die Dom-, Sand- und Oder-Vorstadt und der Bürgcrwer-der, auf der linken Seite des Flusses: die Ohlauer-, Schwetd-nitzer- und Nikolai-Vorstadt.
Die Sand- und Dom-Vorstadt (ehedem rings von der Oderund ihren Nebenarmen umflossen und daher insgemein Sand- undDom-Insel genannt) ist nur noch theilweise vom Strome begrenztund durch Brücken unter sich und mit der inneren Stadt verbunden.Es ist dies jedenfalls der älteste und merkwürdigste Theil der Stadt,der mit Kirchen, Kapellen und (aufgehobenen) Klöstern wie übersät ist,die sich hier, umringt von grünen Baumgärten und dem Wasserspiegeldes Stroms, dicht an einander drängen, und an manchen Stellen ausder Flut emporzusteigen scheinen. Zunächst an der Stadt liegt dieSandvorstadt (insgemein der Sand genannt). Sie besteht eigentlichnur aus zwei Hauptstraßen, aus deren Mitte die gewallige Stifts-kirche der ehemaligen Augustiner zu Unsrer Lieben Frauen mächtigemporsteigt. Obwohl der ehmals ziemlich hohe Thurm derselben seitdem Verlust seiner schönen Spitze sich jetzt ziemlich gedrückt und ver-stümmelt, und obwohl das gegenwärtige, etwas flach gehaltene Ku-pferdach der Kirche wenig zu den übrigen Verhältnissen des ganzenBaues paßt, so macht das Ganze dennoch einen höchst großartigen,imposanten Eindruck. Diese Kirche, angeblich von Peter Wlast imlZ. Jahrhundert gegründet, ward in ihrer jetzigen Gestalt während derzweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach und nach aufgeführt und mitherrlichen Kunstwerken ausgeschmückt. Der Thurm derselben, der man-cherlei Unfälle und Umbaue erlitten, erhielt endlich im Jahr 1667eine höchst zierliche, kupferne, mit goldenen Knöpfen geschmückte undzweimal durchbrochene Spitze, nach einer Zeichnung des Jesuiten Morer.Diese Zierde der Kirche und der Stadt dauerte indeß nur wenig über66 Jahre. Am 36. Januar 1736 in der Nacht entzündete ein Blitz dieSpitze des Thurmes, die bei ihrem Herabsturz das Kirchendach in Flam-men setzte und einen Theil des Innern verwüstete. Zwar wurde alleswieder hergestellt, aber der Thurm blieb seitdem ohne Spitze. Einspäterer Brand, welcher im I. 1791 die Sand- und Dom-Insel ver-heerte, verzehrte abermals die Bedachung der Kirche und des Thurms,verschonte aber die Glocken, worauf Kirche und Thurm das noch jetztbestehende Kupserdach erhielten. Aller dieser Zerstörungen ungeachtet,gewährt das Innere immer noch einen großartigen Eindruck. Einedoppelte Reihe mächtiger Pfeiler trägt die kühnen Wölbungen desbreiten Hauptschiffs, neben welchem die beiden Seitenschiffe in gleicherHöhe sich erheben. Die Pfeiler find mit Nebenaltärcn und Schnitz-wcrken reich verziert, und der Hochaltar mit seinen Umgebungen einesso majestätischen Tempels würdig. Von alterthümlichen Monumentenist natürlich keine Spur mehr vorhanden. An die Südseite der Kirchestößt das sehr hohe, im Viereck aufgeführte Stiftsgebäude, das in sei-ner gegenwärtigen Gestalt erst im I. 1726 vollendet wurde. Die wei-te» Hallen und Säle dieses mit wahrhaft fürstlichem Aufwand aufge-führten, höchst geräumigen Gebäudes erfüllen gegenwärtig die Büchcr-schätze der Königlichen und Universitätsbibliothek, das Archiv, dieGemälde- und Alterthümersammlung. — Der Sandkirche gegenüber stehtdie im modernen Baustil zu Anfang des 13. Jahrhunderts aufgeführteKirche nebst dem ehemaligen Nonnenkloster zu St. Jakob, das seit seinerAufhebung dem katholischen Schullehrer-Seminarium überwiesen ist.
Von der Sandinsel aus führt die Dombrücke in die Hauptstraßedes Doins, a» welcher sich zu beiden Seiten die Residenzen der Dom-herren und des Bischofs bis zur Domkirche hin an einander reihen.Gleich beim Eintritt in diesen Stadttheil zeigt sich zur Linken auf einemeben nicht geräumigen Platze die Kirche zum heil. Kreuz, vonHerzog Heinrich IV. von Brcslau im I. 1238 gegründet und im I.1295 vollendet. Sie ist in Krcuzesform gebaut, und eines der älteste»,merkwürdigsten und ansprechendsten kirchlichen Gebäude Brcslaus, schon
darum, weil an ihr die reinen Verhältnisse des altdeutschen Baustils,wie er zu Ende des 13. Jahrhunderts gewesen, durch keine» späterenUmbau oder Anbau entstellt oder gestört erscheinen. Es ist an ihr dieAnlage zu zwei, sich gegenüber stehenden Thürmen vorhanden, doch nurder eine ist vollständig aufgeführt. Dieser erhebt sich schlank und zier-lich, hoch über das Kirchendach empor bis zum steinernen Umgang, überwelchem dann die sehr hohe kupferne Spitze undurchdrochcn sich ver-jüngt. Das ganze Gebäude umschließt eigentlich zwei über einanderbefindliche Kirchen. Die untere, eine halb unterirdische Krypta, istdem h. Bartholomäus geweiht und schon seit langer Zeit wüst undunbenutzt. Die obere ist die höhere und bedeutendere; es führen zuihr von der Süd- wie von der Nordseite steinerne Aufgangstreppcnzu den Eingangspforten empor; aber ihr Inneres ist kahl und schmuck-los, die Altäre im modernen Stil und höchst einfach. Offenbar hatder Einfall der Schweden, die im I. 1632 die Kirchen der Sand- undDom-Insel verwüsteten, auch diese Kirche ihres vormaligen Ausschmucksund ihrer Monumente beraubt. Blos eins ist noch wohl erhalten. Imhohen Chor steht nämlich kunstreich aus Thon gebrannt das Grabmo-numcnt des Stifters, Herzog Heinrichs des Vierten, der einst unterden Minnesängern der Hohcnstaufenzeit geglänzt, und auch als ritter-licher Zeitgenoß des böhmischen Ottokars und Nudolphs von Habsburg,gegen welchen er auf dem Marchfeldc mitgcstritten, sich einen Namenin der Geschichte erworben hat. — Am Ende der Domstraßc endlichliegt die Kathedralkirche zu St. Johann. Die nach der Dom-straße hingewendete Stirnseite der Kirche mit dem modern restaurirtenKirchcngiebel, der gothischen Vorhalle und den beiden stattlichen, aberverstümmelten und spitzenloscn Doppelthürmcn hat in ihrer jetzigenGestalt ein etwas schwerfälliges Anschn und macht auf jeden Fall einendisharmonischen Eindruck. Imposanter tritt sie dem Beschauer von denübrigen Seiten, besonders von der Ostseite, entgegen, nur daß hierdie beiden, hinten an die Kirche angebauten, kuppelförmigcn Kapellenwiederum den Eindruck des Ganzen stören. Die Gründung des Demoist bereits in das I. 1666 zu setzen. Bischof Walther war es, derum das I. 1156 an der Stelle der früher von Holz errichteten Kircheeinen massiven Bau im byzantinischen Stile aufführte, von welchemnur noch wenige Spuren vorhanden sind. Der jetzt noch bestehendeDombau indeß gehört einer späteren Zeit an. Sicheren Nachrichtenzufolge hat nämlich Bischof Thomas I. (1232—1267) im Verein mirHerzog Heinrich III. den hohen Chor des jetzigen Doms erbaut undbis an das Dach emporgeführt. Der übrige Theil der Domkirche nebstden Thürmen wurde wohl erst später im 14. Jahrhundert hinzugefügt.Von den beiden Doppelthürmen der Vorderseile wurve ursprünglichblos einer, und zwar der nördliche, in vollständiger Höhe und Zier-lichkeit aufgeführt. Dieser war mit Zierrathcn, Säulen, Thürmchenund steinernen Ornamenten aller Art reich ausgeschmückt und hatte einehohe und zierliche, mit Kupfer gedeckte Spitze. Die Kirche hatte übri-gens schon damals ein Kupferdach und jene herrliche Vorhalle am west-lichen Eingang, die mit ihren Säulen, Statuen, Figuren und alleinBild- und Laubwerk in den Jahren 1465 - 1463 von den WerkmeisternHans Bertholt und Franz kunstreich verfertigt und reich vergolde:worden war, und die in späterer Zeit durch ein heftiges Ungewiltcr(im I. 1618) die traurige Verstümmelung und Verwüstung erfuhr, de-ren Spuren noch jetzt sichtbar sind. Untcrdeß war auch der hohe Thurmdes Doms nicht von Unfällen verschont geblieben. Am 19. Julius 1546in später Abendstunde gericth, durch Fahrlässigkeit des Seigerstellers,der ganze Thurm in Brand und wurde nebst dem kupfernen Dache derKirche in Asche gelegt. Beides wurde indeß in der Folge wieder her-gestellt. Damals scheint man auch an den Aufbau des südlichen Thur-mes gedacht zu haben, der im Jahr 1586 seine Vollendung crhielr.Allein bereits im I. 1632 ward dieser mittägliche Thurm durch eine