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allemahl gleich gebührend zu fassen, wenn ihm ein Unglück schnell und wideralles vcrmuthen begegnet; dahingegen anch schwächere Kräfte dasselbe weiteher zu ertragen vermögend sind, wenn man solches lange vorher gesehen.
Das Ende des gegenwärtigen Lebens, der Uebergang aus der vergäng-lichen Zeit in die unvergängliche Ewigkeit ist ohnstreitig die größte und wich-tigste Veränderung, welche der sterbliche Mensch erführet. Die natürliche Liebezum Leben, welche der Schöpfer in unsere Brust gelegt, die Sünde, welchedie Ursache des Todes ist, die schmerzhaften Empfindungen, welche meistensvor dieser letzten Trennung vorhergehen, die furchtsame Ungewißheit, was derscheidende Geist noch zuletzt fühlen, was er nach seinem Ausgange ans demsinkenden Körper erfahren werde, das offene Grab, die modernde Verwesungund andere mit dem Tode unzertrennlich verbundene Umstände machen demnatürlichen Menschen, er sey auch wer er wolle, diese Veränderung bitter undschreckhaft.
Irdische Weisheit hat keine bewährten Mittel wider die Bitterkeiten desTodes, wider die natürliche Furcht vor dieser unvermeidlichen Trennung, siestellt uns den Tod als das Schrecklichste unter dem Schrecklichen vor Augen.Sie unterwirft sich daher seiner unumschränkten Gewalt nicht ohne Zittern.Selbst in den heiligen Büchern heißt er ein König des Schreckens und auchdie stärksten Glaubcnshelden haben ihre natürliche Schwachheit an den finster»Thoren des Todes gar merklich empfunden.
Allein, o wie sehr zittert die Seele, wenn sie diese wichtige Veränderungplötzlich übereilet? Wie sehr vermehren sich Furcht und Granßen in unserniGemüthe, wenn wir das schwarze Thal des Todes zu der Stunde betretenmüssen, da wir begehrten und hofften, noch länger zu leben, da wir diesenschweren Gang am wenigsten vermuthet, da wir uns wohl gar noch nichtzu dieser großen Reise geschickt gemacht? Wer ist wohl von einer so un-bewegliche» Standhaftigkeit, daß er die schreckliche Botschaft! die Zeit der be-stimmten Monden ist kommen! Das Grab ist da! ganz ohne alle Bewegunganhören kann? Wer erschreckt nicht, wenn er von einein geschwinden Todes-fälle Nachricht empfängt? Wer fühlet nicht eine empfindliche Rührung inseinem Gemüthe, wenn sein Freund, sein Bruder, sein Nachbar, plötzlich nebenihm darniedersinket, und Geist und Leben, in einem Augenblicke, verlieret?
Vernunft und Vffenbarung fordern in solchen Fällen eine stille Uebcr-legung. Sie geben uns dadurch eine heilsame Anleitung, desto ernstlicher anunsere Bahre zu denken, wenn wir einen Andern auf seiner Bahre erblicken,der wohl vor wenig Stunden, oder doch wenig Tagen, noch so munter, so starkund gesund gewesen, als wir uns gegenwärtig befinden. Denn wir habendiesfalls alle einerlei Schicksal, Reiche und Arme, ksohe und Niedrige, Edleund Unedle, Gelehrte und Ungelehrte, Junge und Alte, haben alle einerleiaus diesem flüchtigen Leben und Niemand unter uns weiß, wie nahe ihmjener wichtige Augenblick sey, der die unsterbliche Seele von dem sterblichenLeibe trennet, der den ewigen Geist wieder zu dem zurück führet, der ihn ge-geben hat, der uns läßet gebohren werden und der uns am Tage des Todeszuruft: kommt wieder Menschen Kinder.