Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Trient.

^^ehr mannichfach und romantisch sind die Ansichten,welche das Etschthal dem Wanderer bietet; bald fällt es inschroffen, hohen Felswänden unmittelbar ab, bald erscheint derRand des Thals als ein unregelmäßiges, niederes Berglanv,und je mehr man gegen Trient kommt, desto reicher angebaut,desto anmuthiger mit zahlreichen Edelhöfen ausgeschmückt. Eigen-thümlich sind die meisten größcrn Alpcnthäler, die in das großeEtschthal einmünden, geformt; im untern Theil mehr enge undspaltenartige Qucrthäler, indeß sie sich nach oben als üppigeHochwirsen auszubreiten pflegen. Der Anblick der Stadt Trient,wenn man sie von der Thalseite aus zuerst sieht, wird von vielenReisenden als überraschend geschildert, während Andre dagegendie Aussicht von dem Kloster St. Bcrnardino, das aus einerder östlichen Höhen gelegen ist, überaus schön und mannichfaltigfinden. Hartwig sagt in seinen Briefen über Tprol:Dichtunter diesem Standpunkte liegt das alte, leider schon sehr ver-fallene, weitläufige Kastell, ehemals die Residenz des Fürstbischofs,mit einigen noch gut erhaltenen architektonischen Ueberresten;darüber hinaus breitet sich die nicht unbedeutende Stadt amlinken Etschuser mit zahlreichen Kirchen und Thürmen aus, vonderen letztern mehrere aus der Zeit des Mittelalters in viereckigerForm, von Backstein aufgeführt, durch ihre bedeutende Höheimponiren. Am rechten Ufer des Flusses erhebt sich, auf dreiSeiten von diesem umspült, ein gewaltiger Felsblock mit ebenerOberfläche wie ein kolossaler 3400 Fuß hoher Würfel geformt,der, für Trient so charakteristisch bezeichnende ckosso üi Ironto; einst die uneinnehmbare, römische Feste Vonuca, zu einerCitadelle wie geschaffen. Unmittelbar dahinter, doch scharf davonabgesondert, steigt die Felswand des rechten Thalrandes auf,und man erkennt von unserm Standpunkt aus kaum den, indas Sarca-Thal führenden Engpaß von Cadine, welcher der

Sage nach von demheiligen Vigil" dadurch gebildet wurde,daß er mit den Händen die Felsen auseinander schob. Etwaslinks von «losso äi Irento sehen wir deutlich das silberne Banddes Wasserfalls von Sardagna, der sich in einer Höhe von über500 Fuß senkrecht herabstürzt. Als Hintergrund dieses schönenBildes steigen endlich die malerischen, lange tief in Schnee ge-hüllten Bergriesen der Kette von Tarlago und des Nonte Lonäonezum tiefblauen Himmel auf, während der Blick gegen Nordenüber die Tbalebene fort, durch die Bergzüge an der Rochettaund gegen Süden durch die fernen Schneegipfel der Berge vonRoveredo, und darüber hinaus von dem klonto Lsläo begränztwird." In dieser anziehenden Schilderung des geistvollenReisenden haben wir eine Aussicht vor uns, die der Fremde janicht zu genießen versäumen darf, wenn er sich ein paar Tagein Trient verweilen kann. In dieser Stadt drängt sich überallund unwillkührlich das italiänische Leben auf; in andern OrtenTyrols z. B. in Botzcn, bört man noch mehr deutsche Klänge,hier ist das selten und die deutsche Sprache beinahe ganz vomItaliänischen verdrängt. Sonderbar ist auch eine große Mengevon Mischwörtern, wie sie vom Volke bisweilen gebildet werden,wo sich zwei Hauptsprachcn nahe berühen, so z. B. i orsuti,(Kraut oder Gemüse,) il trsZor, (der Bote oder Träger vonKleinigkeiten,) il waKorle, (kleiner Wagen,) >1 lisler, (Tischleroder Schreiner,) il Stosse,-, (Schlosser) u. s. w. Das hier üb-liche Italiänisch ist ein eigener Dialekt, Kenner wollen finden,daß es mit dem in Golroni's Lustspielen vorkommenden diegrößte Aehnlichkeit habe. Der Gewerbsmann, zumal wenn erzugleich Händler ist, braucht im Verkehr auch das deutsche, sprichtes aber unsicher, mit seltsamem Ton und sehr ungern. Gebildetesind wie überall in solchen Gränzstädten der beiden Sprachengleich mächtig. Die Stadt