Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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tcn. *) Das Histörchen ist an zwei Gebauten ver Stadt, wover kleine Simon gewohnt und wo die Mordthat verübt wurde,in Stein versinnlicht. Zwei alte Juden schnüren ihm mit einemlangen Handtuch die Kehle zu, während ein altes teuflisches Weibdem in einer Schüssel stehenden Knaben mit einem langen Stiletrecht vorsichtig die Seite öffnet, damit nichts von dem Blut ver-loren gehe. Den armen Juden ist es nach dem Tode des klei-nen Simon in Trient schlecht genug ergangen, und da sich zugleicher Zeit eine ähnliche Geschichte bei Innsbruck zugetragen,(der heil. Andreas aus dem Dorfe Rinn,) so gab dies dasZeichen zu ihrer völligen Ausrottung. Man kann die vertrockne-ten Züge der kleinen Mumie nicht ohne innere Schauer betrach-ten, da sie gleichsam schmerzhaft verzogen zu sein scheinen, soz. B. der schiefe, geöffnete Mund, der die kleinen Milchzähnedes Kindes weiß und glänzend sehen läßt. Der Körper warmit schwarzen Flecken bedeckt, die von dem unterlaufenen Blutan den Stellen, wo die Nadeln eindrangen, herrühren sollen.Jedenfalls ist an dem Kleinen ein Gräuel verübt worden, umsrommen Wahn zu nähren und Fanatismus zu erregen. Derarme Simmerl von Trient, wie ihn das deutsche Landvolk nennt,muß sich jetzt an seiner vielhundcrtjährigen Heiligkeit für dieschmerzvollen Qualen einer frühzeitigen Sterbestunde schadlos zuhalten suchen." Man zeigt außer dem Leib des Kindes auchnoch die Marterwerkzeuge, durch die es starb, den Schaulustigen.Eine hölzerne Tafel bewahrt Wappen und Name» der Helden,welche unter Kaplers Anführung 1487 über die Benetianer beiCalliano siegten. In der Borstadt besucht man die KircheSan Martino, die auf dem Hochaltare ein Bild ihres sterbendenPatrons trägt, das für ein Meisterstück von Cignaroli gilt.Sehenöwerthe Gemälde trifft man auch in der Kirche des Semi-nars, die einst den Jesuiten gehörte, und in der Art wie diemeisten Bauwerke dieses Ordens ausgeführt ist. Unter denübrigen Bauten steht voran das Schloß buon vonsiKlio, ehe-mals die Wohnung der Fürstbischöfe von Trient. Es hat, wiedie beiliegende Ansicht zeigt, einen sehr großen Umfang, liegtaber jetzt zum Theil in Trümmern. Was noch davon erhaltenist, verdient alle Aufmerksamkeit des Reisenden, besonders findetder Kunstfreund darin einige ausgezeichnete Decken- und Wand-gemälde. Außerdem glänzen einige herrliche Paläste in Trient,die ungemein viel dazu beitragen den Anblick der Stadt zu ver-schönern. Auch bewahren einige derselben Bilder und andereKunstwerke vom größten Belang, wir können jedoch die Namendieser Paläste hier füglich übergehen. Die Gasthöfe der Stadtprangen schon ganz in italiänischer Einrichtung; man empfiehlt

Es gehört zu den abgeschmackten Ueberlieferungen, die sich sonstauch in Deutschland erhalten, daß die Juden zu manchen ihrer h.Gebräuche das Blut unschuldiger Christcnkinder haben mußten, diesie dann heimlich einfingen und zu Tode marterten. Einige mittel-alterliche Judenverfolgungen hatten in ihrem Entstehen ähnlicheSagen zum Vonvande.

dieEuropa." Zur geselligen Unterhaltung dient das nicht weitvon diesem Gasthof gelegene Theater, dann verschiedene Casino's,worunter Eins der Adligen nicht fehlt, die sich sehr erclusiv hal-ten sollen. Für Unterricht in den Wissenschaften sorgen ver-schiedene Anstalten. Wir erwähnen l) daS theologische Seminarvon 4 Jahrgängen. Vor dem Eintritt muß der Zögling derkatholischen Theologie den zweijährigen philosophischen Cursusdurchgemacht haben. Nur die zwei Bischofsresidcnzen, Trientund Briren, genießen das Borrecht einer solchen Hochschule, derBischof hat die oberste Leitung für sich behalten, und blos ge-weihte Priester können als Lehrer eintreten. Die Lchrgegenständesind die gewöhnlichen theologischen Studien: Kirchcngeschichte,Ercgese, Dogmati? u. s. w. Die Mittelzahl der Studirenvenbeträgt im Durchschnitt jährlich hier 180, die Zöglinge aber sindtheils Deutsche, theils Jtaliäner, deren Zahl wechselt; 2) dasGymnasium der Stadt von sechs Klassen, zusammen mit ungefähr300 Schülern. Es wird gleich dem zu Rvvcredo von Weltgeist-lichen versehen, während das zu Briren von den AugustinerChorherrn zu Ncustift, das zu Meran von Benediktinern, dasakademische Gvmnasium zu Innsbruck von den Jesuiten besorgtwird. Letzteres ausgenommen, haben sämmtliche Gymnasien vonTyrol gleichen Schnitt, weswegen wir der Kürze wegen unsreLeser auf das verweisen, was bei Briren über diese Anstaltenschon bemerkt wurde. Trient leitet eine der drei Hauptdiöcesendes Landes, es gehört italiänisch Tyrol unv der deutsche Kreisan der Etsch dazu. Der hiesige Bischof ist mit dem von Bri-ren als Suffragane dem Erzbischof und Metropolitanvon Salzburg untergeordnet, indessen ist das Verhältniß fast nurEhrensache. Sie werten vom Landesherrn ernannt, vom Pabstconfirmirt. Seit die Bistkümer Trient und Briren 1804 säku-larisirt wurden, so daß sie nicht mehr Reichsfürstenthümcr waren,wurden die Gehalte der Bischöfe auf ein Einkommen von etwa20,000 Gulden gesetzt, welches die Regierung ihnen bezahlt, dieihnen auch den Fürstentitel beilegt, gewöhnlich bei der Ernennungund als einzige Erinnerung an einstige weltliche Macht. Diesim Vorübergehen. Auf die Bildung der Jugend in den genann-ten zwei Anstalten hat weder ein auswärtiger Geistlicher, wieetwa ver Erzbischof von Salzburg, noch auch die RegierungEinfluß; die Stimme des Oberhirlen entscheidet fast einzig. Un-ter den übrigen Lehranstalten sind eine Normal-, eine Mädchen-schule und andere Institute hier. Auch für Erziehung armer,verwaister Kinder, wie für die Unterstützung arbeitsloser ältererPersonen wird mit liebevollster Bereitwilligkeit Sorge getragen. Als wohlthätige Anstalt muß ein Armen- und Krankcnver-pflegungsinstitut (LonAreKi,?iono äi caritil) genannt werden,welchem ein Stadtspital, ein männliches Waisenhaus, (die soge-nannte Stiftung Crosina) ein Mädchenwaisenhaus und ein Ar-beitshaus untergeordnet sind. Drei Buchhandlungen und zweiBibliotheken, deren Eine dem bischöflichen Seminar eigen, be-friedigen die literarischen Bedürfnisse, man wird nicht leicht ein