einer bedeutenden Breite oder vielmehr zu einem länglichen Platze, anwelchem sich einige der ansehnlichsten Gebäude der Stadt hinreihcn.Kommt man vom Ringe her, so zeigt sich zuerst zur Rechten der ge-waltigste und großartigste Kirchenbau der Stadt, die Minoritcn-kirche zu St. Dorothea. Gründer und Erbauer derselben warKaiser Karl IV., dem Breslau seine Erweiterung über die Ohla hinauszu seiner jetzigen Ausdehnung und Größe verdankt, und der so gerndie Stadt zu einem zweiten Prag unigeschaffen haben würde. Sie solltedie eigentliche Hauptkirche des neuen Anbaus der Stadt werden, undder baulustigc Kaiser schoß selbst die bedeutenden Kosten zum Baue vor,und übergab sie gleich bei ihrer Gründung im I. 1350 den Augustiner-Eremiten. Nach der Reformation stand Kirche und Kloster 80 Jahrelang wüst, bis sie im I. 1612 von Kaiser Matthias den Franziskaner-Minoriten überwiesen wurden. Seit Aufhebung des Ordens hat indem ehemaligen Klostergebäude das Königliche Jnguisitoriat seinen Sitz.Die Kirche ist ohne Thurm, hat aber den höchsten Kirchengiebcl derStadt. Das Innere gewährt beim Eintreten einen imposanten Ein-druck. In keiner anderen Kirche eröffnet sich dem Auge bei so vielerHelle ein so langer Raum bei solcher Breite. Die Gewölbe vcr Sei-tenschiffe sind so hoch wie das des Hauptschiffs, und überhaupt diehöchsten in der Stadt. Das Ganze würde einen noch größeren Eindruck machen, wenn die Pfeiler und Scitenaltäre geschmackvoller oderdoch alterthümlicher dekorirt wären. Gleich dahinter steht in derselbenReihe das neue, vom Baurath Langhans d. I. in den Jahren 1340—1841 erbaute Theater mit seinem balkonartigen steinernen Vorbau.Roch weiterhin, am Ausgange der Straße, dicht an der Promenade,an der Stelle des ehemaligen Kreuzhofes, erhebt sich das vom Ober-baurath Stüler entworfene, im I. 1342 begonnene und im großartig-sten Rundbogen-Stile ausgeführte Gebäude des Königlichen General-Commando's. Gerade gegenüber auf der andern Seite der Straßesteht die Kirche zum h. Leichnam (Loi-pm-is llkrisii), ei» hoher,thurmloser Bau, mit kunstreich verziertem Vordergiebel. Sie wurdebereits im I. 1317 von den Johannitter-Ordens-Rittern gegründet.Das Innere ist geräumig, licht und freundlich, hat aber ein zu mo-dernes, schmuckloses Ansehn, worüber man sich nicht wundern darf, dadies Gotteshaus, vom I. 1548 an, dem Stadtmagistrat zu Breslaupfandweise überlassen und von demselben 144 Jahre lang als Salz-magazin benutzt wurde, bis Kaiser Leopold I. das Gebäude einlösteund seiner früheren Bestimmung wiedergab.
Die Albrcchtsstraße, welche ebenfalls vom Ringe ausgeht, hatoffenbar unter allen Straßen der Stadt die höchsten und stattlichstenHäuser, worunter sich die Königliche Bank, das im neurömischenBaustil aufgeführte Königl. Ober-Postamt und vor allen dasKönig l. Regierungsgebäude auszeichnen. Das letztere, vor-mals das Palais des Fürsten Hatzfeld, wurde vom BaurathLanghans dem Aelteren um das Jahr 1770 in den edelsten und schön-sten Verhältnissen aufgeführt und ist offenbar unter den neueren Ge-bäuden der Stadt das architektonisch vollendetste. Am Ende der Straßeliegt die Dominikanerkirche zu St. Adalbert. Sie hat einennicht hohen Thurm, aber einen reich verzierten Vordergiebel. Siewurde schon vom Grafen Peter Wlast in der ersten Hälfte des 12. Jahr-hunderts gegründet und kam im I. 1226 in den Besitz der Dominikaner.Der noch bestehende Bau wurde im I. 1330 durch das Vcrmächtnißeines reichen Bürgers Nikolaus Slupp vollendet.
Die sehr gerade, aber nicht sehr breite Schmiedebrücke führt vomRinge aus zu der an der Nordseite der Stadt gelegenen, ehemaligenJesuiten-, jetzigen Pfarrkirche zu St. Matthias. Kaiser Leo-pold I. war es, der im I. 1670 den Jesuiten zu Breslau seine Kaiser-liche Burg übergebe» ließ, die an der Stelle derselben in den Jahren1689—1693 diese noch jetzt bestehende Kirche erbauten. Das Aeußere
derselben ist, wie alle Jesuitenkirchen, im neurömischen Baustil aufge-führt; das Innere ist in demselben Stil dekorirt, und reich an Fresko-malereien, Vergoldungen, marmornen Standbildern, Säulen undOrnamenten. Sie ist gegenwärtig der Gemeinde der St. Matthias-kirche überwiesen. Bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts hattendie Jesuiten den Plan gefaßt, in Breslau eine umfassende Lehranstaltzu gründen, die endlich im I. 1702 durch eine kaiserliche Urkunde zurUniversität erhoben wurde. Als Lokal dazu waren ihnen vom Kaiserdie hinter der Jesuitenkirche längs der Stadtmauer bis zum Ausgangeder Stockgasse hinab sich erstreckenden kaiserlichen Stallungen angewie-sen worden. An der Stelle dieser Stallunge», am Oderstrom entlang,wurde nun nach einem, von dem P. Franz Wenzel aus Neapel mitge-brachten Plane der noch bestehende gewaltige Bau des Universitäts-gebäudes aufgeführt, der durch seine imposante Länge, Höhe undMafsenhaftigkeit alle übrigen nicht kirchlichen Bauwerke der Stadt weitüberbietet. Der westliche Flügel trägt einen zierlichen Kuppelthurm,worin die astronomische Sternwarte. Der östliche Flügel, der eineneben solchen Kuppelthurm erhalten sollte, ist unvollendet geblieben;eben so wenig ist der Hauptthurm, der über der Mitte des Gebäudesaufsteigen sollte, ausgeführt worden. Es kann nie genug beklagt wer-den, daß dieser Prachtbau, der, seiner Anlage nach, in Deutsch-land seines Gleichen nicht gehabt haben würde, nicht ganz zu Standegebracht worden ist. Seit dem Jahre 1811 ist die von Frankfurt nachBreslau verlegte Universität im Besitz des Gebäudes, dessen geräumigeund zahlreiche Säle und Gemächer theils zu Lehrzimmern, theils zuWohnungen der Professoren, theils zu andern akademischen Zweckenbenutzt werden.
Die sogenannte Neustadt ist der östlichste, durch einen schmalenKanal abgesonderte Theil der eigentlichen Stadt. Die Häuser dersel-ben sind großentheils niedriger und unansehnlicher als in den übrigenStadttheilen; doch ist die Hauptstraße, die sogenannte Breite Straße,wirklich die breiteste der Stadt. Außer einige» Kasernen, Schulen undHospitälern hat dieser Stadttheil an öffentlichen Gebäuden blos dasder Königlichen Intendantur und die evangelische Pfarrkirche zuSt. Bernhardin aufzuweisen. Die letztgenannte, sehr ansehnliche,aber thurmlose Kirche ward nebst dem dazu gehörigen Kloster im Jahr1453 von dem Büß- und Kreuzprediger Johann von Capistrano ge-gründet und den Bernhardiner-Mönchen eingeräumt. Statt des ur-sprünglichen Holzbaues ward später (im I. 1463) der jetzt noch be-stehende steinerne Bau begonnen. Um die Zeit der Reformation wurdendie Bernhardiner gezwungen, Kloster und Kirche zu räumen. Letzterewurde im I. 1526 den Evangelischen übergeben, das Kloster aber inein Hospital verwandelt. Die Glocken wurden im Jahr 1603 auf einneben der Kirche stehendes thurmartigcs Gebäude gebracht, wo sie sichnoch befinden. Der furchtbare Brand, der am 28. Junius 1628 dieNeustadt heimsuchte, legte auch dies Gotteshaus in Asche, und dasInnere wurde seitdem in dem geschmacklosen Stil des siebzehnten Jahr-hunderts restaurirt und dekorirt. Daher ist denn auch so wenig Alter-thllmliches darin zu finden. Das Merkwürdigste, was diese Kirche jetztnoch aufzuweisen hat, bleibt jedenfalls die sogenannte Hedwigstafel,ein großes hölzernes Altarblatt mit 2 Flügeln, worauf ein unbekann-ter Meister des 15. Jahrhunderts alle bekannten Scenen aus demLeben der h. Hedwig dargestellt und durch altdeutsche Unterschriften er-läutert hat.
II. Die Vorstädte.
Die Vorstädte Breslaus, welche blos der Stadtgraben von dereigentlichen Stadt trennt, sind sehr weitläufig und ausgedehnt, dieHauptstraßen meist sehr breit und regelmäßig, die Häuser großentheilsim modernen Stil erbaut. Auf der rechten Seite der Oder liegen: