Vermittelung des Hohenstaufischen Kaisers Friedrichs Barbarossa im I.1163 das Land Schlesien den Söhnen des Polenfürsten Wladislaw über-wiesen wurde, ward das Land so wie Breslau für immer von Polengetrennt, und Breslau stand von nun an unter eigenen unabhängigenHerzögen, die auf der Dominsel in ihrer Hofburg (an der Stelle, woheute das Gebäude des Blinden-Instituts steht) ihren Sitz hatten. Dieseälteste Stadtanlage breitete sich anfangs auf der Dom- und Sandinselund auf dem daran grenzenden rechten Oderufer (dem damals so ge-nannten Elbing) aus, aber allmählig auch auf dem linken Ufer derOder, doch nur innerhalb des Raumes, der heute noch von dem Ohla-Flüßchcn umfloffen wird. Bereits hatte die Stadt mehrere Kirchen undKlöster aufzuweisen, die aber bei den wiederholten Stadtbränden, be-sonders bei dem zur Zeit des Tataren-Einfalls im I. l24t, in Aschegelegt wurden. Hierauf wurde in der zweiten Hälfte des lZ. Jahr-hunderts meist durch Unterstützung und reichliche Beisteuer der Herzögeder Bau des jetzt noch bestehenden Dom's, der Elisabeth-, Vincent-und anderer Haupt-Kirchen der Stadt unternommen und auch die Wohn-häuser der Bürger nicht mehr von Holz, sondern massiv von Backsteinenerbaut, während die Stadt selbst durch die Privilegien ihrer Herzögeund durch Handel und Verkehr immer wohlhabender und blühenderwurde. Nach dem Tode seines letzten Herzogs, Heinrichs VI., kamBreslau im I. 1335 unter die Oberhoheit der Lützelburgischen Königevon Böhmen. Unter diesen erwarb sich vor allen Kaiser Karl IV. großeVerdienste um die Stadt. Nach den großen Bränden in den Jahren1342 und 1344 sorgte er durch Unterstützung und Bewilligung großerVorrechte für ihren baldigen und schöneren Wiederaufbau, erweitertesodann die Stadt über die Ohla hinaus bis zu ihrem heutigen Um-fange, und erbaute in diesem neuen Stadttheil die große Kirche zuSt. Dorothea. Der Anfang des 15. Jahrhunderts wurde für die Stadtdurch einen langgenährtcn Zwiespalt zwischen dem Rath und der Ge-meine höchst verhängnißvoll. Ursache war die ausschließliche Besetzungder Rathsstcllen mit Patriziern und die Erhebung neuer Auflagen, ohnevon der Verwendung derselben der Gemeine Rechenschaft abzulegen.Eine im I. 1418 von Seiten des Raths ausgeschriebene Vermögens-und Einkommen-Steuer (Eidgeschoß) erregte endlich allgemeine Erbit-terung. Ein großer Theil der Bürgerschaft, namentlich die Fleischer,Kretschmcr und Tuchmacher erstürmten am 18. Juli 1418 das RathhauS.Sechs Rathsherrn wurden sofort ergriffen und vor dem Rathhause ent-hauptet; ein siebenter, der sich auf den Rathsthurm geflüchtet, warddort entdeckt und von der steinernen Gallerte des Thurmes in die Spießeder unten stehenden Aufrührer herabgestürzt; die übrigen entkamen.Sodann wüthete die wilde Rotte der Empörer gegen das Rathhausselbst, zerhieb Kisten und Kasten, vernichtete die alten Urkunden, Frei-briefe und Privilegien der Stadt, öffnete die Gefängnisse, und tobtefünf Tage sinnlos fort, worauf sie einen neuen Rath einsetzten. Wegender damaligen Wirren im Reich konnte erst Kaiser Sigismund bei sei-ner Huldigung in Breslau (am 6. Januar 1420) Untersuchung und Ge-richt über die Urheber jenes Aufruhrs halten. Drei und zwanzig der-selben wurden zum Tode verurtheilt und auf der kaiserlichen Burg vorden Auge» des Kaisers enthauptet, welcher zugleich festsetzte, daß der
Rath der Stadt hinfort stets aus 15 Patriziern und 4 Mitgliedern ausder Gemeine bestehen sollte. — In der zweiten Hälfte des 15. Jahr-hunderts spielte Breslau eine bedeutende Rolle in den schweren Kriegen,die zwischen Böhmen, Polen und Ungarn, großentheils auf schlefischcmGrund und Boden geführt wurden. In Folge derselben kam Breslaueine Zeit lang (1471 — 1526) unter die Herrschaft der Könige vonUngarn. Unter dem letzten derselben ward bereits die Kirchcnreforma-tion Luthers von Rath und Gemeine im I. 1525 so vollständig einge-führt, daß nur der Dom und die Stifter und Klöster noch in den Hän-den der Katholischen blieben. Nach König Ludwig's Tode kam Breslauzugleich mit Schlesien und Böhmen unter die Oberhoheit Oesterreichs(1527) und blieb die folgenden zwei Jahrhunderte unter derselben. DieFurcht vor einem Heranzuge der Türken veranlaßte im I. 1529 dieNiederrcißung der uralten, von Quadersteinen erbauten, nördlich vomDom auf dem sogenannten Elbing gelegenen Kirchen zu St. Michael,Allerheiligen und der stattlichen Abtei und Kirche der Prämonstratenserzu St. Vincent, von denen blos die Michaelskirche später wieder her-gestellt wurde. In den Stürmen des dreißigjährigen Kriegs blieb dieStadt zwar verschont, doch ward die Sand- und Dom-Insel nebst ihrenKirchen und Klöstern im I. 1932 von den Schweden und Sachsen argverwüstet, und zugleich der reiche Bücher- und Handschriften-Schatz desDoms vernichtet. Bei der preußischen Besitznahme Schlesiens im I.1741 ward auch Breslau preußisch, und dadurch vieles in den innerenund äußeren Verhältnissen der Stadt geändert. Unter den Belagerun-gen, welche die Stadt im Laufe des siebenjährigen Kriegs erlitt, warkeine verwüstender als die im I. 1760, welche durch General Tauen-zicns tapfere Vertheidigung so berühmt geworden ist. Die letzten De-cennien des 18. und die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts führten fürdie Stadt keine erheblichen Veränderungen herbei. Doch als die Fran-zosen im I. 1896 in Schlesien eindrangen, litt Breslau in der mehr-wöchcntlichen Belagerung außerordentlich viel, und der größte Theilder Vorstädte nebst den Kirchen zu St. Nikolai und den Elftausend Jung-frauen ging in Flammen auf. Umgestaltungen anderer Art veranlaßtedie im I. 1810 erfolgte Aufhebung der geistlichen Stifter und Klösterder Stadt, in deren Folge mehrere Kirchen geschlossen und der größteTheil der katholischen Stifts - und Klostergebäude zu Staats- und Ge-meinde-Zwecken verwendet wurde. Noch größer waren die Verände-rungen, die in den nächsten Umgebungen eintraten, als die bereits vonden Franzosen gesprengten Festungswälle seit dem Jahre 1814 allmäh-lig in anmuthigc Gärten, Anlagen und Baumalleen umgeschaffen, diealten Festungsthore abgetragen, auf den durch Schleifung der Außcn-werkc gewonnenen Räumen neue Straßen und Plätze angelegt, unddie eingeäscherten Vorstädte aus ihren Trümmern schöner und freund-licher wieder aufgebaut wurden. Seitdem ist Breslau in fortwähren-der Erweiterung und Vergrößerung nach außen, besonders nach derSüd- und Westseite hin, begriffen, und die dort sich ausmündende»Eisenbahnen Oderschlesiens, Niederschlcsiens und Freiburgs lassen nachdieser Seite hin eine weit größere Ausdehnung der Stadt sowohl alsauch ihres Handels und Verkehrs erwarten, als in diesem Augenblickzu berechnen ist.