Druckschrift 
8 (1850)
Entstehung
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^eisse.

^ie Stadt Neiße liegt am rechten Ufer des Neißflusses, der ausder Grafschaft Glaz herabkommcnd an der Nordseite der Stadt vor-überfließt. An seinem linken Ufer zieht sich ein Höhenzug entlang, derfast im Halbkreisbogen nördlich und östlich die Niederung umspannt,in welcher die Stadt mit ihren Straßen und Kirchen sich ausbreitet.Diese wird von der Biela durchstoßen, die vom nördlichen AbHangedes Altvaters her der Stadt sich nähert, dieselbe von Westen nach Ostendurchströmt und sodann jenseits derselben sich in die Neiße ergießt. Süd-wärts in zwei Meilen weiter Entfernung zieht sich die lange Kette desMährisch-Schlestschen Gebirges in blauen Wellenlinien entlang. DieStadt selbst kündigt sich schon von fern durch ihre stattlichen Kirchen undThürme als die vormalige fürstbischöfliche Stadt, als den eigentlichenSitz der Landesbischöfe an. Und dennoch ist sie nur noch ein Theil dergesammten früheren Stadtanlage. Sie bestand nämlich ursprünglichaus zwei Hälften: der Neustadt und der Altstadt. Die erstere war dasjetzt noch bestehende Neiße; die Altstadt dagegen bildete ein länglichesViereck, das dicht an der Südseite der Neustadt, in der Richtung vonOsten nach Westen, hinter dem Bischofshofe beginnend, am Zollthorvorüber bis a» das rechte Ufer der Biela, mit ihren ansehnlichen Kir-chen, Klöstern und Straßen sich hin erstreckte. Diese Altstadt eristirtseit 20g Jahren nicht mehr, und durch Anlage der Außenwcrke amZollthvr unter Friedrich dem Großen sind die letzten Spuren derselbenvertilgt worden.

Die frühere Geschichte der Stadt, die in älterer Zeit wohl nächstBreslau die bedeutendste des ganzen Landes Schlesien gewesen ist, liegtnoch sehr im Dunkeln, Die erste urkundliche Spur des Neißer Landes(leri-s öiissensls) findet sich im I. llgg, wo es der Herzog Boleslaw l.seinem Sohne, dem Herzog Jaroslaw von Oppeln verlieh, der es alsBischof von Breslau seinem Bisthum überließ. Die Stadt soll, nacheiner unverbürgten Sage bet Dlugosz, bereits von oem PolenherzogBoleslaw III. (st 1139) gegründet sein. Jedenfalls war sie schon vordem I. 1223 vorhanden und mit Flämischem Rechte begabt; denn indem genannten Jahre wird bereits ein Vogt der Stadt Neiße urkund-lich genannt. Seit jener älteren Zeit blieb es, mit Breslau abwechselnd,Sitz und Aufenthaltsort der Landesbischöfe, die durch Beförderung deut-scher Ansiedelungen und andere Einrichtungen den Wohlstand fördertenund dem Bisthum den Beinamen des goldenen erwarben. Währendder Hussitenkriege ward auch Neiße von einer Heerschaar fanatischerBöhmen heimgesucht. Zwar wurden ihre ersten Angriffe auf die Stadtdurch die mannhafte Gegenwehr der Bürgerschaft zurückgeschlagen, alleinbei ihrer Wiederkehr im I. 1433 legten die Hnssiten die Altstadt mitihren Kirchen, worunter die Kirche und das Hospital der Kreuzherrnzu Maria in Rosis, in Asche. Doch ward dieser Stadttheil bald wie-der aufgebaut. Denn bereits Bischof Rudolph I. verlegte das von Bi-schof Wenzel I. im I. 1386 zu Otmachau gegründete und dotirte Col-legiatstift in die Altstadt Neiße nach St. Johann, welche von nun an

den Namen der Altstädter Domkirche erhielt, und welcher sofort diedasigen Kirchen Mariä in Rosis und St. Nicolai einverleibt wurden.

Der Schluß des 15. Jahrh, war für Neiße durch die gewaltthätigeStörung des daselbst abgehaltenen Fürstentages denkwürdig, indemam 2iZ. Junius 1497 Herzog Nicolaus von Oppeln einen Mordversuchauf den Oberlandeshauptmann Herzog Kasimir von Teschen und denBischof Johann Roth unternahm, und in Folge dessen auf dem Markt-platze zu Neiße hingerichtet wurde. Die erste Hälfte des 16. Jahrhun-derts war durch verheerende Brände, welche einen bedeutenden Theilder Neustadt und Altstadt einäscherten, so wie durch die rasche Verbrei-tung der Lehre Luthers unter der Bürgerschaft, sehr folgenreich. DieUnterdrückung der letzteren gelang erst dem Fürstbischöfe Karl Erzher-zoge von Oesterreich, welcher im I. 1622 die Jesuiten in Neiße ein-führte und ihnen die am Salzringc belegenc Kirche und die Stiftsgc-bäude der Kreuzherrn zu Mariä Himmelfahrt nebst 17 daran stoßendenHäusern und großen Grund- und Güterbesitz überwies, die nun andieser Stelle die stattlichen, noch jetzt bestehenden Gebäude des Jesuiter-kollegiums und der Jesuiterkirche aufführten, zu deren Bau der Erz-herzog ihnen l 00,000 Thaler geschenkt hatte. Der dreißigjährige Kriegführte auch für Neiße die traurigsten Drangsale herbei. Nach einerharten Belagerung, vom 5. bis 16. Junius des I. 1642, wobei vieleHäuser der Stadt und unter andern auch die Kirche und das Seminarder Jesuiten durch das Geschützfeuer der Belagerer angezündet wurden,ward die Stadt den Schweden unter Lilienhöck übergeben, welche dieEinwohnerschaft auf eine unerhörte Weise aussogcn und brandschatzten.Zwar räumten die Feinde schon am 24. Julius die Stadt wieder, doch erst,nachdem sie dieselbe an allen vier Ecken angezündet. Um die Zeit deswestphälischen Friedens fing man endlich an, auf eine stärkere unv plan-mäßigere Befestigung der Neustadt (des jetzigen Neiße) zu denken.Demzufolge wurden bereits im I. 1643 die St. Katharincnkirche vordem Münsterberger-, die Begräbnißkirchc vor dem Breslauerthor unddie Magdalenenkirche vor der Brüderpforte, nebst vielen schönen Ge-bäuden, Gärten und Pflanzungen im Ganzen 900 Feuerstellendem Boden gleich gemacht; sodann, nachdem im I. 1650 das altstädterCollegiatstift nach der Neustadt in die Pfarrkirche zu St. Jakob ver-legt worden war, wurde im I. 1663 auf kaiserlichen Befehl wegendrohender Türkengefahr die gesammtc Altstadt geschleift und ihre Kirchendurch Bergknappen abgebrochen, so daß dieser bedeutende Stadttheilbis auf wenige Spuren verschwand. Der Schluß des 17. und der An-fang des 18. Jahrhunderts war in Neiße durch die Gründung bedeu-tender kirchlicher und weltlicher Gebäude bezeichnet. Dahin gehört derdurch große Geldsummen von Seiten des Fürstbischofs unterstützte Neu-bau der Jesuitenkirche (1688 bis 1692), eines Jesuiten-Collcgiums (1709)und eines Gymnasiums (1722), der Kirche der Kreuzherrn zu Peter undPaul (17191730), der stattlichen fürstbischöflichen Resivcnz auf derBischofgasse, und des großartigen kurfürstlichen Hospitals vor dem Brcs-