zwischen den Schweden und Kaiserlichen entstandene Kanonade einge-äschert und erstand erst im I. 1668 wieder aus seinen Ruinen. Dasgrößte Unglück traf die Domkirche indeß am 9. Junius 1759. Eine amtiefen Spätadend auf der Dom-Insel aufgegangene Feuersbrunst ergriffden Bischofshof und entzündete die beiden Thürme des Doms, derenhohe kupferne Spitzen flammend bis zur Gallerte herabstürzten. Auchdie Glocken und das Kirchendach zerschmolzen von der Glut. Zwarfind letztere wieder hergestellt; aber die Thürme habe» statt ihrer frü-heren zierlichen Spitzen nur stumpfe Ziegeldächer erhalten. Das lange,aber ziemlich schmale Hauptschiff des Doms ist im Innern licht, freund-lich und heiter, aber eben nicht ausgeschmückt. Selbst der prachtvolle,ganz von Silber getriebene, von dem Breslauer Goldschmied PaulRitsch im I. 1599 vollendete Hochaltar ist für die Kirche zu klein undzu niedrig, und macht nur in der Nähe einigen Eindruck. Dagegenbefinden sich in den zahlreichen offenen Seitenkapellcn sehr viele, zumTheil höchst merkwürdige und interessante Gemälde, Reliefs, Bildwerke,Denk- und Grabmäler, großentheils aus älterer Zeit herrührend. Ken-ner bewundern am meisten in der siebenten Seitenkapelle des nördlichenSeitenschiffes ein anmuthiges Bild Lukas Kranach's, Maria mit demChristkinde darstellend, und hinter dem Hochaltar am Eingang in dieManfionarien-Kapelle das trefflich aus Messing gearbeitete Denkmal desBischofs Zohann (tz 1596) von der Meisterhand des berühmten nürn-bergischen Erzgießcrs Peter Bischer. Reich an FrcSco-Malereienund marmornen Bildsäulen sind die beiden kuppelförmig überwölbten,hinten am Ostcnde der Kirche befindlichen Kapellen, die Elisabeth- unddie kurfürstliche Kapelle. Beide sind im neueren italienischen Baustil zuAnfang des vorigen Jahrhunderts aufgeführt, und die letztere ist einWerk des berühmten Architekten Fischer von Erlach. — Außer dengenannten Kirchen enthält dieser Stadttheil noch die sehr ansehnlichenGebäude des katholischen Priesterseminariums oder Alumnats, des kur-fürstlichen Orphanotrophcums oder adeligen Waisenhauses, des Blinden-und Taubstummen-Instituts, den botanischen Garten und einige Hospi-täler. — Auch ist hier noch der Hinterdom zu nennen, d. h. dieäußerste Vorstadt des Doms, die in ihren engen, unregelmäßigen unddüstern Straßen nichts Merkwürdiges aufzuweisen hat, als Kroll'sWintergarten, dessen großartiger, geschmackvoll dekorirter und mitOrangerie reich besetzter Prunksaal im Winter das beliebteste Gesell-schafts-Lokal und der zahlreich besuchte Sammelplatz der gebildetenStände ist.
In der Nähe des Sandes und Doms, und ebenfalls am rechtenUfer der Oder, zieht sich die Odervorstadt entlang, deren sehr breiteund wohlgebaute Hauptstraße nach der Elftausend Jungfrauen-Kirche führt. Diese Kirche, die schon seit dem I. 1499 besteht, undzur Zeit der Reformation wie die übrigen Stadtkirchen den evangeli-schen Gottesdienst annahm, ward bei der letzten Belagerung der Stadtim I. 1896 niedergebrannt, und in der Folge nach dem Entwürfe desBaurathes Langhans d. I. (in den Jahren 1829 - 22) im neueren Stilewieder aufgebaut. Sie ist ein zwölfseitiger Bau mit ziemlich hoherKuppel. An der Vorhalle stehen zwei nicht hohe und spitzenlose Thürme.Ueber dem Portal der Kirche zwischen den Thürmen sind die von demehemaligen Nikolai-Thor entnommenen zierlichen Steinbilder und Bild-werke angebracht.
Der Bürger werder ist eine von zwei Armen der Oder umflos-sene Insel, die nur eine einzige, mit großentheils guten Häusern undGebäuden besetzte Hauptstraße hat. Hier befinden sich die meisten undgeräumigsten Kasernen der Garnison so wie die meisten für militärischeZwecke bestimmten Gebäude, ferner die Zucker-Raffinerie, der Packhofnebst mehreren Nicderlagsplätzen, Speichern, Magazinen und Mühlen.
Die Ohlaucr Vorstadt dehnt sich in großer Länge längs desOhla-Flüßchens gegen Osten hin aus, und enthält eine große Anzahl
von Fabriken. Gleich beim Eintritt in dieselbe, von der Stadt her,stellt sich zur Rechten das im Jahre 1842 neu erbaute Gebäude desSeminariums für evangelische Schullehrer dar. Die sehrbreite und mit modernen Häusern besetzte Hauptstraße der Vorstadtführt in gerader Richtung zur St. Mauritiuskirche. Der gefälligkonstruirte Thurm derselben ist erst im I. 1724 aufgeführt, die Kirche,deren Inneres im neueren Geschmack ausgeschmückt ist, wird schon imI. 1268 urkundlich erwähnt. — In einiger Entfernung davon, abernoch in derselben Hauptstraße liegt die Kirche und das Kloster derBarmherzigen Brüder. Beide wurden erst imJ. 1715 gegründet.Die Kirche, deren ganz massiver Thurm eine stumpfe, kuppelartigeSpitze, eine Glocke und Schlaguhr hat, wurde im I. 1725 eingeweiht.Das Innere ist im modernen Stil, aber höchst geschmackvoll dekorirt;besonders macht der reich vergoldete Hochaltar einen sehr gefälligenEindruck. Das a» der Südseite der Kirche, im Viereck angebaute Klosterist sehr geräumig und für die Pflege und Behandlung der Kranken, denalleinigen Zweck dieses wohlthätigen Ordens, sehr bequem eingerichtet.
Die Schwcidnitzer Vorstadt hat sehr breite und regelmäßigeStraßen, die aber noch nicht überall mit Häusern besetzt sind. DenMittelpunkt dieses Stadttheils bildet der Taunziensplatz, ein re-gelmäßiges, aber noch nicht ganz mit Häusern umbautes Viereck, indessen Mitte das von Schadow aus Sandstein gehauene und mit Re-liefs aus weißem Marmor geschmückte Grabdenkmal des General Taun-zien steht, — eben desselben, der sich durch die Vertheidigung Breslausim I. 1769 so ehrenvoll auszeichnete. Uedrigens befitzt diese Vorstadtaußer der umfangreichen Kavallerie-Kaserne und der sehr unansehnlichenSalvatorkirche keine öffentlichen Gebäude.
Die Nikolai-Vorstadt enthält die meisten und geräumigstenKirchhöfe und Begräbnißplätze Breslaus, und mehrere, sehr ansehn-liche Fabrikgebäude und Speicher. Die Hauptstraße ist sehr breit, ziem-lich gerade und großentheils mit guten Häusern besetzt. Ziemlich inder Mitte der Vorstadt, aber auf einem etwas beengten Platze stehtdie Nikolai-Kirche. Sie wird bereits im I. 1175 in den Urkundengenannt, und ward nebst ihrem Thurme schon in sehr früher Zeit vonBacksteinen aufgeführt. Im I. 1428 wurde sie von den Hussitcn, welchebis in die Vorstädte Breslaus streiften, angezündet, in der Folge aberwieder hergestellt. Hierauf behielt sie ihre Gestalt unverändert bis zurBelagerung der Stadt im Dezember des Jahres 1896, wo sie nebstihrem Thurme in Brand gesteckt und durch das Wurfgeschütz der Be-lagerer in eine Ruine verwandelt wurde. Blos das östliche Ende (dassogenannte Presbpterium oder hohe Chor) blieb vom Feuer verschontund konnte noch zum Gottesdienste benutzt werden. Nachdem Kircheund Thurm 38 Jahre wüst gestanden, ist endlich ihre Wiederherstellung,und zwar im gothischen Baustile, beschlossen.
Geschichte der Stadt Vreslau.
Der Ursprung der Stadt Breslau ist wie der so vieler andernStädte in Dunkel gehüllt. Unter den verschiedenen, darüber aufge-stellten Annahmen ist diejenige wohl die wahrscheinlichste, daß der Böh-menfürst Wratislaw, der den größten Theil des damalige» Schlesiensbeherrschte, um das Jahr 999 die Stadt gründete und sie nach seinenNamen Wratislawina benannte. Genannt wird dieser ihr Name indeßerst um das Jahr 1999 von Bischof Dietmar von Merseburg. Um dasJahr 999 ward Schlesien von Böhmen losgerissen und ein Theil despolnischen Reiches; um dieselbe Zeit ward von dem Polenfürsten Mie-cislaw oder Miesek I. zu Breslau ein Bisthum gegründet, doch erst im1. 1952 von Kasimir I. daselbst eine Domkirche von Holz erbaut und St.Johannes dem Täufer geweiht, an deren Stelle später um das I. 1159Bischof Walter einen steinernen Bau aufführte. Als in der Folge durch