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Hochgeschätzte Trauerversammlung!
Mit innigster Wchmuth eines cnipfindlich gerührten Herzens bin ich jetztan diese Stelle getreten. Ein schneller und schmerzhafter Todessall giebt hierzudie betrübte veranlaßung. Gott, der wundersam ist bei seiner allgemeinenWeltrcgicrung, wundersam bei der Bestimmung der menschlichen Schicksale,wundersam in seinem Heiligthnme, Gott, der unsere Tage in seinem heiligenRaths von Ewigkeit her geordnet und auf sein Buch geschrieben, Gott, der dieZeit, den Grt und die Art nnsers Todes schon längst, nach seiner frepcn Weiß-hcit und Güte, feste gesetzt, Gott hat den wcyland Hochwohlgebohrncn Herrn,Herrn Heinrich Carl von Tümpling, Erb--, Lohn- und Gericktshcrrn auf Tümp-lingen und Blösien, der Bischöflichen hohen Stifts Kirche zu Merseburg hoch-erwählten und bestätigten Domprobst, auch Herzoglich Sächsischen GothaischcnAltenbnrgischcn Steucr-Gber-Einnehmer des Lisenbergischcn Kreises, vor drepenTagen, in den frühen Morgenstunden, aus der Seit in die Ewigkeit ab-gerufen.
Es hat hicrbey jener ewigen Vorsehung nach ihrem verborgenen Rathsin Gnaden gefallen, diesen vcrehrungswürdigcn Groiß sehr schnell und un-vermuthot von unfern Häuptern zu nehmen und hierdurch diesen, an sich schonhöchst betrübten, Traucrfall seinem Hochadelichen Hause, und uns allen, nochbetrübter zu machen. Denn eben zu der Zeit, da wir freudig hofften, diedrohende Gefahr eines nahen Todes sey nun, wenigstens noch eine Seit lang,glücklich entfernt, sinkt Er plötzlich, ohne Kraft und Leben, darnieder. Ebenzn der Zeit, da Er durch die Macht der göttlichen Gnade gcstärckt und munterschien, da Er im Begriff war eine nöthige Reise zu unternehmen, heißt Ihnder Herr über Leben und Tod schnell in seinem zeitlichen Laufe stille stehen,eine wichtigere Reise antreten und plötzlich ausrufen: ich gehe dahin dosWegs, den ich nicht wieder komme! nun ist's vollbracht, Welt gute Nacht!
Jetzt sind wir gesonnen, die erblaßten Gebeine dieses hochverdientenVaters zu ihrer stillen Grabesruhe zn begleiten, und Sic, hoch- und werth-gcschätzte Loichcnbegleiter, werden mir gnädig und hochgencigt erlauben, Ihnenvorher
die guten Absichten des guten Gottes boy den plötzlichen Todesfällenseiner Kinder
kürzlich vor Augen zu stellen.
Daß alle Dinge unter der Sonne, daß alle Vorfälle des gegenwärtigenLebens durch eine weise Einrichtung joner ewigen Gottheit regieret und ge-ordnet werden, daß der Herr insonderheit das Ziel unserer Monden nnd dieDauer unsrer irdischen pilgrimschaft bestimme, daß er die Menschen zn derStunde und an dem Vrte sterben lasse, da es ihm wohlgcfällt, daß jener großeBeherrscher Himmels und der Erden hierbep überall weise, gute und heiligeAbsichten hege: daran lassen uns Vernunft nnd Vffenbarnng nicht den ge-ringsten Zweifel übrig. Beyde stellen uns den majestätischen nnd verborgenenGott als die höchste Weißhcit und als die höchste Güte vor Augen. DieWeißhoit kann nicht ohne kluge und wohlüberlegte Absichten, die Güte kannnicht ohne sichre uud häufige Gnadenbezeigungen bestehen. Es muß daher