lauerthor (1726—1736), welches letztere bei der preußischen Belage-rung im I. I74l niedergebrannt wurde. Im ersten schlefischen Kriegewiderstand Neiße der preußischen Belagerung im Januar 1741 so tapfer,daß es ein Belobungsschreiben von Maria Theresia erhielt; gleich-wohl kam es schon am I. November desselben Jahres durch Kapitula-tion in die Hände der Preußen, welche die Festungswerke bedeutenderweiterten, so daß es im siebenjährigen Kriege eine heftige Beschießungund Belagerung der Oestreicher unter General Harsch (vom 24. Aug.bis zum 3. November 1758) auszuhalten vermochte. Noch während derschlcsischen Kriege (im I. 1745 war die nordwestliche, am linken Neiß-ufer gelegene Vorstadt mit bedeutender Unterstützung des Königs wie-der aufgebaut worden und erhielt den Namen Friedrichsstadt.
Einige Jahre nach geschlossenem Frieden fand zu Neiße die denk-würdige Zusammenkunft Kaiser Josephs II. und Friedrichs des Großenstatt (am 28. August 1763). Hierauf folgten für die Stadt ruhigereZeiten bis zu dem unglücklichen Kriege mit Frankreich im I. 1866. Be-reits am 23. Februar 1807 ward Neiße durch ein WürtembergischesHeer unter General Vandamme und Generallicutenant von Seckcn-dorf eingeschlossen und sodann vom 16. April bis zum 30. Mai fastununterbrochen aufs heftigste beschossen, wodurch die Häuser und öffent-lichen Gebäude, namentlich die Kirchen, bedeutende Beschädigungen er-litten , und das ehemalige Collegium und die Kirche der Jesuiten ange-zündet wurden. Am 16. Junius ging endlich die Stadt durch Kapitu-lation in die Hände des Feindes über und ward von den feindlichenTruppen auch noch nach dem Tilsiter Frieden bis zum 12. November1808 besetzt gehalten. Wenige Jahre nach der Wiederbesitznahme Preu-ßens erfolgte im I. 1810 die Aufhebung der geistlichen Stifter undKlöster, deren Gebäude hier fast durchaus zu militärischen oder Ge-meinde-Zwecken benutzt worden find.
Die Stadt Neiße hatte im I. 1842 nebst der, durch den Ncißflußvon ihr getrennten Friedrichsstadt im Ganzen 11148 Einwohner, worun-ter 8926 katholische, 1936 evangelische, 286 jüdische; ferner: 567 Pri-vatwohnhäuser (davon 483 in der eigentlichen Stadt), 79 öffentlicheGebäude (worunter 6 Kirchen). In der Bauart herrscht durchaus dieGiebelform vor; die Häuser find alle von Stein, hoch und statt-lich gebaut, die Hauptstraßen regelmäßig und breit. Unter den nicht-kirchlichen öffentlichen Gebäuden der Stadt nimmt die im neurömischenBaustil zu Anfang des 18. Jahrhunderts aufgeführte ehemalige Fürst-bischöfliche Residenz *) wohl die erste Stelle ein, demnächst dasin den Jahren 1709 — 1722 erbaute Jesuiten-Collegium, dessengeräumige Lokale jetzt dem K. katholischen Gpmnasium und der Bür-gerschule überwiesen find. Das im älteren Stil erbaute Rath Hauszeichnet sich blos durch seinen, wohl an 300 Fuß hohen, schlank em-porsteigenden Thurm aus, der einer der höchsten und stattlichsten desganzen Landes und im I. 1499 erbaut ist. Unter den Kirchen ist vorallen die katholische Pfarikirche zu St. Jakob zu nennen, — ein groß-artiger und imposanter gothischer Bau mit rcichbethürmtcn Vordergiebel.Das Innere enthält drei gleich hohe Schiffe, deren kühne Wölbungenvon zwei Reihen schlanker steinerner Pfeiler getragen werden, und machtauf den Eintretenden durch den reichen Ausschmuck seiner zahlreichenAltäre und Seitenkapellen, so wie durch seine aus Erz und Stein ge-arbeiteten Denk- und Grabmäler, seine Statuen und Gemälde, einentiefen Eindruck. Unter den Gemälden sind mehrere von Willmann, unddarunter eine Schindung des h. Bartholomäus, die an grausenhaftcm
Die ist icpt Sip des K. Zürstenllmms-Gcrichts.
Effect alle ähnlichen Compositionen dieses vaterländischen Meisters weitüberbietet. Einer herkömmlichen Angabe zufolge soll diese Kirche be-reits in den Jahren 1192 — 1133 gegründet und aufgeführt worden sein;allein ihr jetziger Bau läßt sich gewiß nicht weiter als bis in die zweiteHälfte des 13. Jahrhunderts hinauf datircn, auch wird sie in den NeißerUrkunden erst im I. 1298 als bestehend erwähnt. Sehr beschädigt wurdesie bei dem großen Stadtbrande des Jahres 1542. Damals ward nichtblos ihr Dachstuhl vom Feuer verzehrt, sondern auch ihr hoher, reich-bethürmter Vordergiedel stürzte ein und zerschmetterte einen Theil derGewölbe des Kirchenschiffs. Zwar wurde in den Jahren 1552 — 1553Gewölbe und Dach wieder hergestellt und letzteres mit Schiefer gedeckt,allein der Kirchengiebel mit seinen Thürmchen ward nicht mehr vonStein, sondern von Holz aufgeführt und mit Kupfer beschlagen. Nebender Kirche und nur durch einen schmalen Gang von ihr getrennt, erhebtsich der, seiner Anlage nach kolossale und von Quadern erbaute Glocken-thurm, der aber unvollendet und oben durch ein stumpfes Regendachvon Ziegeln geschlossen ist. Er wurde in der letzten Hälfte des 15. Jahr-hunderts begonnen und nach dreißigjährigem Bau zu Anfang des 16. Jahr-hunderts unvollendet gelassen. — An der Westseite der Stadt liegt dieim neurömischen Stil erbaute und mit 2 Doppelthürmen geschmückteehemalige Kirche der Kreuzherrn zuSt. Peter und Paul. DieKreuzherrn, die sich bereits zu Anfang des 13. Jahrhunderts in derAltstadt Neiße niedergelassen und daselbst die Kirche ölaiiae in rosis undein Hospital erbaut hatten, verließen die Altstadt, als diese durch dieHussiten im I. 1428 eingeäschert worden, und erbauten sich in der Neu-stadt am Salzringe im I. 1434 Kloster und Kirche zu Mariä Himmel-fahrt. Nach zweihundert Jahren indeß wurden sie durch die im I. 1622in Neiße eingeführten Jesuiten aus ihrer Kirche und ihren Stiftsge-bäuden verdrängt, und ihnen dafür das wüst stehende Minoriten-Klosternebst Kirche zu St. Peter und Paul am Ausgange der Brüdergasseübergeben, an deren Stelle sie in den Jahren 1719—1730 die jetztnoch bestehende Kirche nebst den stattlichen Stistsgebäuden aufführten.Das Innere der Kirche ist mit guten Freskomalereien, Gemälden, Sta-tuen und reichverzierten Altären geschmückt und macht eiuen durchausheitern und harmonischen Eindruck. Die Stiftsgebäude werden jetztals Hospital benutzt. — An der Südostseite der Stadt liegt die ehe-malige Jesuiten- jetzige Gpmnasial-Kirche. Sie wurde von denJesuiten mit bedeutendem Kostenaufwande und großer Pracht in denJahren 1683 — 1692 erbaut, und in der letzten Hälfte des 18. Jahr-hunderts nach Aufhebung des Ordens dem hiesigen katholischen Gpm-nasium überwiesen. Die überreich verzierte Fapade hat 2 Thürme, dieeinst zierlich durchbrochene Blechspitzen trugen. Als indeß während derfranzösischen Belagerung im I. 1807 durch das Geschützfeuer der Bela-gerer die Kirche in Brand gesteckt wurde, gingen auch die Spitzen derThürme zu Grunde und wurden nicht wieder hergestellt. Die daranstoßenden Gebäude des ehemaligen Jesuiten-Collegiums wurde»in den Jahren 1709-1722 aufgeführt, und in späterer Zeit, wie schonerwähnt, dem katholischen Gymnasium so wie der in neuester Zeit er-richteten Bürgerschule eingeräumt. Auch sie wurden während der fran-zösischen Belagerung im I. 1807, wo sie zu Magazinen benutzt waren,von den Belagerern angezündet. — Die Uebrigen Kirchen der Stadtfind von keiner Bedeutung.
Die an der Norwestseite, jenseits des Neißffusses gelegene Fried-richsstadt ist ebenfalls noch in die weitläuftigen Festungswerkemit eingeschlossen. Sie hat breite und regelmäßige Straßen und Plätze,aber außer der Dominikanerkirche, mehreren Kasernen und demgroßen Militärhospitale, keine öffentlichen Gebäude aufzuweisen.