend. Die französische Revolution führteauch hier einen traurigen Wendepunkt herbei. Man müßte zu-viel in das Einzelne eingehen, wollte man angeben, wie Trientmehrmals der Plünderung ausgesetzt und gcbrandschatzt war,bis es 1803 bei der allgemeinen Säkularisation der Hochstiftcrunv anderer geistlicher Besitzungen an Oesterreich fiel. Erst 1805kam eö an Baiern, 1809 waren blutige Scenen in der Nähe;erst als am 22. April Leiningen, vom Landsturm unter Hofer'sOberleitung unterstützt, gegen Trient vorrückte, erst als in einigenkleinern Gefechten die Bauern als Hauptstütze der Oesterreichererschienen, und die Fortschritte des Erzherzogs Johann in Italienbekannt wurden, räumte der französische Feldherr Trient. Daraufim I. 1813 fiel Trient an seinen alten Landesherrn; es wurdetheils seiner Lage wegen, theils um es für erlittenes Ungemachzu entschädigen, Sitz des Kreisamtes Trient, sodann eines Kol-legialgerichtes erster Instanz — (eö gibt deren überhaupt alserste Instanzen der Gerechtigkeitspflegc drei im Lande: zu Botzen,Trient und Rovercdo), auch ein Oberpolizeikommissariat, ein voll-ständiger Stadtmagistrat kam hierher. Die Garnison ist stehend.Trient scheint sich nach den großen Verlusten in der Revolutionwieder so weit erholt zu haben, als bei jetzigen Zeitumständen