Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Trient heißt latein. Irillentum, welchen Namen sie vonIriävns, dem Dreizack Neptuns erhalten haben soll, italiän.Ironto. Sie liegt an der schiffbaren Etsch, r^lligo) 638 Fußüber dem mittelländ. Meere und ist von hohen Gebirgen umfaßt.Geographische Breite 46°, 4', Länge 28°, 43', 36". DasKlima der Stadt und Umgegend ist gemäßigt, daher rings aufallen Höhen sich die schönste Vegetation zeigt und die Traube soköstlich reift, daß man behauptet, Trient gewinne in guten JahrenKorn für drei Monate, Wein für drei Jahre. Schön ist dieUmgegend durch geschmackvolle, mitunter prächtige Villen; die imHerbst besonders benutzt werden. Die Stadt ähnelt in der erstenAnlage einem Herzen. Sie bat etwa eine Meile im Umfang.Die großen Mauern sollen in der Zeit der Gothenhcrrschaft ge-baut sein. Die Zahl der Häuser, wovon viele aus röthlichemund weißem Kalkstein erbaut sind, mag 866, die der Einwohnerüber l 3,666 betragen. Trient hat fünf Thore. Nördlich führtdie ports San Dlartino nach Botzen und Innsbruck, westlich diepolt» San 4,ore»?o in das Sarkathal gegen Brescia und Mai-land hin; südlich die Ports 8ant« Lroev nach Roveredo, (Nove-reith) um? östlich die ports ckoll' sguila nach Bassano hin. End-lich kommt man durch die ports nuova auf angenehmem Spazier-gang zu der Höhe des Klosters San Bernadino, wo man dievorhin geschilderte Aussicht auf die Stadt und Gegend genießt.Die eigentliche Stadt zeigt große Häuser, breite mit Trottoirsversehene Gassen die schönste heißt oonlracla larZ» auchsechs Hauptplätze; der sehenswertheste derselben ist der vor derDomkirche, (pls?üs Hisnllo) geziert mit einem schönen Marmor-brunncn, den seine mythologischen Figuren oben an Neptunmit dem Dreizack! -- kenntlich machen. (Wir finden diesenBrunnen auf der beiliegenden Ansicht des Domes selbst.) Trienthat 15 Kirchen, nämlich die drei Pfarrkirche»; Dom, St. Peterund St. Maria Maggiore mit eingerechnet. Wir betrachtendiese zuerst. Der D o m ist zwar kein eigentliches Baukunstwerkim höhern Sinne, dazu fehlt ihm die Einheit des Ganzen, (diewir an einem solchen als nothwendiges Erforderniß voraussetzen;und wenn auch die Einzelheiten schön sind, so bleibt er doch einGemisch vcrschiedner Bauarten!) doch ist es das größte gothischeGebäude in ganz Tyrol und würde schon dadurch unsere Auf-merksamkeit anziehen. Völlig ausgebaut ist nur die dem Dom-platz zugewendete Seile, wenn gleich das Ganze vor mehr als866 Jahren, unter Ulrich U. um l648 begonnen ward. GothischeBauart herrscht bei dem Hintcrtheil vom Haupteingange bis zumHochaltar, hier wird das Gewölbe auch von riesenhaften Säulengetragen. Wie in St. Peter zu Rom, steht der Hochaltar inder Mitte und von allen Seiten frei, über ihm wölbt sich einschön verzierter Marmorbaldachin, den 4 Säulen tragen. DieBeleuchtung fällt durch die Kuppel. Die kleinere Hälfte, näm-lich der Vordcrtheil, bildet dem Baustyl nach einen Gegensatz zujener. Vcrschiedne Gemälde in der Kirche und Sakristei sindsehenswerth, desgleichen das Grab des Feldherrn von Venedig

Sanscverino. Seit 12 Jahren hat man eine jährlich zu ver-wendende Summe ausgesetzt, um den Dom allmählich zu vollen-den. Ein schönes und großes Crucifix soviel mir bekanntdas in der Seitenkapellc gilt als der berühmteste Gegenstand,zu dem man in Südtyrol Wallfahrten macht, und es geht dieSage, daß dieses Cruzifir zur Zeit des Conzils bei einer gewissenFrage seine Zustimmung durch Kopfnicken ausgedrückt habe, unddaß demselben von Zeit zu Zeit der Bart wachse. Die zweitePfarrkirche St. Maria Maggiore schließt sich an den Doman, sie ist es, in welcher die Kirchcnversammlung gehalten wurde,der Trient seine welthistorische Bedeutung verdankt. Man siehtdaselbst eine getreue Abbildung sämmtlicher Geistlichen, welchediese Versammlung abhielten, und der päpstlichen Mackt in ihrenBeschlüssen eine neue Stütze schufen. Berühmt ist in dieserKirche die große Orgel, im I. 153l gebaut, allein 1819 durcheinen Blitzstrahl beschädigt, wobei mehrere Pfeifen zerschmolzen.Von dieser Orgel sagt Lewald in seiner Weise Halbwahresund Sagenhaftes durcheinander:Die Orgel in St. MariaMaggiore war ein bewundernswcrthes Meisterstück, von dem viel-fältige Sagen berichtet werden, daß der Teufel dem Erbauer da-bei geholfen habe, ist eine so gewöhnliche bei allen merkwürdigenHervorbringungen des Mittelalters, daß es fast überflüssig ist,sie hier zu erwähnen. Interessanter ist die, daß die Trientiner denMeister blenden ließen, um ihm dadurch die Mittel zu benehmen,jemals wieder ein ähnliches Werk zu schaffen. Dieser aber batum die Gnade, noch einmal, geblendet, zur Orgel geführt zuwerden, um einem kleinen Mangel abzuhelfen, den er nur alleinkenne, und ihr dadurch die höchste Vollendung zu ertheilen. Alsihm seine grausamen Mitbürger willfahrten, ergriff er ein scharfesInstrument und zerstörte schnell einige Pfeifen, und würde dieOrgel vernichtet haben, wenn er nicht sogleich in den Kerker ge-bracht worden wäre." Diese Wandersage wird auch von demMeister Jsaak Habrecht berichtet, der die kunstvolle Uhr imStrasburger Münster verfertigte und paßt auch weit eher dorthin,weil sich wohl durch Zerschneiden eines einzigen Drahtes in einerUhr leicht der Lauf eines Räderwerkes hemmen, aber eine Pfeifeeiner großen Orgel nicht eben so leicht zerstören läßt. WennLewald weiter sagt, die Orgel sei durch Blitz in Asche gelegtworden, so ist dies, wie oben bemerkt, nur von einigen Pfeifenzu verstehen. Noch in ihrem jetzigen Zustande ist die Orgel eineder besten in Italien und ihre Register ahmen besonders andreInstrumente, als Flöten, Posaunen, Clarinetten und d. gl. vor-trefflich nach. Die Kirche zu St. Peter ist berühmt durchdie Kapelle äi San Simonin, dieser war ein Knabe, den dieJuden im Mittelalter aus Haß gegen die Christen im HauseSalvador) zu Tode gemartert haben sollen. Lewald bemerkt:Wir sehen in St. Peter den kleinen St. Simonin von Trient,den dreijährigen Knaben, der nun schon viele hundert Jahre inseinem Glaskästchen liegend, angebetet wird, weil ihn einst dieJuden zu Tode gemartert haben sollen, um sein Blut zu erhal-